NEW YORK (dpa-AFX) - Nach einem zweitägigen Kursrutsch zeichnet sich am Mittwoch an den US-Börsen ein erneuter Erholungsversuch ab. Allerdings ist angesichts der internationalen Ausbreitung des Coronavirus keine richtige Entspannung angesagt, wie eher vorsichtige Gewinne zeigen. Der Broker IG taxierte den Dow Jones Industrial knapp eine Stunde vor Handelsbeginn ein halbes Prozent höher auf 27 226 Punkte.

Damit würde der US-Leitindex einen erneuten Stabilisierungsversuch starten, nachdem dies am Vortag nur eine kurze Erscheinung war. Zuvor hatten sich in Europa die Leitbörsen am Mittwoch deutlich von ihren zeitweise schweren Verlusten erholt. Allerdings waren die Märkte an den beiden Vortagen auch schon deutlich gefallen. Seit Freitag hat der Dow bereits 6,6 Prozent an Wert eingebüßt. Ein Tief seit Ende Oktober war die Folge.

Für Gesprächsstoff sorgt neuerdings die Virus-Ausbreitung auch in Europa und den USA. Die US-Gesundheitsbehörde CDC äußerte sich besorgt. "Es ist weniger eine Frage, ob das noch geschehen wird, sondern eher eine Frage, wann genau das geschehen wird und wie viele Menschen in diesem Land schwer krank sein werden", sagte die Leiterin der CDC-Abteilung für Immunisierung und Atemwegserkrankungen, Nancy Messonnier. Gespannt wird nun auf später angesetzte Aussagen von US-Präsident Donald Trump zum Virusthema gewartet.

Anleger fürchten vor diesen Hintergründen mehr und mehr die wirtschaftlichen Folgen durch die internationalen Maßnahmen zur Eindämmung. "Die Märkte haben in den vergangenen Tagen bereits damit begonnen, ein entsprechend negatives Szenario einzupreisen", kommentierte Anlagestratege Chris-Oliver Schickentanz von der Commerzbank. Mittelfristig sieht er zwar neue Einstiegschancen, die Stimmung sei aber auch noch nicht negativ genug, um weitere Ausverkaufswellen auszuschließen.

Auf Unternehmensseite machten am Mittwoch vor allem personelle Entscheidungen Schlagzeilen. So tritt Bob Iger mit sofortiger Wirkung als Chef des US-Unterhaltungsriesen Disney zurück. Nach dem Start eines eigenen Streamingdienstes sah dieser den optimalen Zeitpunkt gekommen, um den Staffelstab zu übergeben. Zum Nachfolger wurde der mit Bob Chapek ein Manager aus eigenen Reihen ernannt. Die Aktie gab aber dennoch vorbörslich 1,4 Prozent nach.

Auch bei Salesforce gibt es ein Stühlerücken an der Konzernspitze, das bei Anlegern vorbörslich mit 1,3-prozentigen Kursverlusten schlecht aufgenommen wurde. Beim SAP -Konkurrenten trat der Co-Chef Keith Block zurück, der Softwarekonzern soll künftig alleine von Marc Benioff geführt werden. Ein gut verlaufenes viertes Quartal wurde damit für die Papiere nicht zur Stütze.

Die laufende Berichtssaison sorgte im Nebenwertebereich nochmals für Gesprächsstoff. Der Baumarktkonzern Lowe's enttäuschte mit seiner Umsatzentwicklung im vierten Quartal, die Papiere rückten vor dem Börsenstart aber dennoch um 1,3 Prozent vor. Noch dynamischer ging es nach Quartalszahlen bei Office Depot zu, wie ein Kurssprung um 8 Prozent zeigte./tih/fba