NEW YORK (dpa-AFX) - Verheerende Daten vom US-Arbeitsmarkt dürften den US-Börsen am Donnerstag den Handelsstart verhageln. Der Broker IG taxierte den Leitindex Dow Jones Industrial rund eine Dreiviertelstunde vor dem Auftakt auf 20 985 Punkte. Das wäre ein Plus von 0,2 Prozent im Vergleich zum Vortag. Vor Bekanntgabe der Daten war noch ein Plus von knapp eineinhalb Prozent erwartet worden.

Unverändert steht die in den Vereinigten Staaten weiter um sich greifende Coronavirus-Pandemie samt der Unsicherheit über das Ausmaß der wirtschaftlich negativen Folgen im Blick. Vor allem Rezessionssorgen wachsen, weshalb aktuellen Wirtschaftsdaten hohe Aufmerksamkeit zukommt. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe aus der vergangenen Woche stiegen auf den Rekordwert von 6,65 Millionen nach dem vorherigen Rekord von 3,28 Millionen. Die Arbeitsmarktlage ist "katastrophal", wie Helaba-Analyst Ralf Umlauf schrieb.

Nun wird mit Sorge auf den Arbeitsmarktbericht für den gesamten Monat März gewartet, der am Freitag ansteht. Heute gibt es zudem noch Zahlen über die Auftragseingänge aus der Industrie und für langlebige Güter aus dem Monat Februar.

Es hat nicht den Anschein, das bereits gehandelt wird, wie schlecht es wirtschaftlich kommen wird", sagte ein Volkswirt. "Wir wissen einfach nicht, wie wir das einkalkulieren sollen, was gerade passiert, weil es alles so schnell passiert."

So hatte die Virus-Panik der Rekordjagd an der Wall Street im Februar ein jähes Ende gesetzt und dem Dow das schlechteste Auftaktquartal seit 1987 eingebrockt. Die längst zur Pandemie erklärte Corona-Krise lässt aktuell die Zahl der bestätigten Infektionen in den USA immer weiter steigen. So kletterte die Zahl am Mittwoch auf mehr als 200 000 und ist damit so hoch wie in keinem anderen Land auf der Welt. Zudem gab es bislang insgesamt mehr als 4700 Tote in den USA. Laut dem US-Sender CNN starben in den Vereinigten Staaten allein am Vortag mehr als 900 an der Lungenkrankheit Covid-19.

Derweil stemmt sich die amerikanische Notenbank (Fed) mit weiteren Maßnahmen gegen Krise und lockerte übergangsweise eine wichtige Verschuldungsregel für heimische Großbanken. Die Lockerung soll ein Jahr Bestand haben und werde den Kapitalbedarf der Banken um rechnerisch zwei Prozent verringern. Die Aktien von JPMorgan , Goldman Sachs , Morgan Stanley oder auch der Bank of America schwankten vorbörslich zwischen leichten Gewinnen und Verlusten.

Unter den Einzelwerten dürften ansonsten die im Leitindex Dow zu findenden Papiere der Apothekenkette Walgreens mit Quartalszahlen Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Walgreens Boots Alliance übertraf im zweiten Geschäftsquartal ergebnisseitig die Erwartungen, woraufhin die Aktien vorbörslich um 1,8 Prozent zulegten. Allerdings hieß es seitens des Unternehmens auch, dass die Pandemie die Zukunft aktuell unsicher mache, weshalb die Jahresziele zur Vorlage der nächsten Quartalsbilanz aktualisiert würden.

Auch Ölwerte wie ExxonMobil und Chevron aus dem Dow könnten erneut einen Blick wert sein. Vorbörslich erholten sich beide wieder kräftig mit einem Kursplus von jeweils um die 5 Prozent. China hat nach Angaben von Insidern Pläne zur Aufstockung der staatlichen Notreserven an Rohöl weiter vorangetrieben. Der enorme Preisverfall am Ölmarkt solle ausgenutzt werden, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Ölpreise reagierten mit einem Preissprung auf die Meldung und auch die Ölwerte dürften so womöglich eine neue Erholung wagen.

Dass sich die US-Wettbewerbshüter gegen den Einstieg von Altria bei der umstrittenen E-Zigarettenfirma Juul ausgesprochen hat, sorgte für ein vorbörsliches Minus von rund 0,5 Prozent in den Aktien des US-Tabakriesen. Der Marlboro-Hersteller Altria war im Dezember 2018 für 12,8 Milliarden US-Dollar mit 35 Prozent bei Juul eingestiegen. Altria will sich nun gegen die Entscheidung zur Wehr setzen./ck/mis