NEW YORK (dpa-AFX) - Nach einer Feiertagspause drohen den US-Börsen wegen der Furcht vor einer neuen Coronavariante im verkürzten Freitagshandel deutliche Kursverluste. Über eine halbe Stunde vor dem Börsenstart taxierte der Broker IG den Dow Jones Industrial 2,31 Prozent im Minus auf 34 977 Punkte - damit steuert er auf ein Wochenminus von knapp 1,8 Prozent zu. Dem Nasdaq 100 prognostizierte IG am Freitag ein Minus von rund einem Prozent auf 16 191 Punkte. Am Mittwoch hatte sich der technologielastige Auswahlindex nur geringfügig besser als der Leitindex gehalten.

Fachleute befürchten, dass die Variante B.1.1.529 wegen ungewöhnlich vieler Mutationen nicht nur hoch ansteckend ist, sondern auch den Schutzschild der Impfstoffe leichter durchdringen könnte. Die Nachrichtenagentur PA zitierte einen Experten der britischen Behörde für Sicherheit im Gesundheitswesen mit der Einschätzung, bei B.1.1.529 handele es sich um "die schlimmste Variante", die bisher gesehen wurde. Bislang gibt es außerhalb des südlichen Afrika nur wenig bestätigte Fälle, unter anderem einen Fall in Belgien. Nach den von Großbritannien und Israel verhängten Einreisebeschränkungen für Personen aus dem südlichen Afrika kündigten andere Länder ähnliche Maßnahmen an.

Die Aktien der US-Ölriesen Chevron und Exxon Mobil sackten im Sog rückläufiger Ölpreise vorbörslich um rund vier Prozent ab. Während der ersten Corona-Welle im Frühjahr 2020 waren die Ölpreise drastisch abgestürzt. Ausschlaggebend waren die sehr umfangreichen Gegenmaßnahmen wie die Schließung vieler Bereiche des Wirtschaftslebens. Neue Varianten des Coronavirus wecken Erinnerungen an diese Zeit und schüren Ängste vor wirtschaftlichem Schaden, der auch auf der Energie- und Erdölnachfrage lasten würde.

Die in New York gelisteten Anteilsscheine des chinesischen Fahrdienst-Vermittlers Didi brachen um 4,7 Prozent auf 7,73 US-Dollar ein. Die Spekulationen um einen möglichen Rückzug des Uber - und Lyft -Konkurrenten von der New Yorker Börse verdichten sich. So sollen chinesische Regulierungsbehörden das Unternehmen aufgefordert haben, einen Plan für ein sogenanntes Delisting vorzulegen, schreibt die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf mit der Sache vertraute Personen. Die für Datensicherheit zuständige Aufsichtsbehörde habe diese Forderungen mit Sicherheitsbedenken begründet. Zum erst Ende Juli erfolgten US-Börsengang waren die Didi Titel noch bis auf rund 18 Dollar geklettert - seitdem ging es mit kurzen Unterbrechungen nur noch bergab.

Die Aktien des Gentherapiespezialisten Ocugen büßten knapp 13 Prozent ein, nachdem die US-Arzneimittelbehörde FDA einen so genannten "clinical hold" für die Tests des mit dem indischen Partner Bharat Biotech entwickelten Covid-Impfstoffkandidaten Covaxin verfügt hatte. Diesen Schritt vollzieht die FDA unter anderem, wenn sie eine Gefährdung von Probanden sieht. Ocugen muss nun auf weitere Informationen der FDA warten.

Dagegen sprangen die in New York gelisteten Biontech -Anteile um über neun Prozent hoch, während Pfizer -Titel sich um rund sechs Prozent verteuerten. Bereits am Donnerstag hatte die europäische Arzneimittelbehörde EMA grünes Licht für die Zulassung des Corona-Impfstoffs von Biontech und Pfizer für Kinder ab fünf Jahren gegeben. Es wird der erste Corona-Impfstoff, der in der EU für Kinder unter zwölf Jahren zugelassen wird. Offiziell muss die EU-Kommission nun noch zustimmen - das aber gilt als Formsache. Am Freitag teilte Biontech zudem mit, man schaue sich die im südlichen Afrika festgestellte neue Variante des Coronavirus in Tests an und rechne spätestens in zwei Wochen mit Erkenntnissen. Aktien des Biontech-Konkurrenten Moderna zogen vorbörslich um 13 Prozent an./gl/mis