NEW YORK (dpa-AFX) - Die Ängste vor einer weltweiten Verbreitung des Coronavirus dürften die Wall Street auch am Freitag fest im Griff haben. Der Broker IG taxierte den Dow Jones Industrial <US2605661048> knapp eine Stunde vor Handelsbeginn 0,58 Prozent tiefer bei 28 693 Punkten, nachdem er am Vortag um gut 0,4 Prozent zugelegt hatte. Damit deutet sich für den US-Leitindex ein Wochenverlust von rund 1 Prozent an. Die Bilanz für den Monat Januar ist hingegen mit einem zu erwartenden Plus von rund 0,5 Prozent angesichts der Virus-Krise gar nicht so übel.

Auch zum Wochenschluss dominierten die Meldungen zur Ausbreitung des Coronavirus die Nachrichten. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte am Donnerstagabend die Ausbreitung des Virus zu einer "gesundheitlichen Notlage von internationaler Tragweite" erklärt, allerdings auch betont, noch seien keine Reise- und Handelsbeschränkungen nötig.

Auf die neuesten, vorbörslich veröffentlichten US-Konjunkturdaten reagierte der Dow mit einem leichten Rückgang. So sind die Einkommen und Ausgaben der privaten US-Haushalte im Dezember geringer gewachsen als im Vormonat. Die Arbeitskosten stiegen im vierten Quartal wie erwartet.

Ansonsten steht die Berichtssaison der Unternehmen weiter im Fokus. Ein starkes Weihnachtsgeschäft und florierende Cloud-Dienste bescherten Amazon <US0231351067> einen glänzenden Jahresabschluss. Im vierten Quartal 2019 kletterte der Gewinn im Jahresvergleich um rund 8 Prozent und der Umsatz um 21 Prozent. Die Zahlen überraschten positiv und sorgten bei der Aktie mit zuletzt plus 11 Prozent für einen vorbörslichen Höhenflug.

Der Kreditkarten-Riese Visa <US92826C8394> steigerte Gewinn und Erlöse dank einer großen Ausgabefreude von Kunden im Weihnachtsquartal erheblich. Obwohl das Unternehmen sogar noch ein milliardenschweres neues Aktienrückkaufprogramm ankündigte, reagierten die Anleger enttäuscht. Die Aktien verloren vorbörslich 3,0 Prozent.

Der US-Baumaschinenhersteller Caterpillar <US1491231015> erwartet wegen der Flaute der Weltwirtschaft im laufenden Jahr deutlich weniger Gewinn. Im vierten Quartal hatte der bereinigte Gewinn je Aktie die Analystenerwartungen übertroffen. Im Gesamtjahr schrumpften jedoch Umsatz und Gewinn. Die Caterpillar-Papiere notierten vorbörslich 1,7 Prozent im Minus.

Der US-Ölkonzern ExxonMobil <US30231G1022> profitierte im vierten Quartal von dem Verkauf von Geschäften in Norwegen. Nach mehreren Gewinneinbrüchen im vergangenen Jahr sank der Überschuss zwischen Oktober und Dezember im Jahresvergleich nur noch um 5 Prozent. Mit 3,7 Milliarden Dollar entfällt der Großteil des Gewinns aber auf den Verkauf in Norwegen. Im dritten Quartal war der Gewinn um die Hälfte eingebrochen. Die ExxonMobil-Anteilsscheine büßten vorbörslich 1,8 Prozent ein.

Zudem dreht sich das Übernahmekarussel weiter: Die Volkswagen-Tochter <DE0007664039> Traton <DE000TRAT0N7> will sich den Rest des US-Lkw-Herstellers Navistar für 35 US-Dollar je Aktie einverleiben. Insgesamt müsste Traton damit 2,9 Milliarden Dollar auf den Tisch legen. VW hält bereits 16,8 Prozent an dem Lkw-Hersteller. Die Anleger zeigten sich euphorisch. Die Navistar-Aktie legte im vorbörslichen Handel um fast 55 Prozent auf 37,25 Dollar zu.

Das IT-Urgestein IBM <US4592001014> will sich mit einem neuen Chef noch stärker auf das Cloud-Geschäft fokussieren. Ginny Rometty, die IBM seit 2012 durch einen tiefgreifenden Umbau führte, gibt den Posten Anfang April auf. Ihr Nachfolger wird Arvind Krishna, der bislang den Cloud-Bereich verantwortete. Die IBM-Titel stiegen vorbörslich um 4,0 Prozent./edh/fba