NEW YORK (dpa-AFX) - Hoffnungsschimmer im Krieg in der Ukraine haben am Mittwoch eine Erholung an den US-Börsen ausgelöst. Nach vier verlustreichen Börsentagen legte der Dow Jones Industrial zuletzt um 2,01 Prozent auf 33 290 Punkte zu. Kursstützend wirkte sich auch der deutliche Rückgang der Energiepreise nach deren jüngster Rekordjagd aus.

Als ein Lichtblick erscheint den Anlegern das geplante Treffen der Außenminister der Ukraine und Russlands an diesem Donnerstag im türkischen Antalya. Zudem deutete die Regierung in Kiew an, dass sie nicht mehr auf einer sofortigen Nato-Mitgliedschaft beharrt und schließt eine Neutralität des Landes nicht aus - was zumindest einem Teil der russischen Forderungen entsprechen würde.

Der marktbreite S&P 500 rückte angesichts dieser Entwicklung um 2,51 Prozent auf 4275 Punkte vor. Der technologielastigen Nasdaq 100 stieg mit 3,25 Prozent auf 13 699 Zähler noch etwas stärker.

Das russische Außenministerium betonte laut einer Meldung der Agentur Tass, Russland strebe keinen Machtwechsel in der Ukraine an. Ziel sei "weder die Besatzung der Ukraine noch die Zerstörung ihrer Staatlichkeit noch der Sturz der aktuellen Führung". Das hatte sich in früheren Erklärungen des Kreml noch anders angehört.

Zwar ist die Wall Street seit Beginn des Konflikts deutlich weniger in Mitleidenschaft gezogen worden als etwa die europäischen Börsen, doch summieren sich auch dort die Verluste inzwischen. Am Mittwoch entspannte sich nun auch an den Rohstoffmärkten die Lage spürbar, der Preis für ein Fass der wichtigen US-Sorte WTI brach um mehr als elf Prozent ein.

Viele Marktexperten warnen trotz möglicher Schnäppchen bei Aktien vor übersteigerten Hoffnungen. "Ohne eine Deeskalation des Russland-Ukraine-Konflikts könnte es für die Aktienmärkte noch schwer werden, einen Boden zu finden", befürchtet Barclays-Experte Emmanuel Cau. Und Jürgen Molnar von Robomarkets weist darauf hin, dass selbst bei einem Ende des blutigen Konflikts die geo- und wirtschaftspolitischen Spannungen zwischen Russland und dem Westen nicht aus dem Weg geräumt seien. "Was vor allem bleiben dürfte, sind die Konsequenzen steigender Energie- und Rohstoffpreise für Inflation, Geldpolitik und Wirtschaftswachstum. Nicht zu vergessen die Verwerfungen im Finanzsystem, sollte Russland tatsächlich in die Staatspleite schlittern."

Die sich möglicherweise etwas aufhellende Lage zog an den Aktienmärkten starke Sektorrotationen nach sich. Die Verlierer der jüngsten Krise waren nun gesucht und die Profiteure wurden gemieden. So gerieten etwa die Kurse der Energiebranche unter Druck. Chevron , Exxonmobil und ConocoPhillips fielen um 3 bis 6 Prozent. Noch stärker gaben die Papiere von Zulieferern und Dienstleistern wie Halliburton und Schlumberger nach.

Profiteure der neuen Entwicklung waren vor allem die Aktien der Reise- und Freizeitindustrie. So gewannen die Anteile des Online-Reiseportals Booking neun Prozent und die Aktien des Online-Reisebüros Trip.com fünf Prozent. Anteile des weltweit größten Kreuzfahrtanbieters Carnival schossen um zehn Prozent nach oben. Die Papiere der Fluggesellschaften American Airlines , United Airlines und Jetblue legten um bis zu 9,5 Prozent zu.

Zu den größten Gewinnern im Dow zählten Nike-Aktien mit plus fünf Prozent. Sie wurden von optimistischen Prognosen des Kontrahenten Adidas für das laufende Jahr mit nach oben getrieben./bek/he