Seit Jahren läuft in der Halbleiterindustrie eine wahnsinnige Branchenkonsolidierung. Dadurch sind gigantische Chipkonzerne wie NVIDIA (WKN: 918422) entstanden. Auch Infineon (WKN: 623100) hält sich mit Übernahmen in der globalen Top 10. Viele davon nutzen die Chipdesigns von ARM Limited, seit vier Jahren eine Tochter von Softbank (WKN: 891624).

Wenn jetzt ARM bei NVIDIA unterkommen soll, dann hat das eine Menge Nebenwirkungen. Zum einen betrifft es alle NVIDIA-Rivalen, die ARM-Technik lizenzieren. Zum anderen sind aber auch alle Hersteller von Computern jeder Form und Größe betroffen, die sich auf die bewährten Lizenzierungsbedingungen verlassen. Letztlich sehe ich auch große Unsicherheiten auf die deutsche Autoindustrie zukommen, wenn dieser Deal durch alle Instanzen gewunken wird. Das könnte die Aktien weiter belasten.

Darum ist die deutsche Autoindustrie vom NVIDIA-ARM-Deal betroffen

Auch die großen deutschen Automobilzulieferer haben sich zu Computerbauern entwickelt. Das Thema Assistenzsysteme geht immer mehr in Richtung Fahrzeugautonomie und die anspruchsvolle Kundschaft erwartet eine lokale Sprachsteuerung und ausgefeilte Unterhaltungselektronik. All das erfordert Hochleistungsrechner an Bord. Gleichzeitig darf die Computertechnik nicht Unmengen an Strom ziehen, da die Kapazität der mobilen Energiespeicher begrenzt ist.

Folglich braucht es Chips, die Schnelligkeit mit höchster Effizienz verbinden. Die Grafikchips von NVIDIA sind bei der Verarbeitung von Videodaten einer klassischen CPU weit überlegen. Hochintegrierte Chipsätze von ARM wiederum werden für ihre geringe Stromaufnahme geschätzt. Da sie zudem bei der Leistungsfähigkeit stark zugelegt haben, bewerben sie sich seit einiger Zeit auch für den Einsatz in Hochleistungsrechenzentren.

Nun ist die Automobilbranche für beide sicherlich nicht der allerwichtigste Absatzmarkt. Dennoch wollen beide in diesem Bereich wachsen und haben bereits zahlreiche strategische Partnerschaften geschlossen. Was die Computerplattform für die Fahrzeugautonomie angeht, setzen die Großen 3 — Bosch, Continental (WKN: 543900) und ZF — alle genauso auf NVIDIA wie einige Autobauer, darunter Daimler (WKN: 710000).

Hinzu kommt, dass Infineon und Rivale NXP (WKN: A1C5WJ), beides wichtige Partner der Fahrzeugbauer, bei ihren Microcontrollern auf ARM-Chipdesigns setzen. NVIDIA und ARM sind folglich fest im deutschen Technologieökosystem verankert.

Darum sollten jetzt die Alarmglocken schrillen

Es ist schon bedenklich, dass sich weite Teile der deutschen Autoindustrie auf NVIDIA festgelegt haben. So entstehen Abhängigkeiten, aus denen sie sich nur schwer lösen kann, falls die Umstände es erforderlich machen sollten. Dennoch schienen die Risiken bisher beherrschbar, da auf der anderen Seite auch eine Einkäufermacht besteht und NVIDIA im Gegensatz etwa zu Qualcomm (WKN: 883121) nicht für Knebeltaktiken bekannt ist.

Wenn nun jedoch ARM unter das Konzerndach schlüpft, dann verschieben sich die Machtverhältnisse deutlich zugunsten des Chiplieferanten. Eine Folge könnten höhere Preise und die Einschränkung der Wahlfreiheit sein.

Es stellt sich also wirklich die Frage, wie das Management gedenkt, die 40 Mrd. US-Dollar wieder einzuspielen. ARM steckt zwar überall drin, ist aber mit weniger als 2 Mrd. US-Dollar Umsatz eher klein. Man könnte daran denken, dass es darum geht, den Wettbewerbern zu schaden oder über die Bündelung von Produkten mehr Umsatz je Kunde herauszuquetschen. Doch solche Praktiken würden die Wettbewerbsaufsicht auf den Plan rufen.

Laut der Pressemeldung vom 13. September strebt NVIDIA „lediglich“ an, über integrierte Lösungen ein Champion bei der künstlichen Intelligenz zu werden. Selbst dann bliebe jedoch die Nebenwirkung für die Autoindustrie, dass sie einem übermächtigen Chiphersteller gegenübersteht, an den sie sich langfristig gebunden hat. Schließlich ist künstliche Intelligenz auch bei der Fahrzeugautonomie ein entscheidender Faktor.

Wie es nun weitergeht

Einige amerikanische Kommentatoren erwarten, dass die dortige Wettbewerbsaufsicht sich den Deal sehr genau ansehen wird. Von England würde ich hingegen nicht viel Widerstand erwarten, jenseits von einer Zusicherung, dass ARM seinen Hauptsitz nicht verlegen wird. Die Briten können es sich aktuell nicht leisten, ihren Ruf als „Open for Business“ zu riskieren. Allerdings dürften die Chinesen mit einem Okay zögern, nachdem sie bereits den geplanten Qualcomm/NXP-Deal zu Fall gebracht hatten.

Ein Problem bei alledem ist, dass keiner der drei sich sonderlich um die Autoindustrie kümmert, schon gar nicht um die deutsche. Ob die nur am Rande zuständige europäische Wettbewerbskommission hier eingreift und sich mit diesen Effekten tiefer beschäftigt, ist ebenfalls fraglich.

Bei den drei beteiligten Unternehmen herrscht jedenfalls Zuversicht. Die jeweiligen Gremien haben der Transaktion bereits zugestimmt. Die Autobauer und ihre großen Zulieferer werden hingegen vor der Entscheidung stehen, ob sie sich in eine noch tiefere Abhängigkeit begeben oder aber mit großem Aufwand Alternativen aufbauen — was angesichts der Konsolidierung der Chipbranche ein schwieriges Unterfangen sein könnte.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Nvidia und Qualcomm und empfiehlt Softbank. 

Motley Fool Deutschland 2020

Autor: Ralf Anders, Motley Fool beitragender Investmentanalyst

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