Alibaba (WKN: A117ME) und JD.com (WKN: A112ST), die beiden größten E-Commerce-Unternehmen in China, haben beide kürzlich ihre Ergebnisse veröffentlicht.

Die Einnahmen von Alibaba stiegen im letzten Quartal des Jahres um 34 % und die bereinigten Gewinne wuchsen um 18 %. Die Einnahmen von JD stiegen ebenfalls um 34 %, während die bereinigten Gewinne um 53 % stiegen. Beide Unternehmen übertrafen die Erwartungen der Analysten und beide Aktien stehen nun in der Nähe ihrer Allzeithochs.

Ich habe diese beiden Aktien bereits im vergangenen Dezember gegenübergestellt. Damals sagte ich, dass JD aufgrund der niedrigeren Bewertung und der sich verbessernden Kennzahlen der bessere Kauf wäre. Seitdem stiegen die Aktien von JD um über 125 %, während die Aktien von Alibaba nur um 30 % zulegten. Was steckt dahinter? Und kann sich dieser Trend bis zum Jahresende fortsetzen?

Die wichtigsten Unterschiede zwischen Alibaba und JD

Alibaba und JD sind erbitterte Rivalen auf dem chinesischen E-Commerce-Markt, aber die beiden Unternehmen betreiben unterschiedliche Geschäftsmodelle.

Alibaba erwirtschaftet den größten Teil seiner Einnahmen aus seinem Kerngeschäft, zu dem die Marktplätze in China und international sowie der stationäre Einzelhandel gehören. Die größten Marktplätze von Alibaba – darunter Taobao und Tmall in China – nehmen jedoch keine Lagerbestände auf.

Stattdessen handelt es sich um bezahlte Werbeplattformen, die für höher eingestufte Listungen höhere Gebühren verlangen. Ihre Bestellungen werden hauptsächlich vom Logistikpartner Cainiao ausgeführt. Die chinesischen Kernmarktplätze von Alibaba hatten im letzten Quartal 742 Millionen aktive Verbraucher pro Jahr.

Das Kerngeschäft von Alibaba ist die einzige profitable Einheit und die Gewinne subventionieren das Wachstum in den Bereichen Cloud, digitale Medien und Unterhaltung sowie Innovationsinitiativen. Zusammen schafften die nur 13 % der Einnahmen im letzten Quartal.

JD betreibt weniger unterschiedliche Marktplätze als Alibaba und erwirtschaftet den größten Teil seiner Einnahmen über seine Plattform in China. Im vergangenen Jahr kauften über 417 Millionen aktive Verbraucher bei JD ein.

Im Gegensatz zu Alibaba nimmt JD Lagerbestände auf und führt seine eigenen Bestellungen über ein Logistiknetzwerk aus. Das Modell von JD erwirtschaftet wesentlich niedrigere Betriebsmargen als Alibaba, gewährt dem Unternehmen jedoch eine wesentlich strengere Kontrolle über die Qualität seiner Produkte und die Geschwindigkeit seiner Lieferungen.

JD hat jahrelang in den Ausbau seines Logistiknetzwerks investiert und führt in diesem Ökosystem Lieferlösungen der nächsten Generation – einschließlich Drohnen und autonomer Lieferfahrzeuge – ein. JD bietet seine Logistikdienstleistungen auch anderen Unternehmen an. Diese Einnahmen mit höheren Gewinnspannen gleichen nach und nach die Kosten für die Lieferungen aus.

Das Ökosystem von JD umfasst zudem ein Cloud-Geschäft und ein Segment des digitalen Gesundheitswesens (Telemedizin und Onlineapotheke). Doch diese neueren Geschäfte generieren noch keine nennenswerten Einnahmen.

Wie schnell wachsen Alibaba und JD?

Alibaba und JD verzeichneten beide in ihren letzten Quartalen ein beschleunigtes Umsatzwachstum. Das Wachstum von Alibaba wuchs jedoch nur ein Quartal lang rapide. Die Einnahmen von JD wuchsen hingegen mit der höchsten Rate seit zehn Quartalen.

JDs robustes Wachstum wurde durch seine 618 Grand Promotion ausgelöst, ein jährlicher Sale zwischen dem 1. und 18. Juni. JDs Wachstum bei den aktiven Kunden beschleunigte sich, wobei über 80 % der neuen Kunden aus kleineren Städten kamen, und die operative Marge stieg gegenüber dem Vorjahr. Der größere Umfang von JD Retail und JD Logistics senkte die Gesamtbetriebsausgaben.

JD gab keine Prognose ab, aber Analysten erwarten, dass der Umsatz und der bereinigte Gewinn in diesem Jahr um 25 bzw. 46 % in US-Dollar steigen werden. Die Aktien von JD sehen im Verhältnis zu diesem Wachstum recht billig aus.

Was Alibaba anbelangt, so beschleunigte sich das Ertragswachstum seiner Kerngeschäftsbereiche Handel und Cloud-Business gegenüber dem Vorquartal. Die winzige Gaming-Einheit wurde von Innovationsinitiativen zu digitale Medien verlegt, was Letzterer zugutegekommen ist. Wie JD konnte auch Alibaba in kleineren Städten dazugewinnen.

Allerdings ging die operative Marge von Alibaba im Laufe des Quartals stark zurück. Das Unternehmen baute sein Ökosystem weiter aus. Die unprofitablen Cloud-, Digitalmedien- und Innovationseinheiten belasteten die Margen.

Darüber hinaus stützt sich das Kerngeschäft von Alibaba nach wie vor auf Geschäftsbereiche mit niedrigeren Margen – einschließlich seiner Einzelhandelsläden, internationalen Marktplätzen und der Beteiligung an Cainiao. 

Alibaba rechnet immer noch damit, dass seine Einnahmen in diesem Jahr um mindestens 28 % steigen werden, gab aber keine Gewinnprognose ab. Wall Street geht davon aus, dass ihre Einnahmen und Gewinne in diesem Jahr um 33 bzw. 19 % in US-Dollar steigen werden. Die Aktien werden zum knapp 30-Fachen der Termineinnahmen gehandelt.

Der klare Sieger: JD.com

Ich mag sowohl Alibaba als auch JD als langfristige Wetten in China. Doch JD genießt eindeutig mehrere Vorteile gegenüber seinem größeren E-Commerce-Rivalen.

Das Geschäft von JD ist simpler, die jahrelangen Investitionen in Infrastruktur und Logistik zahlen sich aus und steigern die Margen. Außerdem wird man wohl auf absehbare Zeit ein stärkeres Ertragswachstum als Alibaba generieren. Alibaba muss schauen, wie es sein Kerngeschäft im Handelsbereich ausbauen kann, ohne seine Margen zu opfern. Es muss abschätzen, nicht zum Kerngeschäft gehörende Assets wie Apps, Spiele und Streaming-Plattformen zu veräußern. So sollte das Geschäft verschlankt werden.

Bis Alibaba diese Änderungen schafft, wird JD insgesamt die stärkere Rolle auf Chinas boomendem E-Commerce-Markt spielen.

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The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Alibaba und JD.com. Leo Sun besitzt Aktien von JD.com. Dieser Artikel erschien am 25.8.2020 auf Fool.com und wurde für unsere deutschen Leser übersetzt.

Motley Fool Deutschland 2020

Autor: Leo Sun, The Motley Fool beitragender Investmentanalyst

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