Etwas komme vor, „wie Sand am Meer“, sagen wir, wenn wir Überfluss beschreiben möchten. Die Realität auf dem Markt für Sand sieht anderes aus: Sand ist eine endliche Ressource, erst recht hochwertiger Sand für die Glas- oder gar die Solarindustrie. Weltweit geschieht unregulierter Raubbau von Sand und manchmal sogar Diebstahl auf Kosten von Menschen und Umwelt. Ethisch verantwortlich geförderter Sand wird zunehmend zu einem knappen Gut. Das ist der Grund, warum sich an der australischen Börse inzwischen rund ein halbes Dutzend Sandfirmen in Stellung bringen.

Der jüngste Neuzugang in Sachen Sand an der australischen Börse ist Allup Silica (ASX: ASP; FRA: U77). Das Unternehmen hat soeben 5 Mio. AUD bei 0,20 AUD aufgenommen. Wegen des schwachen Börsenumfelds ist der Kurs auf 0,125 AUD gefallen. Das Unternehmen hat für die kommenden zwei Jahre genügend Geld in der Kasse, um seinen Businessplan umzusetzen: Das Unternehmen hat sich ein Portfolio von zwölf aussichtsreichen Quarzsand-Projekten in West-Australien gesichert. Bei der Auswahl der Projekte wurde darauf geachtet, dass ein guter Zugang zu Häfen mit Transportkapazität besteht. Außerdem wurde auf die besondere Qualität des Sandes geachtet. Sie sollte möglichst so hoch sein, dass sich die Projekte nicht nur für Bausand, sondern auch für die Glasherstellung sowie für die Aufbereitung des Sandes für die Solarindustrie eignen. www.goldinvest.de hat mit Philippe Caillot gesprochen, der technisch und operativ für Allup Silica verantwortlich ist:

Elf Fragen an Philippe Caillot, Technischer Direktor bei Allup Silica Ltd.

1. Sand gibt es sprichwörtlich im Überfluss. Wie kann man ein internationales Geschäft auf Sand aufbauen - vor allem, wenn dieser Sand lange Transportwege hat, wie der aus Australien?

Ziehen Sie den Vergleich mit Eisenerz heran, denn Australien verfügt über überlegene Umschlag- und Transportkapazitäten.

Australiens Importe und Exporte von Waren und Dienstleistungen machen knapp die Hälfte seines BIP aus. Da Australien weitgehend von seiner Bergbauindustrie abhängig ist und bei mehreren exportierten Rohstoffen, nämlich Eisenerz und Kohle, führend ist, verfügt das Land über eine hervorragende Infrastruktur für den Umschlag, die Verschiffung und den Transport von Massengütern, was dem Quarzsand-Exportmarkt zugutekommt, zumal die nächstgelegenen Märkte (Asien-Pazifik) der wichtigste Wachstumsmotor für Quarzsand sind.

2. Gibt es so etwas wie eine Sonderrolle für Australien, wenn es um Sand geht? Man sollte meinen, dass es in der Sahara genug Sand gibt. Aber offenbar ist Sand nicht gleich Sand? Was ist an dem Spruch dran, dass Australien eines Tages das Saudi-Arabien für Sand werden könnte?

Sand ist nach Wasser die am zweithäufigsten gehandelte natürliche Ressource der Welt, wobei sich der Verbrauch in den letzten zwei Jahrzehnten verdreifacht hat und schätzungsweise 40-50 Milliarden Tonnen pro Jahr erreicht (UNEP 2019). Trotz seiner strategischen Bedeutung sind die Gewinnung, Nutzung und Bewirtschaftung von Sand in vielen Regionen der Welt nach wie vor weitgehend unkontrolliert, ungeregelt und unzureichend reguliert, was zu zahlreichen ökologischen und sozialen Folgen führt, die meist übersehen werden (UNEP 2022). Im Bericht Sand und Nachhaltigkeit der Vereinten Nationen (2022) heißt es: "Governance ist ein wesentlicher Bestandteil der globalen Herausforderung für die Nachhaltigkeit von Sand".

Angesichts seiner bedeutenden Bergbau- und Mineralienindustrie ist Australien ein Land, in dem der Bergbau stark reguliert ist, um die Umwelt zu schonen. Man kann also mit Sicherheit sagen, dass australische Unternehmen, die auf dem Quarzsandmarkt tätig sind, gute Chancen haben, von den wachsenden Marktchancen zu profitieren.

3. An der australischen Börse gibt es etwa ein halbes Dutzend Unternehmen, die ebenfalls Sand produzieren oder Sandprojekte entwickeln wollen. Besteht da nicht kurzfristig die Gefahr von Überkapazitäten?

Dieses Risiko besteht, wird aber durch Faktoren wie Zugang zu Hafenkapazitäten, Qualität und Genehmigungen gemildert. Nicht alle Projekte werden in Produktion gehen, weshalb die Allup-Strategie mit mehreren Eiern (Projekten) in mehreren Körben (Standorten) das Risikoprofil abmildert.

4. Allup setzt auf eine zukünftige Verknappung der Ressource Sand. Aus welchen Märkten wird die größte Nachfrage kommen?

Allup setzt eher auf einen Mangel an ethischen Lieferanten für hochwertige Sande (für fortschrittlichere Glasprodukte). Außerdem setzt Allup auf eine anhaltende oder steigende Nachfrage nach Solarenergie und anderen technischen Produkten wie Hightech-Glas sowie auf die anhaltende Nachfrage aus dem beschleunigten Baubedarf und der Gießereiindustrie. Der wahrscheinliche Markt, basierend auf Nähe und Nachfrage, ist der asiatisch-pazifische Markt.

5. Was sind die Merkmale eines guten Sandprojekts?

Hochreiner Quarzsand mit angemessenem Zugang zu Infrastruktur und Häfen.

Hochreiner Quarzsand mit geringem Eisengehalt, der in einer Form vorliegt, die eine kosteneffiziente Verarbeitung ermöglicht - Körner, die mit separaten Verunreinigungskörnern gemischt sind, im Gegensatz zu Quarzsandkörnern, die mit Verunreinigungen überzogen sind oder Einschlüsse enthalten - was zu einem Produkt mit einem viel höheren Wert führt. Ein angemessener Zugang zu Infrastrukturen und Häfen gewährleistet die Rentabilität der Logistik, um die globalen Märkte zu erreichen.

6. Welches sind die größten Risiken bei der Entwicklung von Sandprojekten? Die Genehmigungen? Die Qualität des Sandes?

Das größte Einzelrisiko für ein Explorationsprojekt, das in die Produktion geht, sind die Genehmigungen und die erforderlichen Zulassungen, einschließlich der Umweltgenehmigungen.

7. Was sind die größten Unterschiede zwischen der Goldexploration und der Entwicklung von Sandprojekten?

Kosten und Zeit. Bohrungen sind der kostenintensivste Teil eines Explorationsprogramms; daher werden die vielversprechendsten Ziele vorrangig behandelt. Die Bohrgeräte werden in der Regel in Abhängigkeit von den Eigenschaften und der Zugänglichkeit der Ressource und der Zieltiefe ausgewählt. Die Kosten für die Exploration von Quarzsand sind in der Regel viel niedriger als die typischen Explorationskosten für die Exploration von Basismetallen/Edelmetallen, da Quarzsand in der Regel flach/oberflächennah liegt, was bedeutet, dass die Bohrtiefe in der Regel nicht mehr als 30 Meter beträgt, im Gegensatz zu Goldbohrungen, bei denen die Bohrlöcher über zwei Kilometer tief sein können. Da die Ressource nahe der Oberfläche liegt, werden Quarzsand-Explorationsprogramme sowohl mit Luftkern- als auch mit Handschneckenbohrungen durchgeführt, im Gegensatz zu Grund-/Edelmetallen, die kostenintensivere Methoden wie Diamantkern- und RC-Bohrungen erfordern.

8. Die hochwertigste Verwendung von Quarzsand ist der Einsatz in Solarzellen. Welche Qualitäten sind erforderlich? Wie hoch sind die zusätzlichen Kosten für die Reinigung des Sandes? Wie entwickelt sich die Nachfrage? Gibt es konkrete Zahlen?

Technische Glasanwendungen wie photovoltaische Solarzellen (PV) und Mobiltelefone erfordern hochwertigen Quarzsand mit einem Anteil von 99%+ und geringem Eisengehalt (<100ppm). Die Verarbeitungskosten, um hochwertigen Quarzsand mit diesen Spezifikationen zu erhalten, hängen weitgehend von der Art der Quarzsandkörner ab. Bei Allup Silica konzentrieren wir uns auf hochreine Quarzsandkörner, die im Gegensatz zu Quarzsandkörnern, die mit Verunreinigungen beschichtet sind oder in denen sich Einschlüsse befinden, mit separaten Verunreinigungskörnern vermischt sind; diese lassen sich durch eine kostengünstigere Aufbereitung leichter abtrennen.

Der weltweite Solar-PV-Markt wächst, da die Nachfrage durch weltweite staatliche und nichtstaatliche Anreize zur Umstellung auf erneuerbare Energien angekurbelt wird. Der globale Solar-PV-Markt, der im Jahr 2020 auf 154,47 Milliarden USD und im Jahr 2021 auf 199,26 Milliarden USD geschätzt wird, wird voraussichtlich jährlich mit einer CAGR von 25,9 % zwischen 2021 und 2028 wachsen.

9. Ist es für Allup prinzipiell auch denkbar, mit weniger reinen Sanden Geld zu verdienen? Wie könnte das aussehen?

Ja, das ist prinzipiell denkbar, jedenfalls bei Projekten, die sehr hafennah liegen und eine kostengünstige Logistik haben, kann es möglich sein, geringwertige Quarzsandprodukte wirtschaftlich zu verschiffen. Auch wenn Marktfaktoren, wie z. B. ethische Versorgungsfragen, das weltweite Angebot einschränken, würde dies die voraussichtliche Durchführbarkeit dieser Art von Projekten fördern.

10. Apropos Investitionskosten. Was kostet es, ein Sandprojekt in Produktion zu bringen? Und wie lange kann ein Projekt danach laufen?

Allup ist noch nicht in der Lage, eine eigene Kostenanalyse vorzulegen, aber auf der Grundlage von Machbarkeitsstudien anderer Betreiber wie VRX (Arrowsmith BFS) und einer von CDE Global durchgeführten Analyse hat eine typische Quarzsandanlage - bestehend aus Sieben, Waschen, Klassieren, Trennen und Trocknen - mit einer Kapazität von 2 Mio. Tonnen pro Jahr geschätzte Kapitalkosten von 13,3 bis 16,8 Mio. USD vor den Kosten für die Installation und Inbetriebnahme.

Der Zeitplan für das Projekt nach der Produktion hängt von der Größe der Ressource ab - die Lebensdauer der Minen wurde auf zunächst 25 Jahre geschätzt (Arrowsmith BFS) - mit dem Potenzial, über 100 Jahre zu laufen (abhängig von der verfügbaren Ressource).

11. Was sind die kurzfristigen Meilensteine, auf die Investoren achten sollten?

Da es sich um ein Explorationsunternehmen handelt, sind die kurzfristigen Meilensteine die JORC-Mineralienschätzungen und die metallurgischen Ergebnisse (Qualität des Sandes).

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