DORTMUND (dpa-AFX) - Neue Windparks in der Nordsee sollten nach Ansicht des Übertragungsnetzbetreibers Amprion direkt mit Stromleitungen untereinander verbunden werden. Durch die Vernetzung könne der Windstrom flexibel und grenzüberschreitend dahin transportiert werden, wo er benötigt werde, sagte Amprion-Chef Hans-Jürgen Brick am Mittwoch bei einer Online-Pressekonferenz. Zudem lasse sich so der Bedarf für zusätzlichen Netzausbau an Land senken und damit die Kosten für die Netze dämpfen.

Allein die Nordsee-Anrainerstaaten planten bis 2050 ein Offshore-Potenzial von etwa 200 Gigawatt zu erschließen. Das Amprion-Konzept "Eurobar" sehe vor, diese neue Generation von Windenergie-Plattformen bereits bei der Planung für den Anschluss an ein Offshore-Netz auszulegen. Es gehe um Anlagen, deren Bau in etwa 10 Jahren beginnen solle, sagte Amprion-Technikvorstand Klaus Kleinekorte.

Später könnten die Plattformen schrittweise untereinander verbunden werden - zunächst auf nationaler Ebene und dann zwischen den Nordsee-Anrainern. Es sei kostengünstiger und umweltfreundlicher, den Strom von der See "an der Quelle einzusammeln und nicht erst nach langen Transportwegen", sagte Brick. Amprion will das Konzept jetzt mit anderen europäischen Übertragungsnetzbetreibern ausarbeiten.

Amprion ist einer von vier Übertragungsnetzbetreibern in Deutschland. Sein rund 11 000 Kilometer langes Höchstspannungsnetz transportiert Strom in einem Gebiet von Niedersachsen bis zu den Alpen. Zurzeit plant Amprion eine sogenannte Stromautobahn von Ostfriesland ins Rheinland. Das Projekt liege im Augenblick vor dem Zeitplan, sagte Brick./hff/DP/nas