FRANKFURT (dpa-AFX) - Ein ausgeglichenes Verhältnis von stützenden und belastenden Faktoren dürfte den Goldpreis einer Studie zufolge vorerst seitwärts bewegen. Eine Risikoaversion der Anleger und Käufe durch Zentralbanken könnten dem Preis Auftrieb geben, wie die Experten der BayernLB in einer am Donnerstag veröffentlichten Studie schreiben. Weil mit einem Konjunktureinbruch aber vorerst nicht zu rechnen sei, dürfte es auch zukünftig Schwächephasen geben - und damit die Chance zum Einstieg.

Als Krisenwährung war der Goldpreis zu Beginn des Ukraine-Kriegs kräftig gestiegen, ehe er im Juli auf ein Zwischentief fiel. Seither konnte er sich etwas erholen, weil auch die Renditen langfristiger US-Staatsanleihen zurückgingen, wie die Experten schreiben. Denn in den langfristigen Schuldscheinen sei eine Rezessionserwartung eingepreist, die den Goldpreis grundsätzlich stützt. Erst der überraschend robuste US-Arbeitsmarktbericht Anfang August nahm den Anlegern die Sorge vor einer Rezession etwas - und bremste laut Studie den Versuch des Goldpreises aus, wieder über 1800 US-Dollar zu klettern.

Schlagartig nach oben könne es für den Goldpreis gehen, wenn geopolitische Krisen eskalieren. Auf dem Radar haben die Fachleute dabei etwa den Konflikt zwischen den USA und China um Taiwan sowie den Ukraine-Krieg in Verbindung mit möglichen Gaslieferstopps. Besonders wegen des Ukraine-Kriegs dürften Anleger noch langfristig das Risiko meiden, was den Goldpreis stütze. Im Fall eines Gaslieferstopps seien auch schnelle Anstiege möglich.

Weil steigende Realrenditen den Goldpreis kurzfristig belasteten, sei in den kommenden Monaten mit Schwächephasen zu rechnen. Hier könnten sich der Studie zufolge Zentralbanken aus Schwellenländern als stützende Faktoren erweisen. Denn das Einfrieren russischer Reserven im Westen sei für einige von ihnen ein Alarmsignal gewesen. "Dies könnte bei auf Unabhängigkeit bedachten Schwellenländern zu einem Bestreben führen, verstärkt Gold für die eigenen Reserven zu kaufen."

In Summe erwarten die Experten auf Jahressicht einen wenig veränderten Goldpreis von 1750 US-Dollar. Zwischenzeitlich könne es aber zu Schwächephasen kommen, "solange die Fed massiv gegen die noch sehr hohe Inflation vorgeht und die Renditen länger laufender US-Anleihen noch nicht vom Einsetzen einer Rezession zurückgeworfen wurden." Diese Phasen böten Anlegern die Chance, Positionen aufzubauen. Da der Dollar derzeit gegenüber dem Euro ausgesprochen hoch bewertet sei und hausintern in einem Jahr mit einem etwas schwächeren Dollar gerechnet werde, bedeute die Prognose aber einen rückläufigen Goldpreis in Euro./jcf/jsl/jha/