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ANALYSE/LBBW traut Dax trotz Handelsstreit neue Rekorde zu

13:50 Uhr 09.07.2018

FRANKFURT (dpa-AFX) - Trotz dunkler Wolken am Konjunkturhimmel dürfte sich der Dax in diesem Jahr noch zu neuen historischen Höchstständen aufschwingen. Chefökonom Uwe Burkert von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) senkte zwar am Montag die Wachstumsprognosen für Deutschland und Europa, hielt aber am Ziel von 14 000 Punkten für den Dax zum Jahresende fest. Das räumt dem Index rund 12 Prozent Aufwärtspotenzial ein. Das bisherige Rekordhoch von 13 596 Zählern datiert vom 23. Januar.

Anzeichen eines Abschwungs oder gar einer Rezession gebe es nicht, begründete der Volkswirt seinen Optimismus für Aktien. Allerdings laufe die Boom-Phase langsam aus und der weltweite Handelsstreit laste auf der Stimmung in den Unternehmen. Burkert senkte die Prognose für das deutsche Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr von 2,3 auf 1,9 Prozent Wachstum. Die Schätzung für die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion schraubte er von 2,3 auf 2,0 Prozent zurück.

Sollte sich der Handelsstreit zwischen den USA und Europa verschärfen, drohten herbe Verluste an den Börsen. Leidtragende wäre vor allem die deutsche Autobranche, sollte US-Präsident Donald Trump Importzölle auf Pkw einführen. Das wiederum würde den Dax empfindlich treffen - mit etlichen Branchentiteln wie Daimler , BMW , Volkswagen , Continental und auch Infineon .

So weit muss es jedoch nicht zwangsläufig kommen, glaubt der Experte. "Trump wird die Reaktion an den Aktienmärkten eher verstehen als politische Ratschläge", ist sich Burkert sicher. Zwar suche der Präsident vor den wichtigen Zwischenwahlen zum Kongress im November einen politischen Erfolg, nachhaltigen Schaden für die Konjunktur werde der US-Präsident aber vermeiden wollen. Zudem drohten bei einem Börsen-Crash auch US-Anlegern Verluste.

Italien machte Burkert neben dem Handelszwist als zweiten großen Risikofaktor für Konjunktur und Finanzmärkte aus. Denn sollte die neue Regierung aus 5-Sterne-Bewegung und Lega all ihre politischen Ankündigungen umsetzen, könne sich die ohnehin hohe Schuldenquote in den kommenden zehn Jahren fast verdoppeln. Der Ökonom sprach vom "Geisterfahrer Italien". Die Rechnung müssten am Ende wie stets die Steuerzahler begleichen.

Ganz so schlimm werde es aber letzten Endes wohl doch nicht kommen. "Die Koalition wird am Ende von Seiten des Marktes zur Realpolitik gezwungen werden", sagte Burkert. Daher werde die neue Regierung ihr Programm voraussichtlich nicht eins zu eins umsetzen.

Ende kommenden Jahres könnte die Party an den Börsen allerdings vorbei sein. Zu diesem Zeitpunkt rechnet der Volkswirt damit, dass die Leitzinsen in den USA den Höhepunkt erreichen - was erfahrungsgemäß zu Aktienverkäufen führt. Die konjunkturellen Frühindikatoren dürften sich wohl schon Mitte 2019 eintrüben und Investoren dann damit beginnen, risikoreiche Anlagen zu reduzieren./bek/gl/fba

In dem Artikel enthaltene Wertpapiere
Wertpapiere ISIN Letzter Kurs Performance
BMW Aktie DE0005190003 73,74 € -0,62%
CONTINENTAL Aktie DE0005439004 135,45 € -0,37%
DAIMLER Aktie DE0007100000 50,49 € -1,12%
INFINEON Aktie DE0006231004 17,11 € -2,98%
VW Aktie DE0007664039 143,92 € -2,52%
In dem Artikel enthaltene Indizes
Indizes ISIN Letzter Kurs Performance
DAX DE0008469008 11.341,00 € -0,11%
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