BERLIN (dpa-AFX) - Laut einem Gutachten im Auftrag der Bundesregierung haben freiwillige Selbstvorgaben kaum Effekte auf die Frauenquote bei Vorständen. Im Auftrag des Familien- und des Justizministeriums wurde untersucht, welche Effekte das 2015 verabschiedete Gesetz zu Frauen in Führungspositionen hat. Demnach liegt der Frauenanteil bei Vorständen der betroffenen Unternehmen aktuell bei 7,6 Prozent.

Für Vorstände, die ein Unternehmen leiten und in der Regel besser dotiert sind als Aufsichtsratsmitglieder, sieht das Gesetz derzeit keine verpflichtende Quote vor. Stattdessen müssen sich Unternehmen selbst eine Zielgröße setzen. 70 Prozent der Unternehmen geben laut dem Gutachten für ihre Vorstände die Zielgröße 0 an. "Die Evaluation hat gezeigt, dass wir ohne verbindliche Vorgaben nicht weiterkommen und sogar Rückschritte zu beobachten sind", sagte Justizministerin Christine Lambrecht (SPD).

Positiv bewertet das Gutachten dagegen die verbindliche Frauenquote von 30 Prozent für Aufsichtsräte, die Vorstände von Unternehmen kontrollieren. Hier werde die Quote mit 35,2 Prozent sogar übertroffen, heißt es in dem Gutachten. "Diese Evaluation stärkt unsere Forderung nach einer verbindlichen Mindestbeteiligung von einer Frau in großen Vorständen ab vier Mitgliedern", sagte Familienministerin Franziska Giffey (SPD).

Union und SPD hatten im Koalitionsvertrag Verbesserungen beim Gesetz zu Frauen in Führungspositionen verabredet. Anfang des Jahres hatten Bundesfrauenministerin Giffey und Justizministerin Lambrecht einen entsprechenden Gesetzentwurf vorgelegt. Demnach ist die Ausweitung der bereits existierenden Frauenquote für Aufsichtsräte geplant und eine Vorgabe, dass in rein männliche Unternehmensvorstände mit mindestens vier Mitgliedern künftig eine Frau nachrücken soll, wenn ein Platz frei wird. Nach Differenzen hatten die Spitzen der Koalition im Sommer die Einsetzung einer Arbeitsgruppe beschlossen.

Anfang der Woche war eine Auswertung des Beratungs- und Prüfungsunternehmens EY zu dem Ergebnis gekommen, dass Frauen in der Topetage der deutschen Wirtschaft eine Minderheit sind, aber im Schnitt mehr verdienen als ihre männlichen Kollegen. Als einen wichtigen Grund nannte EY das wachsende Bestreben der Unternehmen, Frauen für ihr oberstes Führungsgremium zu gewinnen./hrz/DP/fba