FRANKFURT (dpa-AFX) - Das Analysehaus Stifel sieht eine immens hohe Bewertungslücke bei den Volkswagen (VW) -Aktien unter der Voraussetzung einer Abspaltung der Sportwagentochter Porsche AG. Analyst Daniel Schwarz errechnet daher deutliches Aufwärtspotenzial nicht nur für die Vorzugsaktien des Wolfsburger Autobauers, sondern auch für die Papiere der Holding Porsche SE , die nicht mit dem Sportwagenbauer verwechselt werden sollte.

Schwarz beließ sein Votum für die VW-Vorzugsaktien vor diesem Hintergrund auf "Buy" mit einem Kursziel von 308 Euro, das zwei Drittel über dem aktuellen Kursniveau liegt. Am Vortag hatte ein Bericht im "Handelsblatt" über voranschreitende Börsengang-Pläne der Sportwagentochter Porsche AG für Aufsehen gesorgt. Demnach könnten die Familien Piech und Porsche VW-Anteile aus dem Bestand ihrer Holding Porsche SE zugunsten eines Einstiegs bei der Porsche AG verkaufen.

Wie Schwarz betonte, hatte er solche Überlegungen zuvor schon als realistisch angesehen. Damit würden die Familien Piech und Porsche gleich zwei Sachverhalte adressieren, die sie wohl an der derzeitigen Situation störten, schrieb der Experte in einer am Mittwoch vorliegenden Studie. Er verwies dabei auf die niedrige Bewertung der VW-Aktien und die verlorene Kontrolle am Sportwagenbauer, der den Familien historisch besonders nahe stehe.

Um den Bewertungsabschlag der VW-Vorzüge im Falle eines Porsche-Börsengangs näher zu beschreiben, zog Schwarz einen Vergleich der Sportwagentochter mit dem Edelkarossen-Hersteller Ferrari. Dessen Bewertungsmaßstab angesetzt, wäre Porsche nach seinen Berechnungen knapp 200 Milliarden Euro wert, also fast 400 Euro je VW-Aktie.

Fraglich bleibe aber der angebrachte Abschlag zu Ferrari, zumal die Italiener am Markt als Luxusgütermarke und nicht als Autobauer angesehen würden. Sollte der Abschlag zu Ferrari 50 Prozent betragen, würde der Porsche-Wert je VW-Aktie immer noch knapp 200 Euro je Aktie betragen, rechnete er weiter. Die VW-Anteile, die den Gesamtkonzern und damit viel mehr als Porsche widerspiegeln, wurden am Mittwoch zu 184 Euro gehandelt.

Allerdings betonte der Experte im Weiteren, dass der in dem Bericht angesprochene Börsengang nicht die Idealvorstellung des Marktes sei. Unter Anlegern werde wohl eine bloße Abspaltung bevorzugt. Eine Börsennotiz dürfte seiner Einschätzung nach aber eher von den Gewerkschaften und dem Land Niedersachsen als weiterer VW-Großaktionär unterstützt werden. Sie würde das Kurspotenzial seiner Ansicht nach etwas einengen, sei aber dennoch sehr vielversprechend für die Anleger.

Gemäß der Einstufung "Buy" wird die Aktie nach Einschätzung der Analysten von Stifel auf Sicht von zwölf Monaten einen absoluten Gewinn (Kursentwicklung zuzüglich Dividende) von mehr als 10 Prozent aufweisen./tih/nas/jha/

Analysierendes Institut Stifel.

Veröffentlichung der Original-Studie: 07.12.2021 / 15:30 / EST Erstmalige Weitergabe der Original-Studie: 08.12.2021 / 01:00 / EST