Sono Motors will die E-Auto-Branche mit seiner Solar-Technologie umkrempeln. Bis der erste Sion vom Band rollt, steht dem Unternehmen noch ein weiter Weg bevor. Berenberg-Analysten sind dennoch bullisch.

Es war ein ereignisreicher Monat für den Münchener E-Auto-Entwickler Sono Motors. Mitte November war Sono an der New Yorker Nasdaq gestartet. Die Anlegereuphorie trieb den Kurs am ersten Handelstag zeitweise auf über 47 US-Dollar, mehr als das Dreifache des Ausgabepreises. Es folgte ein schmerzhafter Kursverfall – aktuell kostet ein Anteilsschein noch gut 12 US-Dollar. 2016 gegründet, hatte sich Sono Motors anfangs über Crowdfunding finanziert.

Der Börsengang hat 156 Millionen US-Dollar in die Kassen gespült. Geld, dass das Unternehmen nach eigenen Angaben vor allem in die Entwicklung der Prototypen des Sion stecken will. Wie das Unternehmen kürzlich mitteilte, werden bis zum Start der Serienproduktion – im Jahr 2023 soll es so weit sein – nochmals 200 Millionen Euro benötigt.

Der Sion, ein batterieelektrischer Minivan mit 248 in der Karosserie integrierten Solarzellen soll streckenweise völlig autark fahren können. Pro Woche gewinnt er durch Sonnenenergie durchschnittlich 112 Kilometer Reichweite. Das Auto soll 28.500 Euro kosten.

Die Experten der Berenberg Bank sehen Sono Motors auf einem guten Weg. Sie raten zum Kauf und setzen ein Kursziel von 21 US-Dollar fest. „Die proprietäre integrierte Solarlösung von Sono ist leichter, billiger und flexibler als bestehende Alternativen“, schreiben die Analysten Michael Filatov und Adam Stryer. Besonders viel versprechen sie sich von der Lizenzierung der Technologie an andere Autohersteller. „Unserer Meinung nach ist der spannendste Aspekt Sono Solar, das die Solarlösung an andere Zulieferer und Flottenbesitzer in verschiedenen Branchen verkaufen und lizenzieren wird, um deren Gesamtbetriebskosten zu senken und die ESG-Bilanz zu verbessern.“

Mithilfe der Sono-Technologie könnten beispielsweise Kühllaster mehr als 80 Prozent der Energiekosten einsparen, so die Berenbank-Experten weiter. Auch für Pendler biete ein Sion möglicherweise deutliche Einsparungen. Die zusätzliche saubere und kostenlose Reichweite durch die Sono Solarzellen bedeutet, dass ein durchschnittlicher Pendler in München mehr als vier Mal weniger aufladen muss als ein nicht-solarbetriebenes Elektrofahrzeug. Das spart den Besitzern Zeit und Geld.

Zu den potenziellen Risiken zählen die Analysten unter anderem den zusätzlich notwendigen Kapitalbedarf sowie Risiken bei der Auftragsfertigung. Der schwedische Auftragsfertiger NEVS, der den Sion bauen soll, gehört zum chinesischen Immobilien-Imperium Evergrande, dass derzeit mit massiven Zahlungsschwierigkeiten kämpft. Die Vorbereitungen der Produktion liefen jedoch nach Plan, versicherte Sono Motors zuletzt.

Autor: Julian Schick, wallstreet:online Zentralredaktion

 


 


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