HAMBURG (dpa-AFX) - Nach der Einstufung von Spanien als Risikoland ist der Andrang auf das Corona-Testzentrum am Hamburger Flughafen deutlich gestiegen. Nach der Landung von Maschinen aus Spanien gebe es eine große Nachfrage nach Corona-Tests und längere Schlangen vor den fünf Teststraßen im "Terminal Tango" außerhalb des eigentlichen Flughafengebäudes, sagte eine Airport-Sprecherin am Sonntag. Die Zahl der neuen Corona-Fälle in der Hansestadt sank derweil. Waren es am Freitag und Samstag noch 29 beziehungsweise 28 Fälle, reduzierte sich die Zahl am Sonntag auf neun, wie die Gesundheitsbehörde mitteilte. Am Samstag waren rund 1000 Menschen auf die Straße gegangen, um in der Innenstadt gegen Maskenpflicht und die Corona-Politik von Bund und Ländern zu demonstrieren.

Die Kapazität des von der Gesundheitsbehörde eingerichteten und vom Deutschen Roten Kreuz betriebenen Corona-Testzentrum am Flughafen wird mit rund 2000 Tests pro Tag angegeben, was rechnerisch ausreichend wäre. Wegen der ungleichmäßigen Auslastung über den Tag wurden dennoch Engpässe erwartet, etwa wenn mehrere Maschinen in kurzen Abständen landen. Am Sonntag sollten im Laufe des Tage sieben Maschinen aus Palma de Mallorca landen, dazu einige weitere vom spanischen Festland, aus der Türkei und aus Balkan-Ländern.

Passagiere aus Risikogebieten sind zu einem Corona-Test verpflichtet, müssen aber nicht das Testzentrum am Flughafen nutzen. Ebenso ist es möglich, den Test innerhalb von drei Tagen beim Hausarzt oder einem anderen Testzentrum nachzuholen. Nur mit einem negativen Test dürfen die Reisenden die vorgeschriebene Quarantäne vorzeitig verlassen.

Nach Angaben der Gesundheitsbehörde sind in Hamburg seit Beginn der Pandemie 5886 Menschen positiv auf das Virus getestet worden. Rund 5100 davon können nach Schätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) inzwischen als genesen angesehen werden. In den Kliniken der Stadt werden demnach unverändert 15 Menschen behandelt, neun von ihnen liegen ebenfalls unverändert auf Intensivstationen.

Jüngsten Angaben des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Eppendorf zufolge starben in Hamburg bisher 231 Menschen an Covid-19. Diese Zahl ist seit Wochen unverändert. Hamburg liegt nach wie vor deutlich unter der Grenze von 50 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen, die neue Beschränkungen nach sich ziehen könnte. Am Sonntag lag der Wert bei 11,8 - nach 12,1 am Vortag.

Bei der Demonstration der Maskengegner auf dem Jungfernstieg blieben deren Anliegen zumindest in den Redebeiträgen eher verschwommen. Oft ging es darum, dass die Demonstration stattfinden könne und sich die Veranstalter darüber sehr freuten, dass es schon zuvor eine Demonstration gegeben habe (am 1. August in Berlin) - und demnächst eine weitere geplant ist (am 29. August wiederum in Berlin). Auch Frl. Menke, ein Schlagerstar der 80-er Jahre ("Hohe Berge"), war dabei. Sie könne nicht gut reden, sagte sie - und sang stattdessen: das Volkslied "Die Gedanken sind frei".

Fünf Monate nach Beginn der Corona-Krise in Deutschland arbeiten Hamburgs Krankenhäuser in einer neuen Form des Normalbetriebs. Aufgeschobene Operationen und Behandlungen würden nachgeholt, doch könnten wegen der Corona-Gefahr nicht alle Betten belegt werden, sagte Claudia Brase, Geschäftsführerin der Hamburgischen Krankenhausgesellschaft, der Deutschen Presse-Agentur. Das Leistungsangebot der 35 Kliniken werde aber vollständig vorgehalten. Die medizinische Versorgung der Bevölkerung sei gesichert.

Mit Blick auf 12 500 Krankenhausbetten und derzeit rund 15 stationär behandelten Covid-19-Patienten seien die Krankenhäuser durch die unmittelbare Behandlung von Pandemie-Opfern nicht mehr stark belastet. Auch die zehnfache Zahl von Covid-19-Patienten wäre gut zu schaffen. "Wir haben aber Respekt und stehen auf Standby", sagte Brase. "Die Pandemie ist nicht vorbei und es hängt vom Verhalten der Bevölkerung ab, wie sich die Infektionen ausbreiten."/klm/egi/DP/men