von Oskar Herbert

Düsseldorf, 13.08.2015: Das Gute an den jüngsten Turbulenzen der Finanzmärkte ist die Aussicht, die amerikanische Notenbank werde Zinsen nun wahrscheinlich nicht im September 2015 erhöhen. Was für manchen Sparer enttäuschend erscheinen mag, scheint für die Anleihenkurse besser zu sein sowie für die Zahlungsfähigkeit der gesamten Welt-Finanzwirtschaft.

Die chinesischen Staatswirtschaftler haben den Wechselkurs ihrer Währung Yuan jüngst mehrfach herabgesetzt. Aktienanleger nahmen daraufhin weltweit sogar stark fallende Kurse in Kauf, nur um ihre Aktien verkaufen zu können. Währungen und Anleihen sanken ebenfalls im Kurs - und zwar von Anleihen aus Ländern, die Rohstoffe und z.B. deutsche Autos oder Zulieferteile oder Maschinen nach China liefern. "Wenn China einen  (wirtschaftlichen) Schnupfen bekommt, erkältet sich die gesamte Weltwirtschaft." So lässt sich heute eine Weisheit früherer Jahre umformulieren. Früher lautete diese Weisheit: "Hustet (die Börse) Wallstreet, bekommt Europa einen Schnupfen".

Weniger Wachstum, weniger Zinsen

China hat zuletzt nicht mehr so viel exportieren können, wie zuvor und wie geplant. Durch die Abwertung des Yuan erscheinen die Exportpreise der Chinesen jetzt niedriger. Ob das die Nachfrage nach Made in China wieder steigen lassen wird, das wird sich zeigen. Offenbar ist der Bedarf an chinesischen Produkten in den Abnehmerländern nicht besonders hoch. Die wirtschaftlichen Wachstumsraten sind dort allenfalls gering. Die chinesische Wirtschaft wird das geplante Wachstum von 7% im laufenden Jahr nicht erreichen können, befürchten Beobachter.

China stützt amerikanische Schuldenwirtschaft

Abwertungen des Yuan sind nur in engen Grenzen möglich: Chinesische Unternehmen haben sich zwischenzeitlich in Dollar verschuldet. Sie müssen nun für Zinsen und Kapital mehr aufwenden, weil der Dollar gegenüber dem Yuan teurer geworden ist. Gleichzeitig ist China allerdings auch der größte Anleger in amerikanischen Staatsanleihen. Zinsen und Rückzahlungen aus diesen Dollar-Anlagen rechnen sich nun besser in Yuan um. Sofern die China-Wirtschaft aber wegen der rückgängigen Exporte weniger Überschüsse erwirtschaftet, sinkt die Fähigkeit, die amerikanische Staatsschuldenwirtschaft so wie gewohnt zu stützen; fast so wie Euro-Länder und deren EZB-Bank Griechenlands Schuldenwirtschaft stützen.

Kein Raum für höhere Zinsen

Sofern die amerikanische Notenbank in vier Wochen tatsächlich die Leitzinsen - erstmals seit langen Jahren - heraufsetzen würde, wäre einen weiterer Anstieg des Dollar wahrscheinlich. Der Yuan hatte sich bis zum Beginn der jüngsten Turbulenzen ähnlich wie der Dollar entwickelt. Diese Bindung wurde jetzt faktisch aufgegeben. Ein weiterer Anstieg des Dollar soll nicht die China-Exporte weiter verteuern. Er soll die Exporte nicht weiter schrumpfen und auch nicht die gesamte China-Wirtschaft in die Wachstumsschwäche schicken. Für die Lieferanten nach China bedeutet das freilich jetzt: Ihre Lieferungen bringen weniger ein, weil es für Yuan weniger gibt. Oder die Lieferanten müssen die Preise erhöhen und in der Folge damit rechnen, dass die Nachfrage sinkt. Das ist für die Ertragslage der Lieferanten in der Tendenz wahrscheinlich noch kritischer als die Erlös-Einbußen aus dem niedrigeren Wechselkurs des Yuan.

EZB muss Anleihenkurse stützen

Alles zusammen betrachtet ist es unschwer erkennbar, das Wachstumsimpulse für die Weltwirtschaft, für die amerikanische Wirtschaft und für die - zusätzlich noch - von der Russland-Krise betroffene europäische Wirtschaft nicht zunehmen. Das Wachstum wird sich verlangsamen, sofern überhaupt noch Wachstum und nicht schon Schrumpfung zu beobachten sein wird. Unter diesen Bedingungen die Leitzinsen heraufzusetzen; dieses Wagnis werden die amerikanischen Notenbanker kam eingehen. Dies gilt umso mehr, als inflationäre Überhitzungs-Tendenzen nicht zu beobachten sind, die ggf. mit Zinsmaßnahmen der Notenbanken zu bekämpfen wären. Im Gegenteil: Die Europäische Zentralbank EZB tut alles, um inflationäre Tendenzen zu fördern. Mit den jüngsten Tendenzen aus China wird die EZB nun eher noch mehr fördern müssen als sie bislang schon fördert - und zwar mit Käufen von Anleihen.

Das könnte Sie auch interessieren:

30% Rendite mit Griechen-Strom
Renditen und Spekulationen
EZB schrumpft Altersvorsorge

Alle News zu Anleihen finden Sie auf www.boersennews.de/markt/anleihen

Haftungsausschluss/Disclaimer

Die hier angebotenen Artikel dienen ausschließlich der Information und stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Sie sind weder explizit noch implizit als Zusicherung einer bestimmten Kursentwicklung der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren birgt Risiken, die zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals und - je nach Art des Investments - sogar zu darüber hinausgehenden Verpflichtungen, bspw. Nachschusspflichten, führen können. Die Informationen ersetzen keine auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichtete fachkundige Anlageberatung. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden wird weder ausdrücklich noch stillschweigend übernommen.