von Oskar Herbert

Düsseldorf, 28.08.2014: Die 4,7%-Anleihe des Königreichs Spanien bis 2041 ist allein im August 2014 von 115 auf 125% gestiegen. Die laufende Rendite der jeweils am 30.7. fälligen Zinsen beträgt damit stattliche 3,7% bezogen auf den Kurs von 125%. Wer bis 2041 durchhält, bekommt dann 25% weniger Kapital zurück als er heute für die Anleihe bezahlen muss. Verteilt auf 27 Jahre Restlaufzeit der königlichen Anleihe beträgt der Kursverlust 0,5% pro Jahr. Die Effektivrendite stellt sich entsprechend auf 3,2% pro Jahr. Allein in den jüngsten vier Wochen hat das Papier freilich 8% Kursgewinn gebracht.

5% in vier Wochen

Die 4,5% Anleihe der Republik Frankreich bis 25.4.2041 ist im August 2014 von 141 auf 148% gestiegen. Die laufende Rendite auf den heutigen Kaufkurs beträgt 3%. Die Endrendite 2014 beträgt 2,1%. Allein in den jüngsten vier Wochen hat das Papier freilich 5% Kursgewinn gebracht.

Spanien steigt auf

Der heftige Renditeunterschied zwischen Süd- und Nordseite der Pyrenäen mutet an wie eine Umkehr der Himmelsrichtungen. Etwa zur gleichen Zeit, als in Frankreich die zweite Regierung innerhalb von fünf Monaten kippte, wanderte auf der anderen Seite der Pyrenäen Angela Merkel mit Spaniens Regierungspräsident Mariano Rajoy. Auf dem Jacobsweg tat Rajoy symbolisch Buße für die Schulden-Sünden seiner Vorgänger. Und "Euro-Führerin" Merkel erteilte den Spaniern Absolution: Spanien sei ein Musterknabe auf dem Weg zur Gesundung der Staatsfinanzen, urteilte die Kanzlerin. Anleger urteilten auf ihre Weise: mit Kaufaufträgen für Spanien-Anleihen - und zwar zu steigenden Kursen.

Frankreich steigt ab

Dass Frankreich-Anleihen auch noch mit steigenden Kursen bezahlt werden, mag mit Hoffnungen verknüpft sein, die neue Regierung in Paris werde eine Lösung für das Problem finden, das bei kritischer Beurteilung nicht zu lösen ist; jedenfalls nicht ohne die bitteren Szenen zu erleben, die sich in Spanien in den vergangenen Jahren abgespielt haben und die in Form erschreckender Arbeitslosigkeit noch heute alltäglich zu beobachten sind. Die Franzosen bekommen ihren Staatshaushalt nicht in den Griff. Die Schulden sind und bleiben (vorerst) höher als es nach den einheitlich von allen Ländern beschlossenen Euro-Regeln erlaubt ist.

Rendite steigt durch Kursgewinn

Hoffnung machen den Franzosen und im Übrigen auch Italien und den anderen Schuldenländern allein Mario Draghi und die Euro-Zentralbanker. Jenseits der berüchtigten Euro-Regeln haben die "Draghi-Drücker" einen neuen Feind ausgemacht: Die nicht mehr schnell genug steigenden Lebenshaltungskosten. Damit EU-Bürger und -Unternehmer mehr Geld ausgeben und so viel kaufen, dass die Preise wieder schneller steigen; um das zu erreichen, drücken Draghis Zentralbanker die Zinsen auf immer neue Tiefstände; sogar die Schulden-Zinsen für Frankreich, Spanien oder Italien. Die Tatsache, dass Anleihen des "Musterknaben" Spanien derzeit jedoch noch weit höher rentieren als die Anleihen von "Bad-Boy" Frankreich, kann eigentlich nur zu der Schlussfolgerung führen, dass Spaniens Anleihen weiter steigen werden, bis die Rendite zumindest mit Frankreich gleichgezogen haben wird. Weil die Spanien41-Anleihe mit 4,7% einen höheren Kupon trägt als die Frankreich41-Anleihe, müsste das Spanien-Papier also höher stehen als das Frankreich-Papier. D.h: Von jetzt 125% dürfte das Spanien-Papier in Richtung 150% steigen. Damit scheint nicht nur die hohe laufende Spanien-Rendite von 3,7% sicher zu sein, die jetzt verfügbar ist: Es kommen über Monate und Jahre sogar noch erhebliche Kursgewinne dazu. Und was für die 41er-Anleihen gilt, gilt in der Tendenz auch für alle andern Anleihen dieser und der anderen Schuldenländer.

4% und mehr aus Italien

Für Anleihen der Republik Italien sieht es ähnlich aus: Der 5%er bis 2040 ist im August von 119 auf 124% gestiegen. Die Regierung von Matteo Renzi ist noch nicht lange im Amt. Sie verspricht Reformen und genießt damit erst mal einen Vertrauensbonus, bis sich herausgestellt haben wird, ob den Versprechungen auch Taten folgen. Auf der jetzigen Kursbasis wirft die Italien40-Anleihe 4% laufende Rendite ab. Der Kurs dürfte auf einige Zeit zumindest stabil bleiben.

4,4% auf ewig

In Portugal hat der Oberste Gerichtshof schon mehrfach die Sparrechnungen der Regierung weggeurteilt. Die akute Krisephase hat das Land dennoch hinter sich. Die ewige Anleihe Portugals ist seit Jahresanfang von 44 auf 89% gestiegen. Das sind 100% Kursgewinn. Selbst zu diesem Kurs ist das Papier aus dem Jahr 1940 noch gut. Der Kupon beträgt auf alle Zeiten 4%. Beim jetzigen Kurs beträgt die laufende Rendite stattliche 4,4%. Zurückgezahlt wird die ewige Anleihe nie. Offenbar sind Ängste verflogen, Portugal könnte die Zinsen nicht mehr zahlen. Diese Ängste hatten dafür gesorgt, dass der Kurs der ewigen Anleihe zwischenzeitlich so abgestürzt war.

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