von Oskar Herbert

Düsseldorf, 04.12.2014: Jüngst wurde von professoraler Seite die Gefahr adressiert, Finanzminister in Europa könnten eines Tages keine Käufer mehr für Staatsanleihen finden; mit der Konsequenz, dass die Kurse der Anleihen sinken und die Zinsen/Renditen steigen.

Eine solche Kaufverweigerung wäre der GAU. Präsident Mario Draghi von der Europäischen Zentralbank verspricht schon jetzt - geradezu gebetsmühlenartig - diesen größten anzunehmenden Unfall mit allen Mitteln vermeiden zu wollen. Draghi will Staatsanleihen im Umfang von nicht weniger als 1.000 Mrd. Euro ankaufen. D.h., die oberste Staatsbank gibt das Geld, das die Staaten ausgeben, ohne "normale" (Steuer)-Einnahmen dafür zu haben.

Reeder und Oligarchen geben Geld für Staatsschulden

Dieser GAU wird auch für Deutschland kommen; spätestens, wenn Rentner wegen unzureichender Renten gezwungen sein werden, an ihre Sparreserven zu gehen. Dann hilft es auch nichts, wenn z.B. der deutsche Finanzminister gar keine zusätzlichen Schulden mehr macht. Er muss dennoch ständig neue Staats/Bundesanleihen zur Ausgabe anbieten, um fällige Anleihen zurückzahlen zu können. Und wenn dann nicht mal mehr Fluchtgelder z.B. von griechischen Reedern oder russischen Oligarchen den Weg in Bundesanleihen finden (dürfen), dann wird es kritisch. Dann helfen auch höhere Zinsen/Renditen den Sparern nichts mehr. Sie haben ja nichts mehr neu anzulegen. Sie wollen vielmehr früher angelegtes Geld zurück haben.

Sinkende Anteilwerte

Soweit Gelder deutsche Sparer und Anleger - so wie weithin üblich - auf Sparkonten bei Kassen und Banken liegen, haben weniger die Sparer das Problem als Banken und Kassen. Diese Institute reichen die Einlagen als (Staats)-Kredite weiter: Sie kaufen in großem Stil Bundes- und Staatsanleihen; im Vertrauen darauf, diese Anleihen pünktlich zurückgezahlt zu bekommen oder die Papiere vorzeitig am sog. Rentenmarkt verkaufen zu können, also an der Anleihenbörse. Die hohen Anleihenkurse, die heute üblich sind, werden unter Abgabezwang kaum mehr zu erzielen sein. Sinkende Kurse rechnen sich für Sparer und Anleger in sinkende Anteilwerte von Investmentfonds um.

1.000 Mrd. sind nicht viel

Die Aussicht auf Draghis Milliarden hat Anleihen- und Aktienkurse zunächst mal in atemberaubende Höhen getrieben. Dabei sind 1.000 Mrd. Euro in Bezug auf die europäischen Staatsschulden nicht viel. Allein die Bundesrepublik hat Staatsschulden von mehr als 2.000 Mrd. Euro. Frankreich, Spanien und Italien stehen mit ähnlichen Summen in der Kreide bei ihren Bürgern, bei Anlegern und Gläubigern. Das bald schon fünf Jahre währende Problem der griechischen Staatsschulden ist - daran gemessen - fast peanutsmäßig klein. Unvergessen sind die massiven Auswirkungen, die schon diese Peanuts auslösten als griechische Anleihen zwischenzeitlich keine Käufer mehr fanden.

Ewige Anleihe, ewiger Vorteil

Fast täglich müssen Milliarden-Summen bestehender Staatsschulden umgeschuldet werden: Die alten, fälligen Schulden werden im Wege eines Welt-umspannenden Schneeballsystems mit Geld aus neuen Anleihen zurückgezahlt. Bedingung ist allerdings: Es finden sich noch Anleger/Sparer/Käufer, für die neu angebotenen Anleihen. An dieser Stelle wird es sich früher oder später rächen, dass alle Finanzminister der Republik Ratschlägen gefolgt sind, die sich als wenig nützlich erweisen: Anstatt Laufzeit-Anleihen über fünf oder zehn Jahre oder teilweise auch über 20 und 30 Jahre aufzulegen, hätten sog. ewige Anleihen die GAU-Gefahr vermieden.

Zinsen ohne Verfalldatum

Ewige Anleihen haben kein Verfalldatum. Sie werden nie zurückgezahlt. Sie laufen ewig. Großbritannien hat eine solche ewige Anleihe im Jahr 1918 ausgegeben: den War-Loan (Kriegsanleihe). Fast 100 Jahre hat das Vereinigte Königreich darauf brav jedes Jahr 3,5% Zinsen gezahlt. Zwischenzeitlich, als die Zinsen allgemein viel höher waren, konnte man den War-Loan an der Londoner Börse für weniger als 50% des Nennwerts kaufen; oder auch nur zu diesem Mini-Kurs verkaufen. Im kommenden Frühjahr will das Königreich nun den vollen Nennwert zurückzahlen; nicht weil das Reich neuerdings im Geld schwimmt, sondern weil 3,5% Zinsen unter heutigen Bedingungen zu viel sind. Das Königreich kann sich anderweitig billiger finanzieren. Die erst 1948 gegründete und seit 1969 zunehmend verschuldete Bundesrepublik hat solche ewigen Anleihen nicht. Für ihre längste Anleihe muss die Republik bis 15.8.2046 jedes Jahr 2,5% Zinsen zahlen. Griechenland zahlt für seine längste Anleihe bis 24.2.2042 nur 2%.

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