von Oskar Herbert

Düsseldorf, 08.01.2015: Für Anleger in Bundesanleihen hat das Jahr 2015 mit weiteren Kursgewinnen begonnen: Die 2,5%-Anleihe bis 2044 z.B. stieg von 127% auf fast 134%. Jeweils 1.000 Euro Nennwert sind also gegen Ende der ersten vollen Börsenwoche des Jahres 2015 um 70 Euro wertvoller als vor zehn Tagen. Der Zugewinn ist fast dreimal so hoch wie der gesamte Zins dieser Anleihe für 365 Tage.

Käufer für Griechen-Anleihen gesucht

Die besonders lange Bundesanleihe 2044 steht symbolisch für den Trend aller Bundes- und Qualitäts-Anleihen Deutschlands und der anderen Länder, die nicht direkt im Schuldensumpf stecken. Die 2%-Griechenland-Anleihe bis 2042 ist derweil wieder unter 50% gefallen. Verkäufer nehmen stark sinkende Kurse in Kauf, um die Papiere los zu werden. Im September 2014 waren noch mehr als 65% der Nennwerte dafür bezahlt worden. Befürchtet wird, eine neue Regierung Griechenlands könnte die Zinszahlungen für diese und für andere Griechen-Anleihen einstellen. An den Rückzahlungstermin, den 24.2.2042, vermag ohnehin kaum jemand zu denken. Kritisch sind die Milliarden, die 2015 für fällige Griechen-Schulden aufgebracht werden müssen. Vor diesem Hintergrund ist damit zu rechnen, dass weiter dringend Käufer für Griechen-Anleihen gesucht werden. Unter diesen Umständen steht zu befürchten, dass die Griechen-Kurse weiter fallen. 2012 waren nur 10% für diese Nennwerte bezahlt worden.

Weitere Kursgewinne

Wer jetzt die 2,5%-Bundesanleihe 2044 kauft, bekommt immerhin knapp 2% laufenden Zins auf den hohen Kaufkurs. Sofern der Zustrom weiterer Fluchtgelder nach Deutschland anhält, sind auch Kurse von 150% für diesen "Bund" keine Illusion. 2,5% Jahreszins auf einen Einsatz von 150% für die Zinsbasis 100% (Nennwert 1.000 Euro) würden immer noch eine laufende Verzinsung von 1,6% bedeuten. Das ist etwa doppelt so viel, wie Sparbücher derzeit abwerfen. Und solange der Kurs der Anleihe sich noch nicht wieder automatisch in Richtung des Nennwerts 100% zurückbildet, zu dem die Anleihe am 4.7.2044 zurückgezahlt werden soll, solange scheint das für diese Anleihe eingesetzte Kapital sicher zu sein. Weil die Rückzahlung "nur" zum Nennwert 100% erfolgt und insoweit am Ende 50%punkte des Kaufkurses 150% verloren gehen werden, errechnet sich die Durchhalte(Effektiv)-Rendite bis 2044 auf 0,64%. Mit steigenden Kursen sinken die Renditen der Anleihen. Insoweit ist EZB-Präsident Draghi letztlich Gegner der Anleger. Die Renditen sind inzwischen so niedrig, dass Anleger mit ihren Anlagen nicht nur nichts mehr verdienen sondern sogar Kaufkraft verlieren. Nicht nur das: Als Steuerzahler werden Anleger auch noch bluten, wenn die EZB eines Tages die 1.000 Mrd. Euro nicht voll zurückbekommen wird, die sie in Wackel-Anleihen aus den Euro-Schuldenländern investieren will.

Automatische Kursverluste

Der tägliche Zeitablauf wirkt sich jedoch selbst bei die Bund?44-Anleihe mit einer noch langen Restlaufzeit von 30 Jahren grundsätzlich negativ auf den Kurs aus. D.h., der Käufer, der "Bund?44" heute für 134 % oder in den nächsten Monaten vielleicht sogar für 150% erwirbt, verliert durch den Zeitablauf der Anleihe automatisch jedes Jahr etwa 1 bis 2%punkte am Kurs seines eingesetzten Kapitals. Das ergibt sich aus der Arithmetik der Renditeberechnung. Dadurch reduziert sich die laufende Rendite, bis sich am Ende der Laufzeit die niedrigere Durchhalte-Rendite ergeben hat. Ein Ausweg aus diesem Automatismus gibt es nur, solange die Anleihenkurse allgemein weiter steigen und die Marktrendite entsprechend weiter sinkt. Einstweilen scheinen die Bedingungen so, dass tatsächlich mit weiteren Kurssteigerungen von Bundes-Anleihen und ähnlich Qualitäts-Anleihen zu rechnen ist. Insoweit scheinen die laufenden Renditen vorerst sicher zu sein.

Italien-Anleihen zählen nicht zu den Qualitäts-Anleihen: Die 4,75% Italien-Anleihe bis 2044 wurde zuletzt fast mit 130% bezahlt; ISIN: IT0004923998. Das bedeutet 3,6% laufende Rendite sowie 3,1% Durchhalte-Rendite bis 1.9.2044. Im Vergleich zum aktuellen Kurs von "Bund?44" ist das fast die dreifache Rendite. Anleger waren jedoch in den jüngsten Tagen nicht bereit, noch höhere Kurse für "Italien?44" zu bewilligen. Die Gefahr besteht darin, dass ein möglicherweise gelingender Ausstieg Griechenlands aus seinen Staats-Verbindlichkeiten ein Muster für das - freilich um ein Vielfaches größere - Italien darstellen könnte. Das will wirklich niemand heraufbeschwören.

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