von Oskar Herbert

Düsseldorf, 17.09.2015: Die Zinsen für Anleihen werden nun noch für lange Zeit so niedrig bleiben wie sie sind. Die Kurse der Anleihen werden steigen.

Die amerikanischen Notenbanker teilen offensichtlich die schon vor Wochen an dieser Stelle geäußerte Sichtweise: Mit der Weltwirtschaft geht es nicht mehr so dynamisch nach oben wie zuvor erwartet; sofern es einstweilen überhaupt noch nach oben geht. Unter diesen Umständen, wäre es fahrlässig, die Leitzinsen heraufzusetzen.

Abschied nehmen von Dynamik

Soweit man einräumen will, dass die chinesische Wirtschaft nach vielen Jahren stürmischer Entwicklung nunmehr in die Phase einer - zumindest teilweise - gesättigten Volkswirtschaft übergeht, soweit wird man nachhaltig von dynamischen Impulsen Abschied nehmen müssen, die von China auf die Weltwirtschaft ausgegangen sind. Südamerika schwächelt. Russland kriselt. Der arabische Raum befindet sich in politischen Wirren. Der Iran wird von Sanktionen befreit. Neue Nachfrage aus diesem aufstrebenden großen Land kann jedoch die negativen Effekte aus den anderen Regionen nicht kompensieren.

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Abschied nehmen von Arbeitsplätzen

Soweit man ferner einräumen will, dass die digitale Revolution der Wirtschaft herkömmliche Arbeitsplätze überflüssig machen wird, soweit wird - neben der lahmenden Weltwirtschaft - auch die technische Entwicklung dafür sorgen, dass inflatorischer Preisauftrieb schwerlich aufkommen kann. Es gibt keine Inflationsgefahren, die - nach herkömmlichem Muster - mit steigenden Leitzinsen und - in der Folge - mit sinkenden Anleihekursen zu bekämpfen wären. Eher steht zu erwarten, dass die Digitalisierung steigende Produktionsmengen ermöglicht - mit niedrigeren Kosten.

Abschied nehmen von Inflation

Die so erzeugten Produkte können zu niedrigeren Preisen angeboten werden; in der Hoffnung, dass weithin gesättigte Kunden diese Produkte tatsächlich kaufen wollen. Statt inflationärer Tendenzen sind eher deflatorische Tendenzen zu erwarten. Notenbanken und Politiker werden sich veranlasst sehen, Menschen und Unternehmen mit billigem Geld, also mit niedrigen Zinsen sowie mit möglichst großen Freiheiten alle Chancen einzuräumen, Produkte und Dienstleistungen zu entwickeln, die Nachfrage finden; nicht zuletzt um Arbeitsplätze und Steuereinnahmen zu schaffen.

Der demographische Scheineffekt

Angesichts dieser Perspektiven gewinnt das aktuelle Flüchtlingsdrama besondere Bedeutung. Zusätzliche  Arbeitskräfte werden nicht gebraucht. Aktuell setzt erst die Pensionierung der frühen 1950er Jahrgänge ein. Die dadurch frei werdenden Arbeitsplätze werden aufgefangen durch den technischen Fortschritt. Die starken Jahrgänge sind 1958 bis 1961. Bis diese Jahrgänge pensioniert werden, wird die Automatisierung noch weiter fortgeschritten sein. Sofern jetzt im Hinblick auf diesen berüchtigten demographischen Effekt zusätzliche Arbeitskräfte begrüßt werden, so wird mit einem Scheineffekt argumentiert.

Viel Optimismus

Es gehört viel Optimismus dazu, um nicht zu erkennen, wie das soziale Elend aus den Ländern der Wirtschaftsflüchtlinge in die Länder exportiert wird, die jetzt Millionen dieser Arbeitskräfte aufnehmen (sollen). Schon jetzt sind die - besonders von den Deutschen hochgehaltenen - Schuldenregeln der EU-Verträge hinfällig. Die immensen Ausgaben für die Bewältigung des Flüchtlingsdramas gelten als Sondersituation. Damit können die berüchtigten Maastricht-Regeln für die Begrenzung von Staatsschulden und für die Ausgabe weiterer Staatsanleihen außer Kraft gesetzt werden. Die Flut neue Staatsanleihen werden von der Europäischen Zentralbank und von anderen Notenbanken gekauft. Diese Staatsbanken zahlen mit Geld, das sie digital durch ein paar Buchungen im elektronischen System in Windeseile neu schaffen - ohne jede Sicherheit. Nicht mal Geldscheine oder die Urkunden für immer neue Anleihen werden gedruckt.

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Steigende Kurse

Anleger hatten in den jüngsten Monaten stark sinkende Kurse in Kauf genommen, um Anleihen verkaufen zu können. Die Verkäufer befürchteten, nach der Zinserhöhung, die nun nicht gekommen ist, niedrigere Kurse hinnehmen zu müssen. Die 2,5%-Bundesanleihe bis 2046 z.B. ist in dieser Phase von fast 160 % auf zwischenzeitlich nicht mal mehr 120 % gesunken. Aktuell ist diese Anleihe für 125 % zu haben; ISIN: DE0001102341. Es ist wahrscheinlich, dass für diese Anleihe wieder 160 % bezahlt werden. Ähnlich wird es mit anderen Bundesanleihen gehen. Ein Anstieg von 125 auf 160 % bedeutet fast 30 % Plus zuzüglich zum jährlichen Kupon. Solche Kursgewinne! Das ist es, warum Strategen heute noch Staatsanleihen kaufen und sogar gute Renditen mit den Minizinsen erzielen.

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