von Oskar Herbert

Düsseldorf, 29.04.2015: Wie kritisch die Lage an der Euro-Schuldenfront ist, zeigt z.B. der Kursrückgang von Italien-Anleihen: Für die Richtung weisende 4,75%-Anleihe bis 2044 werden jetzt "nur" noch 151% geboten und nicht mehr 164%, wie sie vor sechs Wochen bezahlt wurden (ISIN: IT0004923998). Das könnte der Anfang eines allgemeinen Abwärtstrends sein.

Die Italien?44-Anleihe war ein tolles Geschäft: Am 1.3.2013 ist sie herausgekommen; 6 Mrd. Euro Nennwerte zum Kurs von 100%. Wer vor zwei Jahren vielleicht 10.000 Euro Nennwert dieser Anleihe gekauft hat, der freut sich jetzt über einen Gewinn von 5.000 Euro zuzüglich zweimal 4,75% Zinsen. Wer gleich 10 Mio. Euro gekauft hat, brauchte kaum den gesamten Kaufpreis auf den Tisch zu legen: Staatsanleihen aus Italien gelten als sicher. Sie können also beliehen werden. Die Kreditzinsen sind weithin niedriger als der 4,75%-Kupon von Italien?44. Auf diese Weise ließen sich in der jüngsten Vergangenheit enorme Gewinne mit Anleihen erzielen. In manchen Bankbilanzen ist erkennbar, dass solche Gewinne gemacht wurden; nicht nur mit Italien-Anleihen sondern auch mit Anleihen aus Frankreich, aus Spanien oder aus den anderen Ländern, die momentan nicht so im Brennpunkt stehen wie etwa Griechenland.


Versteckte Schulden

Doch was ist, wenn der Trend kippt? Wenn nach und nach immer mehr Anleihe-Spekulanten nicht mehr daran glauben, noch höhere Kurse kassieren zu können. Wenn obendrein durchsickert, dass z.B. Italien neben seiner offiziell schon unerlaubt hohen Staatsschuld von 132% der Wirtschaftsleistung weitere versteckte Staatschulden von fast 200 Mrd. Euro hat? So viele Milliarden, die dann wahrscheinlich als Verkaufswünsche auf den Markt kommen, können Europäische Zentralbank sowie die nationalen Notenbanken gar nicht aufkaufen. Was ohnehin absurd ist, dass z.B. die italienische Notenbank italienische Staatsanleihen ankauft, um die Regierung des Landes flüssig zu halten. Andernfalls müsste Italiens Ministerpräsident Matteo Renzi es dem Kollegen Alexis Tsipras aus Griechenland nachmachen: Er müsste den Bittgang nach Brüssel antreten.


Sinkende Kurse

Die durchschnittliche Rendite deutscher Bundesanleihen ist seit Mitte April 2015 von 0,05 auf 0,19% gestiegen. Was sich hier so bruchteilig liest, bedeutet z.B. für die 2,5%-Bundesanleihe bis 2046 einen Kursrückgang von 159 auf 149%. Dadurch sind in zwei Wochen die Zinsen für vier Jahre im Kurs verloren gegangen. Und das, obwohl Deutschland sich wahrlich nicht in Finanznot befindet.

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