von Oskar Herbert

Düsseldorf, 30.10.2015: Die berüchtigte "schwarze Null" steht inzwischen auch in Deutschland zur Diskussion. Beruhigend: Die Europäische Zentralbank EZB hat schon durchblicken lassen: "Kein Problem. Wir kaufen nicht nur Anleihen, die sonst niemand haben will. Wir bieten sogar höhere Kurse für diese Anleihen." Was Anleger nicht mehr an den Zinsen verdienen, können sie an steigenden Kursen der Anleihen verdienen. Und sogar noch mehr.

VW-Affäre lässt Anleihenkurse steigen

Jetzt steigen nicht nur die Staatsausgaben, weil so viele Immigranten kommen. Jetzt sinken auch noch die Steuereinnahmen, weil VW und Deutsche Bank Mist gebaut haben. Was VW wegen der "Diesel-Affäre" zahlen muss, das sind steuerlich "ganz normale" Betriebsausgaben. Sie verringern den Gewinn und senken die Steuerlast. Das gilt sogar für Strafzahlungen, die wegen der kriminellen Täuschungen zu erwarten sind. Entsprechendes gilt für die Deutsche Bank.

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10 % Gewinn in einer Woche

Beide Weltfirmen, VW und die Deutsche Bank, stehen in besonderer Weise für das berühmte "Made in Germany". 2014 werden diese einstigen Musterfirmen mit Verlust abschließen. Wo Verlust steht, bekommen nicht nur die Aktionäre keine Dividende. Der Finanzminister bekommt nichts; keine Steuern; nicht mal mehr Lohnsteuern von entlassenen Mitarbeitern. Noch schlimmer: Ihre Verluste können die einstigen Musterfirmen auf künftige Jahre vortragen. Die Verluste werden verrechnet, wenn eines Tages wieder Gewinne anfallen. Die Gewinne bleiben solange steuerfrei, bis die vorgetragenen Verluste abgearbeitet sind. Es ist also nicht nur so, dass der Finanzminister für 2015 von der heiligen Vision eines kleinen Überschusses im Staatshaushalt Abschied nehmen muss; von der schwarzen Null. Die Verrechnung der vorzutragenden Verluste von VW und Deutscher Bank mit künftigen Gewinnen ist faktisch sogar eine Steuerrückzahlung. Ganz Deutschland zahlt dafür; das jüngste Baby bis hin zur ältesten Oma.

Neue Höchstkurse

Käufer von Bundesanleihen schreckt dieser Abschied von der schwarzen Null nicht: Innerhalb von einer Woche bewilligen Anleger 2,7 % höhere Kurse für die berühmte 2,5 %-Bundesanleihe bis 2046; ISIN: DE0001102341. D.h. innerhalb von nur einer Woche war mit dieser Anleihe mehr zu verdienen als der Zinskupon in einem ganzen Jahr einbringt.

Italien bringt mehr

Bei den aktuellen 133 % für diese längste Bundesanleihe ist wahrscheinlich noch nicht Schluss. Genauso wenig wie bei den Kursen der anderen Anleihen, welche die Bundesrepublik laufen hat. Oder auch Spanien oder etwa Frankreich. Die längste Italien-Anleihe z.B. ist ein 5 %er bis 2040. Dafür werden jetzt schon 146 % bezahlt; ISIN: IT0004532559. Bis zum bisherigen Höchstkurs von gut 160 % sind noch 10 % Spielraum; oder zwei Jahreszinsen á 5 %; wohlgemerkt: Diese Zinsen laufen zeitanteilig nebenher. Vom zwischenzeitlichen Kurstiefstand bei 126 % im Juni hat es nur vier Monate gebraucht, bis Anleger jetzt freiwillig 146 % bewilligen, um Italien2040 kaufen zu können. Bei 160 % muss auf diese Anleihe nicht Ende der Kursstange sein. Selbst dann rentiert das Italien-Papier noch mit knapp 2 % - und zwar unter Berücksichtigung des Umstands, dass am 31.8.2040 nur 100 % zurückgezahlt werden, wofür aktuell bald 160 % bezahlt werden. Die laufende Verzinsung ohne Kursveränderungen liegt bei 3,4 %.

Höhere Gewalt, niedrigere Zinsen

Die knapp 2 % Endrendite von Italien2040 bei einem künftigen Kurs von 160 % sind immer noch mehr als jene 1,1 %, die der 2,5 %er Bund2046 schon beim heutigen Kurs von 133 % abwirft. Und Italien, die Heimat von EZB-Präsident Mario Draghi, scheint positiv in Wirtschafts-Schwung geraten zu sein. Dieser Gesundungsprozess darf nun nicht durch ein sklavisches Festhalten am Euro-Rettungssparkurs gefährdet werden; wohlwissend, dass dieser Kurs wegen der quasi "höheren Gewalt" der Flüchtlingsströme faktisch sowieso nicht zu halten ist. Das ist die finanzpolitische Strategie dieser Tage. Sie gilt für den gesamten Euro-Raum. Und EZB-Präsident Draghi steht mit seinen unbegrenzten Finanzmitteln dafür ein, dass alle Anleihen, die sein Heimatland Italien oder auch die anderen Euro-Länder bis hin zu Deutschland wegen der höheren Schulden ausgeben müssen, auch Abnehmer finden - sogar zu steigenden Kursen.

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