von Oskar Herbert

Düsseldorf, 11.06.2015: Viele Anleger nehmen derzeit sinkende Kurse in Kauf, um Bundesanleihen verkaufen zu können. Für Anleger, die neu anlegen wollen ist das gut. Es sei denn, es wollen immer noch viele Verkäufer selbst zu sinkenden Kursen aus Anleihen raus. Im Zweifel findet man bei Unternehmensanleihen hinreichende Alternativen; sogar mit besseren Renditen.

Der schon vor Monaten befürchtete Crash der Bundesanleihen ist da: Die längste Bundesanleihe, die 2,5%-Anleihe bis 2046, ist aktuell wieder für 122% des Nennwerts 1.000 € zu haben. Einen solchen Kurssturz von 25% bei Anleihen hat es seit Menschengedenken nicht gegeben. Es geht dabei nicht um ein wackeliges Papier eines nicht zahlungswilligen oder nicht zahlungsfähigen Landes wie etwa Griechenland. Es geht auch nicht um Papiere von Verlust-Unternehmen wie etwa Singulus oder von BDT Media. Es geht um das höchst zahlungsfähige Deutschland.


25% Minus mit Bundesanleihe

Vor zwei Monaten war dieselbe 2,5%-Bundesanleihe mit dem Rekordkurs 159 € bezahlt worden. Wer diesen Preis bezahlt hat, der hat jetzt ein dickes Problem. Das Problem ist umso dicker, je mehr fremdes, zu treuen Händen gegebenes Geld für solche Käufe eingesetzt worden ist. Das betrifft viel Investmentfonds und andere Vermögensverwalter oder auch Lebensversicherer und Hedgefonds. Es könnte selbst die Europäische Zentralbank EZB betreffen, sofern sie Geld ihres Ankaufprogramms in diese Anleihe gesteckt hat.


Kurse wie zu Weihnachten

Der Kurssturz von "Bund?46" betrifft alle Käufe seit Dezember 2014. Seit diesen Wintertagen waren für die Anleihe zunächst immer höhere Kurse als 120% bezahlt worden, bis Ende April der Rekord von 159% zustande kam. Jetzt ist der Kurs faktisch wieder auf den Stand von Weihnachten 2014 zurückgefallen. Doch selbst wer jetzt zum nicht mehr ganz so hohen Kurs kauft, kann von Rendite nicht reden: 1,60% pro Jahr errechnen für die nächsten 31 Jahre für jene Anleger, die jetzt 122% für diesen 2,5%er bezahlen. Wer das tut, muss wissen, was er macht.


Anleihen besser als Aktien

Die Anleihe "Bund?46" steht repräsentativ für alle Bundesanleihen. Die Neujahr-Anleihe von 2000 etwa, der 6,25%er bis 4.1.2030, hatte sich bis Ende April 2015 fast verdoppelt: 187% wurden in der Spitze dafür bezahlt. Diese Anleihe ist jetzt wieder für 166% zu haben; also 12% billiger. Dieser Kurs ist jedoch ebenfalls noch viel zu hoch. 1,2% ist die Rendite, die sich aus diesen 166% errechnet - für die nächsten knapp 15 Jahre! In den ersten 15 Jahren dieser 6,25%-Anleihe haben die Anleger schon fast den kompletten Nennwert in Form von Zinsen kassiert; ohne Einrechnung von Zinseszinsen und Kursgewinnen. In der Summer von Nennwert und Zinsen sind das also knapp 200%. Der Deutsche Aktienindex DAX ist in derselben Zeit von 7.250 auf 11.450 oder um 160% gestiegen - und zwar unter der Annahme, Dividenden würden immer gleich wieder in zusätzliche Aktien investiert.


Am Ende haftet Deutschland

Die Gründe für den Kurssturz der besten Staatsanleihen, die es rund um den Finanzglobus gibt, nämlich der Bundesanleihen; diese Gründe sind nicht etwa die neuen Zahlen zur "Inflations"entwicklung in Deutschland und Euro-Land und auch nicht die alten Probleme mit dem Schuldner Griechenland. Die Gründe sind Milliarden-schwere Spekulationen mit Bundesanleihen. Jetzt müssen solche, oftmals auf Kredit aufgebauten Spekulationen eingedeckt werden. Die echte, nicht durch Kredite überhöhte Nachfrage nach Staatsanleihen ist denkbar gering; wegen der miesen Renditen. Deshalb müssen Verkäufer jetzt solche massiven Kurssenkungen in Kauf nehmen, wenn sie ihre Papiere loswerden wollen. Es steht zu befürchten, dass diese Spekulanten noch eine Menge Papiere loswerden wollen. Sie können letztlich bloß auf die EZB hoffen, dass sie ihnen die Papiere abnimmt. Bei ihr kommt es nicht auf Renditen und Verluste an. Von etwaigen Verlusten muss die Bundesrepublik ein reichliches Viertel übernehmen.

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