von Oskar Herbert

Düsseldorf, 13.11.2014: Für griechische Anleihen gibt es jetzt wieder fast 4% laufende Verzinsung. Die Griechen-Anleihe bis 2038 z.B. ist aktuell für 54% zu haben. Vor einigen Monaten waren Spitzenkurse von 64% dafür bezahlt worden. Der jährliche Zinskupon lautet auf 2%. Bezogen auf den jetzt wieder niedrigen Kurs der Anleihe sind das jetzt fast 4% laufende, jährliche Rendite. An die Rückzahlung in 23 Jahren will momentan niemand denken. Als Vergleich mag die Bundesanleihe bis 2044 herhalten. Ihr Kurs steht fast bei 120%. Der Kupon ist mit 2,5% pro Jahr höher als der Griechen-Kupon. Die laufende Rendite - ohne Berücksichtigung des Kursverlusts bei der Rückzahlung - ist mit 2% nur halb so hoch wie die Griechen-Rendite.

Auslandsgelder lassen Kurse steigen

Anleger werden inzwischen teilweise mit Negativ-Zinsen bestraft, weil ausländische Gelder in Bundesanleihen und andere sichere deutsche Geldanlagen geflüchtet sind. Das gilt für Gelder, die jüngst aus Russland abgeflossen sind, genauso wie für Gelder, die seit Jahren schon Griechenland, Zypern, Italien und andere Länder verlassen haben, wo Anleger Abstriche an ihrem Ersparten befürchten mussten; sei es etwa durch Wechselkursverluste des Rubel oder durch Nennwertverluste in Euro-Südstaaten.

Minus-Zinsen als Fluchthilfe

Griechen und andere Anleger haben sich durch die Flucht in deutsche Anleihen und Anlagen vor Verlusten gerettet. Sie haben sogar an steigenden Kursen von Bundesanleihen verdient. Die Kurse dieser Anleihen wären bei Weitem nicht so hoch, wenn es den offenen Kapitalverkehr zwischen den Ländern nicht gäbe. Die Zinsen und Renditen wären heute bei Weitem nicht so niedrig und sogar schon negativ, wenn die Auslandsgelder nicht ungehindert hätten zufließen können. Die deutschen Minus-Zinsen sind eine Art Fluchthilfe für Auslandsgelder.

Zwangs-Anleihen im Finanzkrieg

Anstatt die Nennwerte von Griechenland-Anleihen zusammenzustreichen, die sich v.a. im Besitz nicht-griechischer Anleger befanden, hätte es viel näher gelegen, griechische Sparer zur Zeichnung einer oder mehrerer Zwangs-Anleihen zu verpflichten. Oder man hätte bestimmte Teile von Spareinlagen einziehen können. Dies gilt umso mehr, als es in Griechenland erhebliche Mengen sog. schwarzer, sprich unversteuerter Gelder geben soll. Auf diese Weise hätte der Staat letztlich einen Teil jener Gelder wieder einziehen können, die er in den Jahren überbordender Schulden auf den verschiedensten Wegen zu großzügig verteilt hatte. Derartige Zwangs-Anleihen sind aus Kriegszeiten berüchtigt. Aktuell tobt im Euro-Land ein Finanzkrieg.

Doppelt zahlen für fremde Schulden

Deutsche Sparer und Anleger zahlen mit schrumpfender Kaufkraft für fremde Schulden. Sie haften obendrein für Versprechen der Europäischen Zentralbank und anderer europäischer Organisationen, zur Rettung überschuldeter Staaten im Süden der Euro-Union. Diese Lasten stehen in bitterem Kontrast zu Gewinnen, die griechische und andere ausländische Anleger gleichzeitig in Deutschland einfahren.

Neue Möglichkeiten

Jüngst sind neue Notwendigkeiten aufgetaucht, Griechenland mit zusätzlichen West-Finanzen stützen zu müssen. Als politisches Druckmittel dient die Sorge, bei der nächsten Wahl könnte eine Euro-feindliche Mehrheit ins griechische Parlament gewählt werden. Die neuen Möglichkeiten des Informationsaustauschs über Finanzanlagen sind offenbar noch nicht ins politische Kalkül einbezogen worden. Soweit Banken inzwischen über Zinseinkünfte ausländischer Anleger Auskunft in deren Heimatländer übermitteln können, so weit sind sie auch in der Lage, Auskunft über die Höhe der Anlagen zu erteilen. Sie müssten auch in der Lage sein, als Helfershelfer der jeweiligen Schuldner-Länder Gelder einzuziehen, die deren Anlage-Flüchtlinge z.B. in deutschen oder in anderen sicheren Anlagen stecken haben.

Ausverkauf mit mehr Rendite

Denkbar wäre es, ausländische Fluchtgelder automatisch aus Bundesanleihen herauszuverkaufen und in Griechen-Anleihen hineinzukaufen. Das Ergebnis wäre für die zwangsweise ausgesiedelten Anleger gar nicht negativ: Sie bekämen - bezogen auf die heutigen Kurse der Anleihen doppelt so viel Rendite für Griechen-Anleihen als sie derzeit für Bundesanleihen bekommen. Eine solche Maßnahme ist - ohne Frage - mit dem Geist des Freihandels in der Euro-Union unvereinbar. Dieser Geist steht in der Praxis freilich zurück gegenüber dem Eid, den Griechenlands Politiker nicht auf Europa sondern auf ihr Heimatland schwören. Im Ergebnis führt das in den Schuldenländern dazu, die Folgen der Überschuldung möglichst auf andere abzuwälzen. Deutsche Sparer und Anleger wehren sich nun, wenn sie noch mehr für Schuld und Schulden Anderer büßen sollen.

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