von Oskar Herbert

Düsseldorf, 23.01.2014: Das Trauerspiel, das die Deutsche Bank derzeit vorführt, ist das Ergebnis eines zu großen Liberalismus? und skrupelloser Geldgier. Die Deutsche Bank rangierte Jahrzehnte lang im Ausland auf dem unantastbaren Niveau der Deutschen Bundesbank. Wenn die Bank mit dem aufstrebenden Logo jetzt auf dem Image-Boden liegt, dann schlägt das auch auf das glorreiche "Made in Germany" und letztlich auch auf Deutschlands Finanzen durch. Am Ende haften nicht nur Anleger, Kunden und Mitarbeiter für das Desaster der Bank. Der deutsche Steuerzahler haftet ebenfalls für den Schaden, den Deutschlands angebliche Topbanker angerichtet haben: Die Deutsche Bank zahlt allenfalls noch lächerliche Kleinbeträge an Steuern. Für 2014 ist keine Besserung zu erwarten. Das steht intern jetzt schon fest.

Gemeinsame Sache

Vorbei sind die goldenen Zeiten, als ein Schweizer an der Spitze der Deutschen Bank für die riesigen Steuerüberweisungen mit einer Geburtstagsfeier im Kanzleramt belohnt wurde. Jener Inder, der seinerzeit von London aus die skrupellosen Investmentgeschäfte forcierte, steht jetzt an der Spitze der Deutschen Bank. Bank und Staat machten quasi gemeinsame Sache: Mehr Gewinn bedeutet immer auch mehr Steuern. Die Rechnung schien aufzugehen: Immer weniger Regulierungen und Aufsicht, also immer mehr Liberalismus für die (Finanz)-Wirtschaft, sollte immer mehr Aufschwung bringen und vor allem immer mehr Steuereinnahmen.

Anleger haften für zu viel Liberalismus

Von den überzogenen Kursen der Telekom-Aktien oder von massenhaften Verlusten mit unkontrollierten Aktien-Emissionen am Neuen Markt haben sich Millionen Anleger bis heute nicht erholt. Die Krise, die 2007 mit der Beinahe-Pleite der IKB-Bank in Deutschland sichtbar wurde, hängt der Deutschen Bank und den Deutschen noch heute an. Wenn Bundespräsident Joachim Gauck vor diesem Hintergrund mehr Liberalismus anmahnt, so scheinen seine beamteten Redenschreiber nicht mitzubekommen, was draußen im Land wirklich los ist. Die Deutschen bluten für zu viel Liberalismus! Sie haften mit ihren Steuern dafür, dass Deutsch-Banker die ihnen großzügig gewährten Freiheiten gnadenlos zu ihren Gunsten ausgenutzt haben: Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren! Die Deutschen haften ferner dafür, dass Goldman-Sachs-Banker aus Frankfurt z.B. den freiheitsliebenden Griechen - gegen sehr gute Bezahlung - auch dann noch Kredit verschafften, als sie längst nicht mehr kreditwürdig waren. Die Politik schaute weg. Und wenn mal das Konto überzogen ist, dann schlagen Banken und Sparkassen mit doppelstelligen Kreditzinsen zu. Sie sind schwach und brauchen das Geld, um frühere Verluste auszugleichen und das Kapital zu stärken - für neue Taten!

Grenzüberschreitende Sozialisierung

Vermögenswerte von Fondssparern wurden stillschweigend sozialisiert, als der "freiwillige" Kapitalschnitt bei griechischen Anleihen durchgezogen wurde. Was im Rahmen der angeblich alternativlosen Euro-Rettung praktiziert wird, ist grenzüberschreitende Sozialisierung im Mega-Stil. Dazu zählt auch, dass die Zinsen für landläufige (Bundes)-Anleihen nicht mal mehr den Kaufkraftverlust durch Inflation und die obendrein noch fälligen Zinssteuern ausgleichen. Diese Minus-Geschäfte für Millionen Sparen und Anleger sind vielfach schon - und völlig zu recht - als Enteignung bezeichnet worden. Soweit der Bundespräsident jüngst mehr als nur eine "Sonntagsrede" anlässlich eines Geburtstags halten wollte; so weit wäre sein Wunsch nach einem neuen Liberalismus gut gemeint. Der liberale Wirtschaftsweise Walter Eucken, um den es bei dem Geburtstag letztlich ging, hätte sich klar gegen die Euro-Sozialisierung und Sparer-Enteignung ausgesprochen.

7% Rendite mit Gelddrucker

Die 9,25%-Anleihe der Heidelberger Druckmaschinen AG wird inzwischen mit 106% bezahlt; ISIN: DE000A1KQ1E2. Vor zwei Jahren war das Papier für 60% zu haben. Da kämpften die weltweit berühmten "Heidelberger" mit schweren Verlusten. Jetzt sind es "nur" noch leichte Verluste. Anleger sind ermutigt immer höhere Kurse für die Anleihe zu bewilligen. Vielleicht spielt es ja auch eine Rolle, dass immer mehr neue Geldscheine gedruckt werden müssen. Oder die "Heidelberger" kommen noch mit einem 3-D-Drucker raus. Digitaldruck ist jetzt schon in Heidelberg angesagt. Die Rendite der Anleihe unter Berücksichtigung des planmäßigen Rückzahlungsverlusts am 15.4.2018 berechnet sich jetzt noch auf 7%. Die Zinsen werden halbjährlich gezahlt, so dass jetzt Stückzinsen für drei Monate die mitgekauft werden müssen.

Anleihe unter Beobachtung

8% mit Cemex-Beton

Die 9,625%-Anleihe von Cemex wird inzwischen mit 106% bezahlt; ISIN: XS0473787884. Cemex steht für Cementos de Mexico und für den größten Zement- und Beton-Hersteller der Welt. Der Multi ist auch in Deutschland aktiv. Er profitiert davon, dass die Regierung zusätzliche Milliarden in die Sanierung der Infrastruktur stecken will. Die hochverschuldete Firmengruppe aus dem Norden Mexicos kämpft regelmäßig mit den schweren Zinslasten. Sie kann letztlich auf Rückendeckung aus Mexico City rechnen. Dort unternimmt die Regierung ebenfalls jetzt zusätzliche Schritte, um das Land wieder voran zu bringen. Die Cemex-Anleihe ist damit fast wie eine Staatsanleihe; aber mit Extra-Rendite von 8% bis zum Fälligkeitstag am 14.12.2017. Großkonkurrent Heidelbergcement hat ebenfalls eine Reihe von Anleihen laufen; allerdings mit viel weniger Rendite für Anleger: Die 8%-Anleihe bis 31.1.2017 kostet derzeit 117%; ISIN: XS0458230322. Daraus errechnet sich eine Effektivrendite von 2%.

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