von Oskar Herbert

Düsseldorf, 28.11.2013: Die Kurse von Anleihen und Aktien sind seit der Bundestagswahl gestiegen: Der REX-Index der Anleihen verbesserte sich von 441 auf 446. DAX-Index der Aktien stieg von knapp 8.700 auf fast 9.400 Punkte. Die sich abzeichnende Große Koalition genießt offenbar das Vertrauen der Anleger: Eine Regierung Merkel/Gabriel scheint am ehesten in der Lage zu sein, die anstehenden Herausforderungen sachgerecht anzugehen. Die Herausforderungen sind groß genug.

Banken kaufen Anleihen und drücken den Aktienindex

Enorme Mengen Staatsanleihen haben Banken für ihren Eigenbesitz erworben; und zwar nicht als Geldanlage, wie Bürger das mit ihrem Spargeld machen. Für Banken ist der Erwerb von Staatsanleihen wie die Hingabe von Krediten an Staaten, etwa an die Bundesrepublik oder zwischenzeitlich auch z.B. an Griechenland. Das Geld für derartige (Staats)-Kredite nehmen Banken z.B. aus den Spareinlagen ihrer Kunden oder aus Krediten von der Europäischen Zentralbank (EZB). Banken verwenden also fremdes Geld für den Kauf von Anleihen, sprich für den Staatskredit. Das war Jahrzehnte lang einfacher als die Kreditvergabe an viele einzelne Unternehmen und Privatpersonen. Einträglicher war es auch, weil Banken für den Erwerb von Staatsanleihen kein (Aktien)-Eigenkapital in der Bilanz vorhalten müssen - wegen der angeblich hohen Sicherheit von Staatsanleihen. Die Realität des Euro-Schuldenkrise hat diese Auffassung ist inzwischen überholt. Wegen massiver Verluste mit Staatsanleihen sind Banken überall in Europa in existenzielle Schwierigkeiten geraten. Die Regierung Merkel/Rösler musste zusehen, wie die deutschen Staatsschulden - ganz anders als geplant - seit 2009 erheblich weiter gestiegen sind, wegen Hilfskrediten an Bad Banks.

Wie sicher sind Versicherer?

Weil es Sicherheit mit Staatsanleihen heute nicht mehr gibt, sollen nun auch die guten (Nicht-Bad)-Banken für jeweils 1.000 € Staatsanleihen in ihrem Bestand bis zu 10 € (Aktien)-Eigenkapital vorhalten, wofür die Aktionäre dann Dividende erwarten. Die Deutsche Bank hat aber bereits Schwierigkeiten, die vor Jahren schon massiv gekürzte Dividende für 2013 wieder zahlen zu können. Die Deutsche-Bank-Aktie ist 2013 nicht mehr halb so viel wert wie 2007. Noch schlimmer steht es um die Commerzbank. Ohne diese beiden Minus-Aktien stünde der DAX vielleicht schon bei 10.000 Punkten oder darüber. Dass Anleger unter diesen Umständen zusätzliche Bank-Aktien erwerben - und damit neues eigenkapital einzahlen wollen, ist eher unwahrscheinlich. Für viele andere (Nicht-Aktien)-Banken ist es ähnlich schwierig neues Eigenkapital aufzutreiben. Also müssen die Bestände an Staatsanleihen schrumpfen. Und das vor dem Hintergrund, der Ausgabenpläne im Koalitionsvertrag einer Merkel/Gabriel-Regierung. Es wird schon schwierig genug werden, allein die jeweils fällig werdenden alten Staatsanleihen durch neue Anleihen ersetzen zu können. Über der Hilfsfinanzierung durch die EZB, die mit Quasi-Null-Zins-Geld den Banken gern zur Seite steht, schwebt zudem noch der offene Entscheid des Bundesverfassungsgerichts. Danach könnte es mit dieser Art Staatsfinanzierung vorbei sein.

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Regierung lässt Auszahlungen kürzen

Sparer, Anleger und beispielsweise auch Versicherer empfinden die aktuellen Niedrigzinsen als Zumutung. Versicherungsaufseher Felix Hufeld wurde jüngst intern "zurückgepfiffen" wegen Äußerungen, Lebensversicherer könnten in existenzielle Nöte geraten, sofern die Zinsen weiter so niedrig bleiben. Der Grund ist klar: Sparer und Anleger sollen nicht verunsichert werden. Das ist jedoch zu spät. Die Verunsicherung ist längst da. Man darf gespannt sein, ob die Bereitschaft einer Regierung Merkel/Gabriel zur Stützung von Versicherern ggfs. genauso hoch sein wird, wie die bewiesene Hilfsbereitschaft für Banken. Die 2007 als erste von der Regierung Merkel/Steinbrück gerettete IKB Bank war sicher nicht systemrelevant. Kleine Versicherer sind auch nicht systemrelevant. Sie sind es aber, die gefährdet sind, wenn die Minizinsen weiter mickrig bleiben. Mit dieser Einschätzung steht Aufseher Hufeld nicht allein da. Eine Regierung Merkel/Gabriel will nun schnell eine Vorschrift ändern, die Versicherungsgesellschaften verpflichtet, bestimmte Reserven an die Versicherten auszuzahlen. Das sind schnell ein paar Tausend Euro, die es nach dem Wunsch einer Regierung Merkel/Gabriel bei Fälligkeiten dann weniger geben wird, als Sparer heute erwarten.

Anleihe unter Beobachtung 

13% Rendite mit BDT-Anleihe

Für die 8,125%-Anleihe der BDT Media Automation GmbH werden jetzt wieder 61% verlangt; ISIN: DE000A1PGQL4. Zwischenzeitlich war das Papier für 55% zu haben. "Die Geschäfte sind im 4. Quartal 2013 sehr gut angelaufen", heißt es am Firmensitz im schwäbischen Rottweil. Entscheidend ist dafür, dass der Hauptkunde Hewlett-Packard-Europa seit September wieder besser verkauft, wofür BDT-Zulieferteile herstellt; für Drucker und Datenspeicher. HP, Dell, IBM und Fujitsu sind die wichtigsten Kunden. Die 1967 gegründete Familienfirma BDT hat inzwischen noch leistungsfähigere Speicher im Markt eingeführt. Die Umstrukturierung der Finanzierung läuft "momentan recht gut", ebenso die Kostensenkungsmaßnahmen: "Wir kommen in deutlich ruhigeres Fahrwasser", sagt BDT-Chef Holger Rath. Das Rating der vor gut einem Jahr herausgekommenen Mittelstandsanleihe  hatte Creditreform im April 2013 stark von "BB+" auf "B-" gesenkt. Es ist aktuell zusätzlich mit "watch" versehen. Der Emittent steht also unter Beobachtung. Was nicht immer negativ sein muss. 2017, wenn die 17-Mio.-Anleihe fällig wird, will BDT das 50jährige Bestehen feiern. Zielstrebig, wie Schwaben sind, kann man mit etwas Mut und Optimismus davon ausgehen, dass sie dieses Ziel auch erreichen werden. Die Endrendite der Anleihe würde dann 13% für jedes der verbleibenden vier Jahren bedeuten.

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