von Oskar Herbert

Düsseldorf, 24.04.2015: Deutschland und die übrige Euro-Zone zittern sich dem Griechen-Exit entgegen. Zuletzt schrumpften sogar die Kurse deutscher Bundesanleihen; freilich auf ganz hohem Kursniveau bzw. ganz niedrigem Renditekurs. Derweil bieten manche Industrieanleihen nach wie vor sehr viel versprechende Renditen.

Eine deutsche Weltfirma scheint jetzt endlich "die Kurve zu kriegen": die Heidelberger Druckmaschinen AG. Sie hat gleich vier Hochzinsanleihen laufen. Die 9,25%-Anleihe bis 14.4.2018 wird derzeit für 104,5% von jeweils 1.000 Euro Nennwert angeboten. Das macht 7,5% Rendite bei halbjährlicher Zinszahlung. Die Druckmaschinenfabrik hat sich mit Fuji/Japan zusammengetan und kommt jetzt mit Maschinen für Digitaldruck neu ins Geschäft. Das soll nächstes Jahr bei der Weltmesse Drupa in Düsseldorf besonders deutlich werden. Die fünf Jahre, in denen die Heidelberger hohe Summen durch ständige Verluste "verbrannt" haben, scheinen nun vorbei zu sein. Die 304 Mio. Euro für die Rückzahlung der Anleihe2018 dürften bereits im Heidelberger Haus sein; mittels weiterer, länger laufender Anleihen. Diese Wandelanleihen können teilweise in Aktien umgewandelt werden, sofern der Aktienkurs sich weiter erholt. Diese ebenfalls gut rentierlichen Anleihen haben jedoch den Nachteil, dass sie auf 100.000 Euro Nennwerte lauten. Das Rating befindet sich im noch im Krisenmodus "C".


10% mit Rickmers-Schiffen

Die 8,875%-Rickmers-Anleihe wird inzwischen wieder mit 96,20% bezahlt. Vor vier Monaten war dasselbe Papier des traditionsreichen Hamburger Schifffahrtkonzerns für 66% zu haben. Wer jetzt kauft, erwirbt bis zur Tilgung am 11.6.2018 eine Rendite von gut 10%. Wegen des nahen Zinstermins sind hohe Stückzinsen für mehr als zehn Monate vorzufinanzieren. Unter den besonders schwierigen Bedingungen des Jahres 2014 hat es die Rickmers Holding GmbH & Cie KG geschafft, einen Abschluss mit kleinem Gewinn vorzulegen und umfangreiche Finanzierungen zu verlängern. Das lässt hoffen, dass Rickmers diese Erfolge 2016 und in den Folgejahren wiederholen kann. Dann dürfte die Familienfirma auch in der Lage sein, die inzwischen auf 275 Mio. Euro aufgestockte Anleihe zurückzuzahlen; mit Mitteln aus einer neuen Anleihe oder aus neuen, weniger teuren Bankkrediten. Das Rickmers-Rating hat den Krisenstatus "C" inzwischen verlassen und das etwas weniger kritische "B" erreicht.


6% oder 8% mit Hapag-Schiffen

Der Schifffahrtskonzern Hapag Lloyd hat 2014 erneut schwere Verluste hinnehmen müssen. Den drei Anleihen des ebenfalls sehr traditionsreichen Hamburger Konzerns tut das keinen Abbruch: Sie werden sämtlich mit Kursen von mehr als 100% bezahlt. Die kürzeste Hapag-Anleihe in Euro läuft noch bis 1.10.2018. Der 7,75%er kostet derzeit 105%. Die Zinsen werden halbjährlich bezahlt. Das Rating lautet auf "C" wie Ramsch. Hinter Hapag steht neben Anderen die Hansestadt Hamburg. Wer darauf vertraut, dass die Politik in der Lage sein wird, die Reederei nicht untergehen zu lassen, der kann sich jetzt eine Rendite von 6% einkaufen. Im Vergleich zur Rickmers-Anleihe ist das wenig. Logisch wäre es jetzt, wenn die Rickmers-Anleihe genauso hoch gekauft würde, wie die Hapag-Anleihe. Wer zusätzlich noch auf einen weiteren Rückgang des Euro spekulieren will, wer also mit einem Anstieg des Dollar rechnet, der kann für 105% die 9,75%-Dollar-Anleihe von Hapag Lloyd kaufen. Dieses Papier über insgesamt 250 Mio. Dollar in 1.000-Dollar-Stückelungen wird schon am 15.10.2017 zur Rückzahlung fällig. Die Zinsen werden halbjährlich gezahlt. Die Rendite - ohne Währungsveränderung - beläuft sich auf fast 8%.

Das könnte Sie auch interessieren:

9 Prozent mit Homann-Anleihe

Alle News zu Anleihen finden Sie auf www.boersennews.de/markt/anleihen

Haftungsausschluss/Disclaimer

Die hier angebotenen Artikel dienen ausschließlich der Information und stellen keine Kauf- bzw. Verkaufsempfehlungen dar. Sie sind weder explizit noch implizit als Zusicherung einer bestimmten Kursentwicklung der genannten Finanzinstrumente oder als Handlungsaufforderung zu verstehen. Der Erwerb von Wertpapieren birgt Risiken, die zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals und - je nach Art des Investments - sogar zu darüber hinausgehenden Verpflichtungen, bspw. Nachschusspflichten, führen können. Die Informationen ersetzen keine auf die individuellen Bedürfnisse ausgerichtete fachkundige Anlageberatung. Eine Haftung oder Garantie für die Aktualität, Richtigkeit, Angemessenheit und Vollständigkeit der zur Verfügung gestellten Informationen sowie für Vermögensschäden wird weder ausdrücklich noch stillschweigend übernommen.