von Oskar Herbert

Düsseldorf, 05.03.2014: Für deutsche Anleihen zahlen Anleger aus aller Welt derzeit steigende Kurse. Für die 2,5%-Anleihe der Bundesrepublik bis 4.7.2044 sind aktuell mehr als 101% aufgerufen; ISIN: DE0001135481. Entsprechend schrumpft die Rendite auf weniger als 2,5%. Zu Jahresbeginn 2014 mussten nur 94% für diese 30jährige Anleihe gezahlt werden. Mit der 4,95%-Ukraine-Anleihe ging es dagegen bergab, wenn auch nicht steil; ISIN: XS0232329879. Statt 96% zu Jahresbeginn sind jetzt 88% für diese Anleihe zu zahlen. Die insgesamt 600 Mio. € Nennwerte muss die Ukraine schon nächstes Jahr am 13.10. zurückzahlen. Diese Anleihe ist die einzige, die in einschlägigen Datenbanken als Euro-Anleihe auftaucht. Daneben gibt es noch eine Reihe von Dollar-Anleihen. Die sind jedoch auch nicht besonders stark gesunken. Die Anleihen, welche die Ukraine in Dollar aufgenommen hat, notieren sämtlich noch über 80%. Für das längste dieser Papiere, die 7,5%-Dollar-Note bis 2023, werden aktuell stattliche 87% bezahlt. Die Bonität der Ukraine ist längst auf den "C"-Status für "Ausfall" abgesackt. Die USA sollen bereits 1 Mrd. $ in Richtung Kiew angewiesen haben.

Milliardäre stützen Anleihen

"Bild" wusste nun zu berichten, die Oligarchen der Ukraine seien bereit, ihr Land und ihre Landsleute zu verteidigen: Milliarden gegen Militärs. 600 Mio. € für eine fällige Anleihe oder mehr als 10 Mrd. € für andere Verpflichtungen; das sind Beträge, die diese Geschäftsleute in einem einzigen guten Jahr einnehmen. Ihor Kolomojskyj ist einer dieser Oligarchen. Der jüdischstämmige Chemie- und Stahl-Investor soll mehr als 6 Mrd. $ schwer sein. Und er ist nur einer von einer Reihe ukrainisch fühlender Milliardäre. Als der österreichische Familien-Unternehmer Robert Schmid im vergangenen Jahr Kolomojskyj das größte Talkvorkommen der Welt im zum Kauf anbot, griff der Ukrainer allerdings nicht zu. Schmid wollte zwar nur wenige Millionen für die Milliarden-Mine im slowakischen Gemerská Poloma, unweit der ukrainischen Grenze haben. Dieser "Peanut-Betrag" war aber immer noch zu viel: Kolomojskyj hatte zwischenzeitlich nämlich herausgefunden, dass Schmid und seine Holding aus Baustofffirmen gar nicht der rechtmäßige Eigentümer der Gemerská-Mine ist. Rechtmäßige Eigentümer sind die Aktionäre der amerikanischen Eurogas Inc. Das hat der Oberste Gerichtshof der Slowakei schon vor Jahren entschieden. Die lokalen Bergämter weigern sich jedoch immer noch, den höchstrichterlichen Befehl auszuführen.

Niedrige Rendite, hohe Unsicherheit

Der slowakische Finanzminister Peter Ka?imir scheut sich derweil nicht, anderen Euro-Schuldnern Ratschläge zu geben, wie sie ihre Finanzprobleme lösen könnten. Ka?imir gibt sich als betonter Anhänger der Euro-Union und ihrer Regeln. Via "Handelsblatt"-Interview riet er zur Kassenzettel-Lotterie. Mit jedem Kassenbon nehmen Käufer in der Slowakei an einer staatlichen Lotterie teil. Und Verkäufer können nicht mehr ohne Kassenbon an der Steuer vorbei kassieren. Die Idee ist gut. Ob sie reicht, den Milliarden-Schadenersatz der Eurogas-Aktionäre zu befriedigen, das muss sich noch zeigen. Ka?imir versucht mit allen prozessualen und kommunikativen Tricks um das ICSID-Tribunal herumzukommen, das seinem Land bei der Weltbank droht.

112% für Slowakei-Anleihe

Wie schlecht und wie Europa-widrig es in Wahrheit um die Rechtssicherheit in der Slowakei bestellt ist, das kommt in den Kursen der Slowakei-Anleihen noch nicht zum Ausdruck. Das Rating ist mit "A2" erstaunlich gut. Für die längste Euro-Anleihe der Slowakei, den 3,875%er bis 2033, werden aktuell fast 112% verlangt; ISIN: SK4120008954. Die Kurse für diese und für die anderen Slowakei-Anleihen sind im Zuge der Ukraine-Krise deutlich gestiegen. Das Ergebnis sind jetzt nur noch 3% Rendite für ein Land, das keine Oligarchen in der Hinterhand hat. Die Slowaken haben fast nur ihre Kassenbon-Lotterie und die Euro-Freunde aus dem Westen. Die nehmen es freilich sehr genau mit der Investitionssicherheit.

145% für Österreich-Anleihe

Für Österreich steht in der Ukraine und in der Slowakei einiges auf dem Spiel: Nicht nur die Schmid-Industrieholding SIH ist dort mit ihren Baustofffirmen stark engagiert. Die gesamte Österreich-Wirtschafts und -Finanzwelt ist stark nach Osten geöffnet. Die Rating-Note "Aaa" gibt die Bonität Österreichs angemessen wieder, solange Oligarchen Recht und Ordnung unterstützen. Im Vergleich mit Österreichs "Aaa" wirkt die "A2"-Beurteilung für die Slowakei übertrieben gut. Die 6,5%-Bundesanleihe Österreichs bis 2027 wird derzeit mit mehr als 145% bezahlt; ISIN: AT0000383864. Wer das Papier heute kauft, muss damit rechnen, dass er bei der Rückzahlung am 15.7.2027 nur etwa zwei Drittel seiner Einzahlung zurückbekommt. Die Rendite beträgt folglich kaum mehr als 2%.

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