von Oskar Herbert

Düsseldorf, 01.04.2015: Mehr als 20% Plus mit erstklassigen Euro-Anleihen; so viel war in den ersten drei Monaten 2015 drin. Und jetzt kommt es zum Schwur.

Wer zu Neujahr 2015 die längste Anleihe der Bundesrepublik Deutschland gekauft hat, bezahlte für jeweils 1.000 Euro Nennwert 1.300 Euro Kurswert zuzüglich 9 Euro Stückzinsen. Zu Ostern kann er dasselbe Papier für 1.540 Euro verkaufen und bekommt zusätzlich 15 Euro Zinsen gutgeschrieben für die 2,5%-Anleihe mit Fälligkeit 15.8.2046. Mit diesem Gewinn bleibt die Bundesanleihe nur geringfügig hinter dem Kursindex der deutschen Aktien DAXK zurück; und das bei viel weniger Risiko. Andere Bundesanleihen weisen ähnliche Gewinne auf.

20% Gewinn mit Frankreich und Italien

Noch besser sieht das Plus in Frankreich aus: von 130% auf 155% ist der 3,25%er gestiegen, der bis 2045 laufen soll. Dabei ist - kritisch betrachtet - die Bonität Frankreichs nicht so gut wie die von Deutschland. Der 4,75%er, den Italien am 1.3.2013 zu 100% ausgegeben hat, ist in derselben Zeit sogar von 130 auf 159% gestiegen; ISIN: IT0004923998. Als ob Italien keine Finanzprobleme hätte. Diese Anleihe über insgesamt 6 Mrd. Euro ist allerdings erst am 1.9.2044 zur Rückzahlung fällig; zum Kurs von 100%. Die meisten Politiker, die heute für die unverantwortliche Schuldenpolitik verantwortlich sind, werden dann allerdings längst abgewählt - , wenn nicht gar verstorben sein. Wegen der höheren Zinskupons und trotz der höheren Kurse rentieren Franzosen- und Italien-Anleihen mit etwa 2% pro Jahr weniger schlecht als Bundesanleihen mit nicht mal 1% oder umgerechnet 10 Euro für 1.000 Euro Nennwert.

Anleihen-Zauberei

Die abenteuerlichen Kurse für Anleihen zahlt im Wesentlichen die Europäische Zentralbank EZB. Sie kann das nötige Geld faktisch aus dem Hut zaubern. Deckung durch Sachwerte wie etwa Gold oder Silber gibt es dafür nicht. Und wenn die Schuldner die Anleihen im Besitz der EZB eines fernen oder weniger fernen Tages nicht zurückzahlen können, dann ist das auch nicht schlimm. Dann ist das Geld eben weg, das sowieso niemals einen "echten" Wert hatte. Würde die EZB mit ihren herbeigezauberten Milliarden etwas Anderes kaufen wollen als Anleihen-Papiere, so würden die Preise sofort inflatorisch steigen. Es gäbe Lieferzeiten ohne Ende. Für die 60 Mrd. Euro, welche die EZB jetzt monatlich ausgibt, um Anleihen zu kaufen, könnten die nicht mal 4.000 Zentralbanker rechnerisch etwa ein Dritteln aller Produkte kaufen, die 40 Mio. Beschäftigte in deutschen Fabriken und Büros in einem Monaten neu schaffen; wohlgemerkt, Produkte, die aktuell nicht etwa überflüssig auf Vorrat produziert werden sondern auf Nachfrage hin hergestellt - und verkauft werden.

Steigende Renditen

Die EZB überwacht neuerdings auch die Sicherheit der großen Geschäftsbanken in den Euro-Ländern. Aus dieser ständigen Überwachung heraus wissen die Zentralbanker, welche Banken wie viele Staatsanleihen halten. Sie wissen zudem, wie wenig sicher diese Banken sind, weil die Staatsschuldner nicht sicher sind. Die oberste Bankenprüferin der EZB hat jüngst durchblicken lassen, wie kritisch sie das sieht. Sie will die Banken nach und nach dazu zwingen, nicht mehr so viele Staatsanleihen zu halten. Das ist der einzig wirksame Hebel, um zu verantwortlichen Finanzverhältnissen in den Schuldnerstaaten zu kommen. Das wird vermutlich ein Jahrzehnt dauern und Anlegern zwischenzeitlich weit höhere Zinsen/Renditen, aber auch nicht mehr so hohe Kurse der Anleihen bringen, sofern die EZB nicht weiter alles aufkauft.

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