von Oskar Herbert

Düsseldorf, 12.11.2013: Die 7,75%-Anleihe der Getgoods.de-AG stellte am 12.11.2013 ein traurigen Rekord auf: Sie war die am meisten gehandelte Unternehmensanleihe an der Börse Stuttgart. Und die am meisten gefallene Anleihe dazu (ISIN: DE000A1PGVS9). Der Kurs sackte von 45 auf 31%. Verunsichert hat offenbar die plötzliche Absage der für den 13.11. ab 9.45 Uhr geplanten Präsentation des ambitionierten Online-Handelskonzerns beim renommierten Deutschen Eigenkapitalforum in Frankfurt. Hinter dem Forum steht die Deutsche Börse AG. Die dortige Frankfurter Börse gibt den Schlusskurs der Getgoods-Anleihe am 12.11. mit 27% an. Die Getgoods-Aktie stürzte unter 1 € (ISIN: DE0005560601).

Konzernzentrale schweigt

Eine Information zu der Verkaufspanik und/oder eine Begründung für die Absage der Präsentation vor dem finanzstarken Eigenkapitalforum gibt es am Abend des 12.11. nicht: Die Firmenzentrale in Frankfurt/Oder schweigt: Dass diese Entwicklung Chef und Aktionär Markus Rockstädt-Mies sowie seine Vorstandskollegen kalt lässt, müsste stark überraschen: Das Management hält die Mehrheit der Getgoods-Aktien. Soweit die Konzernzentrale dennoch schweigt, lässt das nichts Gutes erwarten.

Am 16.11. sind Quartalszinsen fällig

Am 7.11. hatte der "Betreiber eines deutschen Onlinehandelshauses ? einen Anstieg des Konzernumsatzes um 81%" im 3. Quartal 2013 gemeldet. Auf Angaben zur Ertragslage hat Chef Rockstädt-Mies jedoch verzichtet. Die Vorlage konsolidierter Quartalszahlen hat er "aufgrund der Neuakquisition der Pauldirekt GmbH auf den 25.11.2013" verschoben. Schon am 16.11. sind die Quartalszinsen für die 60-Mio-Anleihe fällig. Am 21.10. hatte Getgoods stolz gemeldet, die letzte Tranche des 7,75%ers bis 2017 bei Anlegern untergebracht zu haben. Zu diesem Zeitpunkt notierte die Anleihe an der Börse schon nur noch bei 72%.

Schwächen im Rechnungswesen limitieren die Finanzen

Am 4.9.2013 hatte die Rating-Agentur Creditreform die Bonität der Getgoods.de-AG auf "BB/mittleres Insolvenzrisiko" gesenkt. Zu diesem Zeitpunkt wurde die Anleihe noch mit 82% bezahlt. Das größte Risiko, so urteilte Creditreform in der Bonitätsbegründung Anfang September, bestehe darin, dass Getgoods nicht bis zum Jahresende 2013 durchfinanziert sei: "Ursächlich hierfür sehen wir die derzeit bestehenden qualitativen Schwächen im Rechnungswesen und im Controlling sowie im externen Reporting. ...Die Systeme und das Berichtswesen sind mit dem Unternehmenswachstum nicht mitgewachsen und stellen einen möglichen limitierenden Faktor für das Einwerben weiterer erforderlicher Finanzierungsmittel dar. Sollte bis zum Beginn des Weihnachtsgeschäftes die benötigte Liquidität nicht zur Verfügung stehen, halten wir die 2013er Planung für ambitioniert und gefährdet", urteilte Creditreform. Das Finanzierungsrisiko scheint mit der Restplatzierung der Anleihe im Oktober nicht nachhaltig behoben zu sein. Jedenfalls könnte dies ein Grund für die panikartigen Verkäufe von Anleihen und Aktien der Getgoods.de-AG sein. Dass Verkäufer quasi jeden Kurs akzeptieren, nur um aussteigen zu können, muss beunruhigen; auch wenn gleichzeitig Käufer da sind, die zu diesen Kursen kaufen und offenbar nicht befürchten, ihr Geld nicht zurückzubekommen.

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