von Oskar Herbert

Düsseldorf, 16.01.2014: Unter den Staatsanleihen mit gutem Rating steht Frankreich an der Spitze der Rendite-Tabelle: Die 4%-Anleihe bis 2060 z.B. wird aktuell für 112% gesucht. Wer noch 46 Jahre bis zur Rückzahlung warten kann und will, auf den warten 3,4% Rendite pro Jahr; ISIN: FR0010870956. Franzosen-Präsident Francoise Holland (59) wird das Jahr 2060 kaum erleben. Wie lange Frankreichs Finanzen noch mit dem guten "Aa1"-Rating leben können; das wird nicht mehr lange sein, befürchten Beobachter. Dies gilt umso mehr, als der fidele Holland jetzt die Steuern senken will und insgeheim schon Abschied genommen hat; nicht nur von seiner Lebensabschnittsgefährtin Valérie Trierweiler sondern auch vom Sparziel seiner Politfreundin Angela Merkel. Für die Anleihe bis 2060 bedeutet das: Der Kurs wird wahrscheinlich sinken. Kursverluste werden die ohnehin schon geringe Rendite mit nach unten ziehen.

4,5% für Spanien-Anleihe

Für die Spanien-Anleihe bis 2041 bekommen Anleger derzeit 4,5% Rendite. Der 4,7%er von 2009 z.B. kostet nach den jüngsten kräftigen Kursgewinnen erstmals seit vier Jahren wieder etwas mehr als 100%; ISIN: ES00000121S7. Spanien scheint mit der Bewältigung der Wirtschafts- und Finanzprobleme schon weiter zu sein als Frankreich. Die allfälligen zwischenmenschlichen Probleme betreffen in Spanien nicht die Regierung sondern das Königshaus. Sofern Frankreich früher oder später in Richtung der Spanien-Bonität von "Baa3" abgestuft wird, dürfte die 4%-Frankreich-Anleihe2060 unter 100% landen.

5,6% für National-Bank-Anleihe

Starke Nachfrage erlebte jüngst auch die National Bank of Greece (NBG). Der Aktienkurs der größten, gar nicht staatlichen, sondern privaten Bank Griechenlands hat sich an der Nasdaq-Börse in New York in einem Jahr mehr als verdoppelt. Die Amerikaner diskutieren darüber, ob diese Aktie der beste Tipp für 2014 ist. Die 3,875%-Anleihe der NBG ist in zwei Jahren "nur" von 64% auf 94% gestiegen; ISIN: XS0438753294. Die traditionsreiche Bank kämpft sich durch die akuten Probleme mit "faulen" Krediten. Sie hat gute Beteiligungen in der Türkei und in Rumänien. Die können zur weiteren Stabilisierung der NBG-Bilanz verkauft werden. Die Wahrscheinlichkeit steigt, dass Anleger am Fälligkeitstag, dem 7.10.2017, das Geld für die 3,875%-Anleihe zurückbekommen werden. Die Rendite erreicht dann 5,6%. Und die Gefahr, dass die Gläubiger noch Abstriche am Nennwert (jeweils mindestens 50.000 €) hinnehmen müssen, ist gering - anders als bei griechischen Staatsanleihen. Die rentieren deshalb momentan auch nicht nur mit 5,6% sondern teilweise mit mehr als 25,6%.

Anleihe unter Beobachtung

Slowakei drohen steigende Rendite

Die Slowakei steht ganz aktuell vor einem besonderen Problem: Die amerikanische Mini-Firma Eurogas Inc., die aktuell von aus Wien geführt wird, fordert von der Slowakei Schadenersatz in Höhe 1,65 Mrd. $ (1,2 Mrd. €). Bis Ende Mai muss das kleine Land zudem drei Anleihen über jeweils 1 Mrd. € zurückzahlen. Jüngst hat sie eine neue Anleihe über 1,5 Mrd. € ausgegeben; ISIN: SK4120009762. Der 3,625%-Kupon ist niedriger als die jenseits von 4% liegenden Sätze der fälligen Anleihen. Der Kurs der neuen Anleihe steht schon leicht über 100%. Das ist gut für die Slowakei und weniger gut für die Anlegerrendite. Die Laufzeit ist weise gewählt: Bis 2029 müssen sich andere Verantwortliche darum kümmern, woher das Geld für die Rückzahlung kommt. Ganz aktuell droht der Slowakei jedoch die über mehr als ein Jahr lang von renommierten Anwälten vorbereitete Schadenersatzklage von Eurogas. Sie soll beim Internationalen Zentrum zur Beilegung von Investitionsstreitigkeiten (ICSID) in Washington D.C. eingereicht werden, sofern die Regierung der Slowakei unter Führung von Ministerpräsident Robert Fico nicht bis Ende Januar noch einlenkt. Das ICSID-Zentrum befindet sich unter ständiger Beobachtung im Hause der Weltbank. Sie wird sich kaum noch für die Slowakei erwärmen können, sofern sich herausstellen sollte, dass ein Land der Europäischen Union, wie etwa die Slowakei, sich nicht an die Regeln des freien Unternehmertums hält. Es geht in der Klage um Nutzungsrechte an einer besonders wertvollen Talkmine in der hinteren Slowakei. Diese Rechte stehen nach Urteilen des obersten slowakischen Gerichts Eurogas zu. Die Behörden des Landes haben diese Urteile bislang jedoch noch nicht vollzogen. Das "A"-Rating der Slowakei wirkt einstweilen beruhigend. Das laufende Defizit im 50-Mrd-Staatshaushalt des Euro-Landes ist jedoch höher als erlaubt. Eine Schadenersatzzahlung über mehr als 1 Mrd. € ist darin natürlich nicht vorgesehen. Die Summe der ausstehenden Staatsschulden der Slowakei liegt bislang noch unter der Erlaubnisgrenze von 60% der Wirtschaftsleistung. Es geht insgesamt um 20 Anleihen im Gesamt-Nennwert von etwa 30 Mrd. €. Fast alle werden aktuell noch mit mehr als 100% bezahlt. Ein Fall für den Euro-Rettungsschirm ist das nicht; möglicherweise aber ein Fall für die Rating-Agenturen. Sollte sich herausstellen, dass in der Slowakei keine Rechtssicherheit herrscht, so kann das nicht gut sein für die bislang gute Bonität des Landes. Man darf gespannt sein, wie sich Ministerpräsident Fico zu der Sache stellt, die seit Ende Dezember auf seinem Tisch liegt. Die längste Slowakei-Anleihe, 3,875% bis 2033, wird schon seit Ende November nachgebend, aber immer noch mit mehr als 100% bezahlt; ISIN: SK4120008954. Aktuell entspricht das 3,5% Rendite; Tendenz steigend, weil die Anleihenkurse wahrscheinlich weiter nachgeben werden.

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