von Oskar Herbert

Düsseldorf, 12.06.2014: Bei der Frage, welche Anleihen eine gute Anlage und welche eine weniger gute Anlage sind, spielt der Verschuldungsgrad eine Rolle. Es geht darum, wie lange Schuldner theoretisch brauchen würden, um im Ernstfall ihre Schulden zurückzuzahlen. Diese Fähigkeit wird am Bruttogewinn EBITDA gemessen, also am Überschuss vor dem Abzug von Zinsen, Steuern und Abschreibungen.

Gute Ratings schlechte Renditen

Solange die Schulden nicht höher sind als der dreifache Bruttogewinn, sind Anleihen prinzipiell eine gute Wahl. Entsprechend niedrig sind dann freilich auch die Renditen. Entsprechend hoch sind wiederum die A-Ratings. Die höchste Verzinsung bietet insoweit derzeit die 5,25%-Anleihe von Siemens mit Laufzeit bis 2066. Wer das Papier aus dem Jahr 2006 heute kauft, bezahlt für diese A-Bonität 108%. Das sind zunächst mal 4,8% laufende Rendite, die dieses Papier an die Spitze der Rendite-Liste bringt. Der Zins von 5,25% ist aber nur noch bis 14.9.2016 sicher; also noch gut zwei Jahre. Danach verwandelt sich diese Siemens-Anleihe in einen Floater mit einem Aufschlag von 2,25%punkten auf den schwankenden (floatenden) 3-Monatszinssatz Euribor. Das sind dann keine 3% Zinsen mehr. 108% wird die Anleihe dann auch kaum mehr wert sein. Der Kurs dürfte sich künftig eher bei 100% einpendeln.

Siemens führt die Renditeliste an

Die industrielle Logik hinter Siemens? Übernahmeversuch für den französischen Konkurrenten Alstom vermag nicht recht zu überzeugen. Siemens konkurriert hier mit dem Steuer-Dumper General Electric aus den USA. GE kann nur deshalb so viel für Alstom bieten, weil zurückgehaltene Gewinngelder aus Geschäften in Europa zum Einsatz kommen, auf welche die Europäer keine Steuern erheben. Würde GE diese Gewinn-Milliarden in die USA transferieren, wären aktuelle 10 Mrd. € nur noch 7 Mrd. € wert. Barack Obamas Steuerkasse würde sich über 3 Mrd. € (umgerechnet reichlich 2 Mrd. $) freuen und Jeffrey Immelt, der GE-Chef, könnte nicht so viel für Alstom bieten. Siemens müsste nicht so hoch dagegen halten.

 

EnBW muss viel zahlen

Eigentlich hatte man den GE-Angriff in Deutschland erwartet. Image-Werbung hat Chef Immelt lange genug gemacht: "Wir sind das GE in GErmany!" Eine 4,5%-Anleihe des GE-Ziels Alstom wird derzeit mit 114% besser bezahlt als Siemens. Die Rendite der Anleihe mit Laufzeit bis 2020 ist entsprechend unterirdisch. Das mag logisch sein: Künftig könnte das A-Rating von GE auch für Alstom zur Geltung kommen, deren Bonität im B-Bereich liegt. Möglicherweise kommt es auch ganz anders: Beobachter der weltweit - zumindest außerhalb Deutschlands - dynamischen Aufbau-Aktivitäten für die Stromerzeugung aus Wind und Sonne zweifeln nämlich daran, ob Großkraftwerke und Turbinen in Zukunft noch ein großes Geschäft sein werden. Genau darauf haben GE und Siemens es jedoch bei Alstom abgesehen. Und die cleveren Franzosen wollen abgeben. Geschickt haben schon die Atomkraftwerke von EnBW zurückverkauft an das Land Baden-Württemberg, dessen Bürger angeblich alles können außer Hochdeutsch. Eher scheinen TGV- oder ICE-Züge in der wachsenden Welt der Metropolregionen und dazwischen gefragt sein. Die 4,125%-Euro-Anleihe von GE wird aktuell mit 110% ebenfalls besser bezahlt als Siemens. Bis zur Tilgung im Jahr 2035 errechnen sich 3,4% Rendite.

Atomstromer EnBW muss noch bis 2039 jedes Jahr 6,125% Zinsen zahlen, jeweils am 7.7.  Diese Anleihe über insgesamt 600 Mio. € wird derzeit für 140% gesucht. Weil in 25 Jahren aber nur 100% zurückfließen, schrumpft der hohe Kupon auf eine Effektivrendite von 3,6%. 2009 war das Jahr der Finanzkrise. Da musste der mit A-Bonität ausgestattete Landesstromer offenbar einen so hohen Kupon bewilligen, um überhaupt Geld zu bekommen; vermittelt wahrscheinlich von demselben Investmentbanker, dem die Alleskönner auch den unglücklichen Deal mit den Franzosen zu verdanken haben. Der Deal wurde 2010 durchgezogen.

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