von Oskar Herbert

Düsseldorf, 02.10.2014:   Im September 2014 lagen die Verbraucherpreise in Deutschland um 0,8% höher als im September 2013. Angesichts mancherlei alltäglicher Preiserhöhungen mag der geringe Anstieg überraschen. Deflation geht jedenfalls anders. Die Zinsen für Anleihen und Anlagen sind nur ausnahmsweise so hoch, dass sie Kaufkraftverlust und Steuerlast ausgleichen. Ansonsten werden Sparer und Anleger klammheimlich und ganz legal enteignet.

Deutschland müsste "den Griechen" machen

Sofern Privat-Wirtschaft oder Staats-Wirtschaft Geld für sehnlich herbei gewünschte Investitionen oder auch nur für Erneuerungen fälliger Anleihe-Schulden benötigen, wird es früher oder später schwierig. Private Anleger wollen nicht oder sie können nicht mehr anlegen. Dann muss die Europäische Zentralbank (EZB) die Gelddruckmaschine laufen lassen, damit der trügerische Schein gewahrt bleibt: "Top-Schuldner Deutschland kann fällige Schulden stets pünktlich zurückzahlen." Tatsächlich klappt das nur so lange, wie letztlich die EZB Geld für neue Anleihen gibt, damit alte Anleihen zurückgezahlt werden können. Andernfalls müsste Deutschland auch "den Griechen machen"; also nicht Alles mit barem Papiergeld zurückzahlen und ersatzweise neues Anleihen-Papier für altes Papier herausgeben.

Anleihen ohne Rückzahlungs-Illusion

Die Allianz-Versicherungsgruppe ist auch ein Milliarden-Schuldner. Der Finanz-Multi steht freilich nicht im Verdacht, seine Schulden nicht ordentlich zurückzahlen zu können. Dass die Allianz dennoch bei den Bonitäts-Gutachtern der Rating-Agenturen nicht ganz so gut abschneidet wie die Bundesrepublik, ist eine andere Sache. Das könnte letztlich damit zusammenhängen, dass die Allianz einen Großteil ihrer Anlagen in Staatsanleihen der Bundesrepublik oder der Republiken Frankreich und Italien hält. Insoweit unterliegt die Allianz genauso wie private Anleger der Rückzahlungs-Illusion. Die Allianz hat zuletzt bei 9,6 Mrd. Euro Bruttogewinn auch brav 3,3 Mrd. Euro Steuern bezahlt. Beruhigend ist, dass die Allianz große Teile ihrer Schulden gar nicht zurückzahlen muss. Sie hat eine ganze Reihe von Anleihen von vornherein als sog. ewige Anleihen (Hybride) ausgegeben. Das erspart Anlegern die Rückzahlungs-Illusion. In der Regel sind die Zinsen der Hybride für die ersten zehn Jahre fest vereinbart. Danach schwanken die Zinsen: Auf einen variablen Zins, wie etwa den Drei-Monats-Euribor-Satz, zahlt die Allianz dann für alle Zeiten einen festen Aufschlag. Dieser Aufschlag schwankt je nach Anleihe zwischen 1,7 und 5%punkten.

11,9% Rendite

Grundsätzlich stehen immer auch vorzeitige Rückzahlungsmöglichkeiten in den jeweiligen Anleihe-Bedingungen. Tatsächlich zurückzahlen wird die Allianz aber erst, wenn sie sich anderweitig noch günstiger Geld beschaffen kann. 2013 hat der Finanzriese eine Nach-Steuern-Rendite von 11,9% auf sein Eigen-/Aktionärskapital erwirtschaftet. 2014 läuft nicht weniger gut: Im nächsten Jahr wird die Allianz das 125jährliche Bestehen wahrscheinlich mit Rekordgewinn feiern. Dass die Allianz-Aktie dennoch 2013 und 2014 nicht mal so hoch steht wie 2007 oder in der Zeit von 1997 bis 2002, das ist ein Rekord mit negativer Qualität. Die Hybride sind eine Art Eigenkapitalersatz. Wegen der niedrigen Kurse wäre es schlecht zusätzliche Aktien auszugeben. Weil gleichzeitig die Dividende auf Allianz-Aktien so hoch ist, stellt sich die Dividenden-Rendite teilweise höher dar als die Rendite der Anleihen.

2,5% für Top-Bonität

Die meisten Allianz-Hybride lauten auf Nennwerte von mindestens 100.000 Euro. Sie werden an den Börsen mit Kursen über 100% bezahlt; auszugsweise ISIN: DE000A1YCQ29, DE000A1RE1Q3, XS0211637839, DE000A0GNPZ3, DE000A1GNAH1. Den 6,5% -Allianz-Hybrid aus 2002 gibt es 1.000-Euro-Einheiten. Schon im nächsten Jahr beginnt die variable Zins-Phase; mit 2,77%punkten Aufschlag auf den Drei-Monats-Euribor. Diese nicht ewige Anleihe, ISIN: XS0159527505, wird am 13.1.2025 getilgt. Der Kaufkurs (B) liegt bei 102%. Am Ende errechnet sich eine erstklassige Zehn-Jahres-Rendite von etwa 2,5%.

Anleihen unter besonderer Beobachtung:

7,5% für Heuschrecken-Anleihe mit Allianz-Bonus

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