APA ots news: COVID-19 führt zu außenwirtschaftlichem Schock sowie Vorsicht bei Unternehmen, Anlegern und Banken - ANHANG

Auswirkungen der Pandemie auf Österreichs Außenwirtschaft, das

Finanzverhalten von Haushalten und Unternehmen sowie das

Kredit- und Einlagengeschäft der Banken

Wien (APA-ots) - Österreichs international stark vernetzte Wirtschaft

wurde umfassend und hart durch die globale COVID-19-Pandemie

getroffen. Das Wegbrechen internationaler Lieferketten, der Ausfall

der Güternachfrage sowie massive Reisebeschränkungen beeinflussten

Österreichs Außenwirtschaft in Form eines stark reduzierten Güter-

und Dienstleistungshandels sowie hoher Einnahmenverluste im

Tourismus. Österreichs Sparquote stieg im Zuge der Pandemie an und

liegt nun auf dem Niveau des Euroraums. Angesichts großer

Unsicherheit sowie des anhaltend geringen Zinsniveaus suchten private

Haushalte nach finanzieller Flexibilität und veranlagten überwiegend

in täglich fällige Einlagen. Vorsichtig agierten sie auch in Fragen

der Verschuldung und reduzierten Konsumkredite, während

Immobilienfinanzierungen weiterhin gefragt waren. Unternehmen waren

mit einer äußerst angespannten Liquiditätssituation konfrontiert, die

mittels Kreditstundungen bzw. neuen Kreditlinien der österreichischen

Banken sowie durch staatliche Hilfsmaßnahmen vorerst gemildert wurde.

"Die wirtschaftlichen Auswirkungen der COVID-19-Pandemie sind in

Österreich deutlich und über alle Sektoren hinweg zu spüren",

erläuterte Vize-Gouverneur Gottfried Haber im Rahmen einer

Pressekonferenz in der Oesterreichischen Nationalbank. Österreichs

Güter- und Dienstleistungshandel brach im Verlauf der

COVID-19-Pandemie massiv ein. Der Export von Gütern verzeichnete im

zweiten Quartal 2020 - der bisher schwierigsten Wirtschaftsphase -

ein Minus von 19 Prozent (gegenüber Q2/19). Im Dienstleistungsverkehr

ergab sich sogar ein Rückgang von 31 Prozent. Auch die Importe fielen

deutlich schwächer aus: Die Einfuhr von Gütern lag um 21 Prozent,

jene der Dienstleistungen um 29 Prozent unter dem Vorjahresquartal.

Einige Branchen waren durch die Folgen der Pandemie deutlich stärker

betroffen als andere: Während die Ausfuhr der für Österreich

besonders wichtigen Sparte der Maschinen und Fahrzeuge sowie jene der

bearbeiteten Waren herbe Einbußen verzeichnete, nahm die Nachfrage

nach chemischen und pharmazeutischen Erzeugnissen sogar zu.

Ungeachtet der rückläufigen Bruttoströme schloss die Leistungsbilanz

im zweiten Quartal 2020 annähernd ausgeglichen. Im Jahr 2019 verlief

die Handelsentwicklung angesichts geopolitischer Risiken und des

bevorstehenden BREXIT zwar gedämpft, trotzdem konnte mit 11,3 Mrd EUR

(bzw. 2,8 Prozent des BIP) der bislang höchste

Leistungsbilanzüberschuss seit der Finanzkrise 2008 erzielt werden.

Der Tourismus war durch die globale Pandemie besonders

beeinträchtigt. Im zweiten Quartal brachen die Einnahmen auf 0,6 Mrd

EUR (-82 Prozent) ein. Infolge des relativ günstig verlaufenen

Jahresbeginns fiel der Verlust im ersten Halbjahr insgesamt mit rund

einem Drittel weniger deutlich aus. Deutsche Touristen gaben im

zweiten Quartal 2020 um fast 80 Prozent weniger in Österreich aus als

im Vergleichszeitraum des Vorjahrs, andere Herkunftsmärkte wie das

UK, die USA und China brachen fast zur Gänze ein.

"Die Republik Österreich reagierte auf die COVID-19-Pandemie mit dem

raschen Aufbau großer Liquiditätspolster", erklärte Johannes Turner,

Direktor der Hauptabteilung Statistik. Im ersten Halbjahr wurden 19

Mrd EUR der Staatsemmissionen von Ausländern und 14 Mrd EUR von

Inländern gekauft. Günstige Finanzierungskonditionen erleichterten

die schnelle Schuldenaufnahme und limitieren die zusätzliche

Belastung durch Zinszahlungen.

Die COVID-19 bedingten Eindämmungsmaßnahmen und damit verbundene

Unsicherheiten sowie ein angespannter Arbeitsmarkt führten zu

Konsumverzicht und verstärktem Sicherheitssparen der privaten

Haushalte. Im zweiten Quartal 2020 sind sowohl das verfügbare

Nettoeinkommen wie auch der Konsum - kumuliert über vier Quartale -

historisch eingebrochen (-1,0 Prozent bzw. -3,5 Prozent). In Einklang

mit dem internationalen Trend stieg die Sparquote - kumuliert über

vier Quartale - im Juni 2020 auf 10,4 Prozent an und entsprach damit

etwa dem Durchschnitt im Euroraum (10,3 Prozent). Die Entwicklung

verlief jedoch flacher als in vielen anderen Ländern. Private

Haushalte konnten ihr Geldvermögen im Umfeld der Pandemie ausbauen.

Die Veranlagung fiel im ersten Halbjahr 2020 mit knapp 13,5 Mrd EUR

sogar besonders hoch aus und übertraf jenes Volumen, das in manch

vorangegangenem Jahr insgesamt investiert wurde.

Der seit der Finanzkrise 2008 anhaltende Trend, bevorzugt täglich

fällige Einlagen zulasten gebundener Gelder aufzubauen, hielt

weiterhin an. In den ersten neun Monaten 2020 flossen 11,2 Mrd EUR

(+11,4 Prozent) in diese Anlageform, während gebundene Einlagen auf

Grund des relativ geringen Zinsvorteils im Ausmaß von 5,0 Mrd EUR

abgebaut wurden (-5,7 Prozent). Bemerkenswert war das besonders große

Interesse an Aktien, die im ersten Halbjahr 2020 angesichts günstiger

Einstiegskurse nach dem globalen Börsencrash im Ausmaß von 1,6 Mrd

EUR gekauft wurden.

Vorsichtig agierten Haushalte in Fragen der Verschuldung: In den

ersten neun Monaten 2020 wurden um 18 Prozent weniger neue

Konsumkredite aufgenommen als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Vom Immobilienerwerb ließen sich viele Österreicher auch durch die

COVID-19-Pandemie nicht abbringen und nahmen neue Wohnbaukredite im

Ausmaß von 17,2 Mrd EUR auf (+16 Prozent).

Deutlich zugelegt hat mit Ausbruch der COVID-19-Pandemie auch das

Kreditwachstum nichtfinanzieller Unternehmen, das im April 7,2

Prozent erreichte. In den Folgemonaten nahm die Wachstumsdynamik zwar

wieder ab, verblieb mit 5,8 Prozent im September jedoch auf hohem

Niveau.

Unterstützt wurden Unternehmen dabei von österreichischen Banken, die

vor allem durch umfangreiche Kreditstundungen einen wichtigen Beitrag

zur Bewältigung der wirtschaftlichen Folgen der COVID-19 Pandemie

leisteten. Im Juni 2020 lag das gegenüber Unternehmen und privaten

Haushalten gestundete Kreditvolumen in Summe bei über 30 Mrd EUR und

reduzierte sich im September 2020 auf 17,3 Mrd EUR. Den Großteil

davon machten mit 10,7 Mrd EUR freiwillige Kreditstundungen aus.

Gleichzeitig stellten österreichische Banken auch neue Kredite bzw.

Kreditlinien zur Verfügung. Insbesondere Unternehmenskredite bis 1

Mio EUR wurden in den Monaten Mai und Juni in ungewöhnlich hohem

Ausmaß neu vergeben.

Rückfragehinweis:

Oesterreichische Nationalbank

Statistik Hotline

(+43-1) 404 20-5555

statistik.hotline@oenb.at

Oesterreichische Nationalbank

Dr. Christian Gutlederer

Pressesprecher

(+43-1) 404 20-6900

christian.gutlederer@oenb.at

www.oenb.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/156/aom

*** OTS-ORIGINALTEXT PRESSEAUSSENDUNG UNTER AUSSCHLIESSLICHER

INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS - WWW.OTS.AT ***

OTS0066 2020-11-10/10:11