APA ots news: Nationalbank erwartet für 2020 Rückgang der Inflation auf 0,8 Prozent

Niedriger Ölpreis und Nachfrageausfall dämpfen die Inflation,

keine Preissteigerungen durch Corona im Online-Handel

Wien (APA-ots) - Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) erwartet in

ihrer aktuellen Inflationsprognose für Österreich im Jahr 2020 einen

Rückgang der am Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI)

gemessenen Inflationsrate auf 0,8 Prozent, gefolgt von einem leichten

Anstieg auf 0,9 Prozent im Jahr 2021 sowie auf 1,5 Prozent im Jahr

2022. Der Rückgang im laufenden Jahr, der bereits im März eingesetzt

hat, ist vor allem auf den außergewöhnlich starken Ölpreisverfall im

heurigen Frühjahr zurückzuführen und wird zudem durch den

Nachfrageausfall infolge der COVID-19-Pandemie verstärkt. Diese

inflationsdämpfenden Effekte werden erst im nächsten Jahr auslaufen

bzw. schwächer werden und die Inflation langsam wieder steigen

lassen.

Auf Basis von Preisdaten aus dem Online-Handel untersucht die OeNB,

wie sich die Preise von Nahrungsmitteln und anderen Gebrauchsgütern,

die in den Webshops von fünf großen österreichischen Handelsketten

angeboten werden, während der COVID-19-Pandemie entwickelt haben. Aus

dieser Untersuchung geht hervor, dass die Online-Preise von

Nahrungsmitteln in den Monaten April und Mai 2020 im Durchschnitt

geringfügig gesunken, jene von Bekleidung und Schuhen mitverursacht

durch saisonale Faktoren (Ausverkauf) etwas stärker gesunken sind.

Insgesamt lassen sich auf Basis der im Internet erhobenen Preisdaten

keine auffälligen Preissteigerungen während der COVID-19-Krise, wie

fallweise in den Medien berichtet wurde, feststellen.

HVPI-Inflationsrate seit Februar 2020 markant gesunken

Die österreichische HVPI-Inflationsrate ist seit Februar 2020 von 2,2

Prozent markant auf 0,6 Prozent im Mai zurückgegangen. Dafür ist in

erster Linie der massive Ölpreisrückgang der letzten Monate

verantwortlich. Zusätzlich dürfte sich insbesondere bei dem starken

Rückgang im Mai auch die aufgrund der COVID-19-Krise eingebrochene

gesamtwirtschaftliche Nachfrage dämpfend auf die Inflationsrate

ausgewirkt haben. Die ohne Energie und Nahrungsmittel berechnete

Kerninflationsrate lag noch bis April bei über 2 Prozent, ging aber

im Mai ebenfalls markant auf 1,5 Prozent zurück.

Messprobleme aufgrund von COVID-19 beeinträchtigen Zuverlässigkeit

der Inflationszahlen

Die Entwicklung der letzten Monate, insbesondere im April und Mai

2020, ist allerdings unter dem Vorbehalt einer erschwerten

Inflationsmessung in der Zeit der "Containment" Maßnahmen zu sehen.

Aufgrund der von Mitte März bis in den Mai hinein verordneten

Geschäftsschließungen sowie Mobilitätsbeschränkungen war die

Preiserhebung für viele im Warenkorb enthaltenen Produkte und

Dienstleistungen erschwert oder sogar unmöglich. Aus diesem Grund

mussten die vor Ort nicht erhebbaren Preise entweder auf alternativem

Weg (etwa im Internet oder auf Basis von Scannerdaten von

Supermärkten) erhoben oder durch Schätzungen ersetzt werden. Somit

sind die jüngsten Inflationszahlen mit vergleichsweise hoher

Unsicherheit behaftet und mit Vorsicht zu interpretieren.

OeNB erwartet für 2020 Inflationsrate von 0,8 Prozent

In ihrer jüngsten Inflationsprognose erwartet die OeNB einen Rückgang

der HVPI-Jahresinflationsrate im Jahr 2020 auf 0,8 Prozent (nach 1,5

Prozent im Vorjahr). Für die Folgejahre wird ein Anstieg auf 0,9

Prozent (2021) und auf 1,5 Prozent (2022) erwartet. Der Rückgang im

heurigen Jahr ist hauptsächlich auf den seit März beobachteten

außergewöhnlich starken Ölpreisverfall zurückzuführen. Zudem bewirkt

die COVID-19-Pandemie einen massiven Nachfrageausfall, der sich vor

allem auf die Inflationsraten von Dienstleistungen und

Industriegütern ohne Energie dämpfend auswirken wird. Ab dem Jahr

2021 sollte der Ölpreiseffekt auslaufen und der inflationsdämpfende

Nachfrageeffekt infolge der COVID-19-Pandemie schwächer werden. Mit

1,5 Prozent liegt die HVPI-Inflationsrate 2022 aber weiterhin unter

dem Durchschnittswert der letzten Jahre, da die Produktionsfaktoren

über den gesamten Prognosehorizont unterausgelastet bleiben. Die ohne

Energie und Nahrungsmittel berechnete Kerninflationsrate wird gemäß

OeNB-Prognose im Jahresdurchschnitt 2020 aufgrund der noch relativ

hohen Werte in den ersten vier Monaten des Jahres 1,4 Prozent

betragen und 2021 auf 0,6 Prozent zurückgehen. Im Jahr 2022 wird dann

wieder mit einem Anstieg der Kerninflation auf 1,3 Prozent gerechnet.

OeNB-Szenarien zeigen: weitere Inflationsentwicklung maßgeblich vom

Verlauf der COVID-19-Krise beeinflusst

Um der hohen Unsicherheit der Inflationsprognose vor dem Hintergrund

der Pandemie Rechnung zu tragen, hat die OeNB zusätzlich zur

Inflationsprognose auch ein optimistisches sowie ein pessimistisches

Prognoseszenario berechnet. Das optimistische Szenario nimmt an, dass

die COVID-19-Pandemie in Österreich vergleichsweise rasch eingedämmt

werden kann und die wirtschaftliche Erholung im laufenden Jahr an

Schwung gewinnt, während das pessimistische Szenario von einer

zweiten Infektionswelle im Herbst 2020 und einer Verschärfung des

wirtschaftlichen Abschwungs ausgeht. Gemäß dem optimistischen

Szenario sinkt die Jahresinflationsrate 2020 im Vergleich zur

Juniprognose etwas weniger stark, nämlich auf 1,1 Prozent, gefolgt

von einem Anstieg auf 1,2 Prozent und auf 1,7 Prozent in den Jahren

2021 und 2022. Im pessimistischen Szenario hingegen erwartet die OeNB

für 2020 eine Jahresinflation von 0,7 Prozent, gefolgt von einem

weiteren Rückgang auf 0,2 Prozent im Jahr 2021 und einem Anstieg auf

1,3 Prozent im Jahr 2022.

Online-Preise von Nahrungsmitteln gehen im April und Mai 2020 leicht

zurück

Auf Basis von Preisen aus dem Online-Handel von fünf großen

österreichischen Handelsketten untersucht die OeNB im Schwerpunkthema

dieser Ausgabe von "Inflation aktuell", ob sich die Preise von

Nahrungsmitteln und anderen Gebrauchsgütern während der

COVID-19-Krise auffällig verändert haben, wie fallweise in den Medien

berichtet wurde. Aus dieser Untersuchung geht hervor, dass

Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke in den Monaten April und Mai

2020 im Durchschnitt einen geringfügigen Preisrückgang von -0,3

Prozent bzw. -0,4 Prozent aufwiesen, während die Preise von

alkoholischen Getränken durchschnittlich um 0,5 Prozent gestiegen

sind. Die Preise von Bekleidungsartikeln und Schuhen sind von Anfang

April bis Ende Mai im Durchschnitt um etwa 6 Prozent gesunken,

allerdings dürften dafür saisonale Faktoren mitverantwortlich sein.

Somit lassen sich basierend auf den von der OeNB erhobenen

Online-Preisdaten keine auffälligen Preissteigerungen bei den

untersuchten Produkten im April und Mai 2020 feststellen.

"Inflation aktuell" ist ein vierteljährlich erscheinender Bericht der

Oesterreichischen Nationalbank zur Inflation in Österreich. Darin

wird die Inflationsentwicklung der letzten Monate analysiert, die

Inflationsprognose der OeNB vorgestellt sowie auf aktuelle

Schwerpunktthemen eingegangen. Die Publikation ist auf der

OeNB-Website verfügbar:

www.oenb.at/Publikationen/Volkswirtschaft/inflation-aktuell.html

Rückfragehinweis:

Oesterreichische Nationalbank

Dr. Christian Gutlederer

Pressesprecher

(+43-1) 404 20-6900

christian.gutlederer@oenb.at

www.oenb.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/156/aom

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