APA ots news: WIFO: Arbeitsmarkt wird sich trotz Wirtschaftsaufschwungs nur langsam erholen

Update der mittelfristigen Prognose 2021 bis 2025

Wien (APA-ots) - Durch die COVID-19-Pandemie und die

gesundheitspolitischen Eindämmungsmaßnahmen verzeichnete Österreich

2020 die schwerste Rezession seit der Nachkriegszeit. Mit dem

Abklingen der COVID-19-Krise wird eine - teilweise kräftige -

wirtschaftliche Erholung erwartet. Diese wird von einer starken

internationalen Dynamik und von einem Rebound-Effekt der inländischen

Nachfrage, im Besonderen des privaten Konsums, getragen. Auf dem

Arbeitsmarkt wird die Krise aber noch länger spürbar sein, und die

Arbeitslosenquote dürfte erst gegen Ende der Prognoseperiode auf das

Vorkrisenniveau zurückgehen.

Mit dem Abklingen der COVID-19-Krise wird eine - teilweise

kräftige - Erholung der internationalen Konjunktur erwartet, die in

erster Linie von den USA und China ausgeht. In China erreichte die

Wirtschaftsleistung bereits Ende 2020 wieder das Vorkrisenniveau. Die

Wirtschaft der USA profitiert von einem umfangreichen Impfprogramm

und einem weiterhin stark expansiven Kurs in der Geld- und

Fiskalpolitik. Für Europa werden sowohl die aktuelle Lage als auch

die Aussichten gedämpfter gesehen: Eine weitgehende Durchimpfung der

Bevölkerung in der Europäischen Union wird erst im Sommer erwartet.

Zudem fallen im Vergleich zu den USA die fiskalischen Maßnahmen in

Europa geringer aus.

Um der Unsicherheit über die weitere Entwicklung Rechnung zu

tragen, wurden in der kurzfristigen Konjunkturprognose für die Jahre

2021 und 2022 zwei Szenarien erstellt: Im Öffnungsszenario werden

keine weiteren, die Wirtschaftstätigkeit einschränkenden Maßnahmen

ergriffen und bestehende Einschränkungen im Laufe des Frühjahrs

aufgehoben. Damit kommt die Wirtschaft bereits im II. Quartal 2021

wieder in Schwung, wodurch für 2021 ein BIP-Wachstum von 2,3% und für

2022 von 4,3% erwartet wird. Das Lockdown-Szenario geht dagegen von

einer erneuten vierwöchigen Schließung des Handels und der

personennahen Dienstleistungen im II. Quartal 2021 aus. Dadurch

verzögert sich die Erholung (2021 +1,5%) und fällt 2022 entsprechend

stärker aus (+4,7%).

Darauf aufbauend werden in der mittelfristigen Prognose diese

beiden Szenarien für die Jahre 2023 bis 2025 fortgeschrieben. Die

beiden Szenarien nähern sich dabei stark an und zum Ende der

Prognoseperiode wird mit einem BIP-Wachstum 2025 von +1,5% gerechnet.

Die Einkommen der privaten Haushalte wurden im Jahr 2020 (und

werden das auch noch 2021) durch fiskalpolitische Maßnahmen

stabilisiert. Durch die Einschränkung von Konsummöglichkeiten brach

der private Konsum 2020 dramatisch ein (9,6%) und führte durch

Zwangs- und Vorsichtssparen zu einem - für eine Rezession untypischen

- starken Anstieg der Sparquote auf 14,5% (laut Statistik Austria).

Auch im 1. Halbjahr 2021 wird der Konsum weiterhin durch

gesundheitspolitische Maßnahmen gebremst und wächst daher 2021 nur

verhalten (+2,4% bzw. +1,1% im Lockdown-Szenario). Erst für 2022 wird

mit der Überwindung bzw. der weitgehenden Eindämmung der

COVID-19-Pandemie ein deutlicher Aufholeffekt erwartet (+4,0% bzw.

+4,6%). Die privaten Konsumausgaben dürften 2023 mit +2,6% bzw. +2,7%

wachsen und aller Voraussicht nach das Vorkrisenniveau erreichen. Mit

dem Abklingen der Konjunktur wird sich das Konsumwachstum auf 1,6%

zum Ende der Prognoseperiode abschwächen. Die Sparquote dürfte mit

8,5% erst 2025 wieder auf das Vorkrisenniveau zurückgehen.

Abbildung 1: Szenarien der mittelfristigen WIFO-Prognose zur

Entwicklung des realen Bruttoinlandsproduktes in Österreich - auf der

[WIFO-Website] (https://www.wifo.ac.at/publikationen/pressenotizen)

Die Investitionstätigkeit profitiert 2021 und 2022 von

Vorzieheffekten, die von der Investitionsprämie ausgelöst werden,

verliert aber in den Folgejahren aufgrund von damit in Beziehung

stehenden Echoeffekten an Schwung.

Durch behördliche Schließungsmaßnahmen ist die

gesamtwirtschaftliche Beschäftigungsnachfrage im 1. Halbjahr 2021

noch verhalten. Mit dem Anziehen der Wirtschaftsleistung im

Jahresverlauf 2021 sollte auch die Arbeitsnachfrage zunehmen. Durch

das Auslaufen der COVID-19-Kurzarbeit ist jedoch zugleich ein Anstieg

der Stundenproduktivität zu erwarten. Für das Gesamtjahr 2021 dürfte

daher der Beschäftigungsanstieg mit rund 1% bescheiden bleiben. Das

kräftige BIP-Wachstum sollte sich 2022 in einem deutlicheren

Beschäftigungsanstieg niederschlagen (+2,2% bzw. +2,3%). Ab 2023

fällt er durch das Abklingen der Rebound-Effekte geringer aus

(2023/2025 rund +1% p. a.). Trotz des Rebound-Effektes 2022 und der

weiteren Erholung der Wirtschaftstätigkeit in den Folgejahren dürfte

die Arbeitslosenquote erst 2025 wieder das Vorkrisenniveau von 7,5%

erreichen.

Der Anstieg der Inflationsrate auf 1,8% im Jahr 2021 ist vor allem

auf den Bereich Energie zurückzuführen. Zusätzlich treiben höhere

Transportkosten und steigende Vorproduktpreise die Preise

industrieller Güter. Die Reallöhne werden 2021 und 2022

rezessionsbedingt sinken. Aufgrund der weiterhin angespannten Lage

auf dem Arbeitsmarkt dürften die Reallohnzuwächse auch in den

Folgejahren niedrig ausfallen und deutlich hinter dem Wachstum der

Arbeitsproduktivität zurückbleiben. Von den heimischen Arbeitskosten

wird somit kein Inflationsauftrieb erwartet. Für den Zeitraum

2021/2025 wird mit einem Preisanstieg gemäß VPI von durchschnittlich

1,7% pro Jahr gerechnet.

Übersicht 1: Hauptergebnisse der mittelfristigen Prognose für

Österreich - Öffnungsszenario - auf der [WIFO-Website]

(https://www.wifo.ac.at/publikationen/pressenotizen)

Übersicht 2: Hauptergebnisse der mittelfristigen Prognose für

Österreich - Lockdown-Szenario - auf der [WIFO-Website]

(https://www.wifo.ac.at/publikationen/pressenotizen)

Da der Großteil der beschlossenen Unterstützungsmaßnahmen nur

temporär zu erhöhten Ausgaben führt und die Einnahmen im Zuge der

konjunkturellen Erholung wieder zunehmen, geht mit dem Abklingen der

Krise ab 2022 der Anstieg der Neuverschuldung deutlich zurück. Unter

der den WIFO-Prognosen zugrunde liegenden

"No-Policy-Change"-Annahme[1]) ergibt sich im Öffnungsszenario für

2021 noch ein Budgetdefizit von 7,1%, das 2022 auf 3,7% zurückgeht.

Bis 2025 wird die staatliche Finanzierungslücke auf 2,5% sinken. Im

Lockdown-Szenario, das einen stärkeren wirtschaftlichen Einbruch im

Jahr 2021 unterstellt, bleiben die Unterstützungsleistungen länger

aufrecht, wodurch das Defizit 2021 7,7% des BIP beträgt. Im Zeitraum

2022 bis 2025 ist das Budgetdefizit im Lockdown-Szenario jeweils um

0,3 Prozentpunkte höher als im Öffnungsszenario. Die Staatsschuld

wird von knapp 84% des BIP (2020) bis zum Ende des Prognosezeitraumes

auf rund 86% (Lockdown-Szenario: 88%) ansteigen. Sie wird damit auch

fünf Jahre nach Beginn der COVID-19-Krise um fast 15,5 Prozentpunkte

(17,5 Prozentpunkte) höher sein als im Vorkrisenjahr 2019 (70,5% des

BIP).

[1]) Die WIFO-Prognosen berücksichtigen im Allgemeinen nur

bereits beschlossene Gesetze und Verordnungen. In bestimmten Fällen

werden auch noch nicht formal beschlossene Maßnahmen einbezogen. Das

ist etwa dann der Fall, wenn der Verhandlungs- oder

Gesetzwerdungsprozess bereits weit fortgeschritten ist

(Gesetzesentwürfe in Begutachtung; fallweise werden auch

Ministerratsbeschlüsse miteinbezogen) und zur betreffenden Regelung

zugleich hinreichend detaillierte Informationen vorliegen, die eine

quantitative Einschätzung ermöglichen.

Rückfragehinweis:

Rückfragen bitte am Freitag, dem 7. Mai 2021, zwischen 11:00 und 13:30 Uhr, an Mag. Dr. Josef Baumgartner, Tel. (1) 798 26 01 - 230, josef.baumgartner@wifo.ac.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/235/aom

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OTS0041 2021-05-07/09:00