APA ots news: WIFO: Kräftiger Aufschwung verschärft Preisdruck und Lieferprobleme

Wien (APA-ots) - Der Aufschwung der Weltwirtschaft setzte so unerwartet

früh und kräftig ein, dass die Produktion hinterherhinkt,

Lagerbestände geräumt werden und Lieferengpässe entstehen. Dies führt

zu beträchtlichen Preissteigerungen, die die Wucht des Aufschwungs

zunehmend bremsen. In Österreich war das Wirtschaftswachstum im II.

Quartal 2021 (+3,6% gegenüber dem Vorquartal) deutlich höher als im

Durchschnitt des Euro-Raumes (+2,2%), vor allem aufgrund der

schwungvollen Dynamik im Gastgewerbe. Im Laufe des Sommers hat das

BIP bereits das Vorkrisenniveau überschritten. Sowohl die

Arbeitslosigkeit als auch die Langzeitbeschäftigungslosigkeit

tendierten zuletzt abwärts.

"Als Folge der unerwartet frühen und kräftigen Konjunkturerholung

kommt es zu starkem Lagerabbau und beträchtlichen Materialengpässen.

Dies wirkt preistreibend und bremst die Wucht des Aufschwungs", so

der Autor des aktuellen WIFO-Konjunkturberichtes Stefan Schiman.

Lagerbestände werden weltweit zurzeit beträchtlich reduziert.

Üblicherweise folgt einem Lagerabbau ein Konjunkturabschwung. Diesmal

ist er jedoch Ausdruck des äußerst kräftigen Aufschwungs, der die

Weltwirtschaft seit dem Frühjahr 2021 erfasst hat. Vor allem die

Plötzlichkeit und die Stärke des Aufschwungs haben den markanten

Lagerabbau zur Folge. Für die meisten Marktteilnehmer trat die

Erholung unerwartet früh ein, da die Saisonalität des

SARS-CoV-2-Virus unterschätzt wurde. Sie verlief bisher auch äußerst

kräftig, da die Lockdowns die Kaufkraft der privaten Haushalte sowie

die Produktionskapazitäten der Unternehmen nicht in dem Ausmaß

reduziert hatten wie "herkömmliche" Konjunkturabschwünge und weil

zudem großzügige wirtschaftspolitische Maßnahmen gesetzt worden

waren.

Die sich nun ergebenden Lieferengpässe und Preissteigerungen sind

erheblich. So gaben zuletzt rund 32% der heimischen Industriebetriebe

Materialmangel als wichtigstes Produktionshindernis an, während der

langjährige Durchschnitt 7,5% beträgt und selbst in normalen

Aufschwüngen nie mehr als 15% unter akutem Materialmangel leiden.

Gleichzeitig haben sich die Preise für Industrierohstoffe von April

2020 bis Mai 2021 auf Dollarbasis mehr als verdoppelt, obwohl sie in

den Krisenmonaten davor, von Jänner 2020 bis April 2020, um nur 14%

gesunken waren. Diese Situation führt dazu, dass knapp die Hälfte der

heimischen Industriebetriebe die Verkaufspreise demnächst anheben

will, während dies im Durchschnitt der letzten 15 Jahre jeweils nur

7,2% planten. Die Lieferengpässe führen aber nicht nur zu

Preissteigerungen, sondern auch zu Rationierung: So steigen in der

Kfz-Branche trotz eines Nachfragebooms die Anmeldungen zur Kurzarbeit

aufgrund des erheblichen Mangels an Halbleitern (Mikrochips).

Dementsprechend sind die meisten Unternehmen zwar grundsätzlich

optimistisch in Bezug auf ihre aktuelle Geschäftslage, allerdings

bremste sich die Zuversicht im Sommer etwas ein. Das zeigen die

Unternehmensbefragungen für Österreich als auch für den übrigen

Euro-Raum. In Österreich dämpfte sich die Stimmung insbesondere in

den krisengeschüttelten Dienstleistungsbranchen, was darauf

hindeutet, dass im Herbst wieder mit Beeinträchtigungen der

Geschäftstätigkeit gerechnet wird.

Derzeit herrscht aber noch ein äußerst kräftiger Aufschwung. Im

II. Quartal 2021 (April bis Juni) wuchs die Wirtschaftsleistung in

Österreich um 3,6% gegenüber dem Vorquartal und damit im

Ländervergleich (Euro-Raum +2,2%) besonders rasch. Dies ist vor allem

den Wertschöpfungsgewinnen im Gastgewerbe zuzuschreiben, die mehr als

die Hälfte des Quartalswachstums ausmachten. Im Juli 2021 wurde

bereits das BIP-Niveau vor Ausbruch der COVID-19-Krise überschritten

und Mitte August 2021 lag es bereits um 1,5% darüber.

Als Folge des Nachfragebooms und der Angebotsknappheiten stieg die

Verbraucherpreisinflation in Österreich laut Schnellschätzung von

Statistik Austria zuletzt auf über 3%. Die saisonbereinigte

Arbeitslosenquote ist im August 2021 auf 7,7% (318.700 Personen)

gesunken und lag damit um nur mehr 0,6 Prozentpunkte (23.600

Personen) über dem Vorkrisenniveau vom Februar 2020. Die Zahl der

langzeitbeschäftigungslosen Arbeitslosen betrug zuletzt 128.300

Personen, um 30.900 mehr als im Februar 2020, aber bereits um 20.100

weniger als im April 2021.

Abbildung 1: Materialmangel und Fertigwarenlager in der

österreichischen Industrie - auf der [WIFO-Website]

(https://www.ots.at/redirect/wifo15)

Zu den Definitionen siehe ["Methodische Hinweise und Kurzglossar"]

(https://www.ots.at/redirect/wifo16).

Rückfragehinweis:

Rückfragen bitte am Donnerstag, dem 9. September 2021, zwischen 9 und 12 Uhr, an Dr. Stefan Schiman, MSc, Tel. (1) 798 26 01 - 234, stefan.schiman@wifo.ac.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/235/aom

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OTS0028 2021-09-09/09:00