APA ots news: WIFO - Prognose für 2021 und 2022: Verzögerte Erholung bei erneutem Lockdown

Wien (APA-ots) - Die wirtschaftliche Aktivität hängt gegenwärtig stark

von den Maßnahmen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie ab. Um die

Bandbreite der künftigen Wirtschaftsentwicklung einzugrenzen,

entwirft die vorliegende Prognose zwei Szenarien: Im Öffnungsszenario

werden die Einschränkungen im Lauf des Frühjahrs vollständig

aufgehoben. Das Lockdownszenario geht dagegen von einer neuerlichen

Schließung des Handels und der personennahen Dienstleistungen im

April 2021 aus. Im ersten Szenario kommt die Wirtschaft bereits im

Frühjahr wieder in Schwung, das BIP dürfte 2021 um 2,3% und 2022 um

4,3% wachsen. Im Lockdownszenario verzögert sich die Erholung, der

Zuwachs beträgt 2021 1,5% und 2022 4,7%. Privater Konsum und

Reiseverkehr sind auch 2022 noch schwächer als vor der

COVID-19-Pandemie. Auf dem Arbeitsmarkt wird die Krise noch längere

Zeit sichtbar bleiben.

"Der weitere Konjunkturverlauf hängt maßgeblich von den

behördlichen COVID-19-Maßnah­men ab. Ein neuerlicher Lockdown im

April würde das Wachstum 2021 um knapp einen Prozentpunkt dämpfen.

2022 wäre die Erholung dafür stärker", so der Autor der aktuellen

WIFO-Prognose Stefan Ederer.

Die Wirtschaftsaktivität in Österreich ist derzeit stark von den

behördlichen Einschränkungen zur Eindämmung der COVID-19-Pandemie

geprägt. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt (März 2021) werden sowohl

Öffnungs- als auch Schließungsmaßnahmen diskutiert. Die vorliegende

Prognose trägt der Unsicherheit über die weiteren Rahmenbedingungen

durch zwei unterschiedliche Szenarien Rechnung. Das erste Szenario

("Öffnungsszenario") geht davon aus, dass es zu keinen neuerlichen

Verschärfungen oder Lockdownmaßnahmen kommt und die derzeit geltenden

Regelungen im Frühjahr 2021 schrittweise aufgehoben werden. Das

zweite Szenario ("Lockdownszenario") unterstellt dagegen eine

neuerliche vierwöchige Schließung des Handels und der personennahen

Dienstleistungen im April. Die Öffnung in den Bereichen Gastronomie,

Beherbergung und Veranstaltungen verzögert sich in diesem Fall. Die

Berechnung der wirtschaftlichen Effekte der in den beiden Szenarien

unterstellten Maßnahmen stützt sich auf die wöchentlichen

WIFO-Schätzungen zur Wirtschaftsaktivität (WWWI) und auf Erkenntnisse

aus den bisherigen Schließungs- und Öffnungsphasen.

Die österreichischen Warenexporte und die Sachgütererzeugung waren

von den Lockdown-Maßnahmen im Herbst und Winter kaum betroffen und

erholten sich bis Jahresende 2020 merklich. Beide Bereiche

profitierten maßgeblich von der Erholung der weltweiten

Industrieproduktion und des globalen Warenhandels. Diese Entwicklung

dürfte sich 2021 fortsetzen, auch wenn sie gegenwärtig von Asien und

den USA getrieben wird, und sich in den für den österreichischen

Export wichtigen Ländern der Europäischen Union verzögert. 2022 wird

sich dieses Muster voraussichtlich umkehren: Während die europäischen

Absatzmärkte kräftig wachsen dürften, wird sich die Erholung

außerhalb Europas voraussichtlich abschwächen. Auch die

Bauwirt­schaft litt kaum unter den behördlichen Einschränkungen und

dürfte im Prognosezeitraum stetig wachsen.

Zwtl.: Übersicht 1: Hauptergebnisse der Prognose - auf der

[WIFO-Website] (https://www.wifo.ac.at/wwa/pubid/67028)

Hingegen dämpften die Schließungsmaßnahmen im November und

Dezember 2020 sowie im I. Quartal 2021 sowohl die Konsumausgaben der

privaten Haushalte als auch den Reiseverkehr deutlich, wodurch die

Wirtschaftsaktivität in den Bereichen Handel, Gastronomie,

Beherbergung und sonstige Dienstleistungen einbrach. Im Fall einer

Aufhebung der Einschränkungen im Frühjahr ("Öffnungsszenario") dürfte

daher das wirtschaftliche Aktivitätsniveau in diesen Bereichen

merklich zunehmen. Im Fall neuerlicher Schließungen

("Lockdownszenario") wird die wirtschaftliche Aktivität im Frühjahr

hingegen schwach bleiben und die Erholung erst später einsetzen. Im

zweiten Szenario werden der private Konsum, der Reiseverkehr und die

Wertschöpfung der betroffenen Wirtschaftsbereiche 2021 daher deutlich

schwächer wachsen als im Fall von Lockerungen. Die COVID-19-Krise

dürfte jedenfalls länger nachwirken: Privater Konsum und Reiseverkehr

werden 2022 in beiden Szenarien geringer sein als vor der Krise.

Nach dem kräftigen Einbruch der Wirtschaftsleistung im Winter

rechnen beide Szenarien für 2021 mit einem mäßigen Wachstum, gefolgt

von einer kräftigen Erholung im Jahr 2022. Ein neuerlicher Lockdown

würde die Wirtschaftsaktivität und damit das BIP-Wachstum 2021

deutlich dämpfen, durch die verzögerte Erholung wäre das Wachstum

2022 allerdings entsprechend kräftiger. Im Öffnungsszenario dürfte

die österreichische Wirtschaft 2021 um 2,3% und 2022 um 4,3% wachsen.

Im Lockdownszenario beträgt der Zuwachs 2021 1,5% und 2022 4,7%.

Auf dem Arbeitsmarkt werden die Folgen der COVID-19-Krise noch

länger sichtbar sein. Die Beschäftigung dürfte zwar im

Prognosezeitraum deutlich steigen, dies geht jedoch nur teilweise auf

die Einstellung Arbeitsloser zurück. Im Öffnungsszenario sinkt die

Arbeitslosenquote 2021 auf 9,2% und 2022 auf 8,4%, im

Lockdownszenario auf 9,3% bzw. 8,5%. 2022 ist sie damit in beiden

Szenarien rund einen Prozentpunkt höher als im Vorkrisenjahr 2019.

Aufgrund eines Anstiegs der Rohstoffpreise nehmen die

Verbraucherpreise 2021 und 2022 um jeweils 1,8% zu. Der

Inflationsdruck bleibt jedoch aufgrund einer schwachen

Lohnentwicklung verhalten.

Die fiskalpolitischen Unterstützungsmaßnahmen für Unternehmen und

Privatpersonen setzen die öffentlichen HEpiaushalte unter Druck.

Durch die Erholung der Konjunktur verringert sich der

Finanzierungssaldo laut Öffnungsszenario von 8,9% (2020) auf 7,1%

(2021) bzw. 3,7% (2022) des BIP, laut Lockdownszenario auf 7,7%

bzw. 4%.

Zu den Definitionen siehe ["Methodische Hinweise und Kurzglossar"]

(https://www.ots.at/redirect/wifo6)

Rückfragehinweis:

Rückfragen bitte am Freitag, dem 26. März 2021, zwischen 11:00 und 15:00 Uhr, an Dr. Stefan Ederer, Tel. (1) 798 26 01 - 464, stefan.ederer@wifo.ac.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/235/aom

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OTS0074 2021-03-26/10:30