APA ots news: WIFO - Prognose für 2021 und 2022: Vierte COVID 19-Welle bremst kräftigen Aufschwung

Wien (APA-ots) - Die Wertschöpfung in Österreich wuchs im II. Quartal

2021 insbesondere in den krisengeschüttelten Branchen deutlich. Mit

der Zunahme des Infektionsgeschehens ab August 2021 schwächte sich

das Wachstum aber wieder ab. Die neuerliche COVID19-Welle wird den

Aufholprozess in bestimmten Dienstleistungsbranchen im IV. Quartal

abermals dämpfen. Der Konjunkturaufschwung verläuft demnach sektoral

heterogen, ist jedoch insgesamt äußerst kräftig. Auch der

Arbeitsmarkt erholt sich zügig, wird durch die vierte COVID19-Welle

aber vorübergehend einen Rückschlag erleiden. Zugleich wird sich der

Preisauftrieb weiter beschleunigen, während die Geldpolitik - der

neuen Strategie der EZB entsprechend - expansiv bleibt.

"Der Konjunkturaufschwung ist zwar äußerst kräftig, es zeigen sich

jedoch deutliche sektorale Unterschiede. Während er im produzierenden

Bereich zu Materialengpässen führt, sind viele Kinosäle und Hotels

noch fast leer. Die vierte COVID19-Welle verschärft diese Spreizung

zusätzlich", so der Autor der aktuellen WIFO-Prognose Stefan Schiman.

Wie schon nach der ersten COVID19-Welle im Frühjahr 2020 kam es

in Österreich auch im Mai 2021 zu einem kräftigen Rebound der

Wirtschaftsleistung, als die Lockdown-Maßnahmen aufgehoben waren.

Dieser Rebound, der von den krisengeschüttelten Branchen getragen

wurde, dürfte gemäß vorläufigen Daten etwas kräftiger ausgefallen

sein als erwartet. Zugleich war die heimische Wirtschaft zu

Jahresbeginn 2021 weniger stark eingebrochen als befürchtet. Das WIFO

revidiert daher seine Prognose für 2021 nach oben.

Allerdings schwächt sich das Wirtschaftswachstum mit der erneuten

Zunahme des Infektionsgeschehens seit Mitte August 2021 wieder ab,

vor allem in der Gastronomie und Hotellerie. Aufgrund des

schleppenden Impffortschritts wird die COVID19-Pandemie auch im

kommenden Winterhalbjahr die Konjunktur dämpfen. Ab dem Frühjahr 2022

dürfte sich das Wachstum dann wieder beschleunigen, weshalb die

BIP-Prognose für 2022 nur leicht auf +4,8% gesenkt wird. Für 2021

wird die Wachstumsrate auf +4,4% angehoben, da die Aufwärtsrevisionen

im 1. Halbjahr die Abwärtsrevisionen im zweiten überwiegen.

Angebots- wie nachfrageseitig verläuft der Konjunkturaufschwung

sehr heterogen. Während die Krise im produzierenden Bereich schon

Ende 2020 überwunden war und die kräftige Dynamik dort derzeit zu

beträchtlicher Materialknappheit und Preissteigerungen führt, könnte

die Wertschöpfung in manchen Dienstleistungen 2021 sogar noch unter

das Vorjahresniveau rutschen. Auf der Nachfrageseite expandierten der

Warenaußenhandel und die Investitionen, begünstigt durch die

Investitionsprämie, früh und deutlich. Der private Konsum wurde

hingegen durch die Lockdowns erschwert und wächst daher auf

Jahressicht 2021 zögerlicher.

Der Arbeitsmarkt erholt sich seit Jahresbeginn 2021 zügig. Der

Abwärtstrend der saisonbereinigten Arbeitslosigkeit dürfte in den

kommenden Monaten zwar kurzfristig unterbrochen werden; im

Vorjahresvergleich wird die Arbeitslosigkeit jedoch in beiden

Prognosejahren zurückgehen.

Die Wirtschaftspolitik bleibt im Prognosezeitraum expansiv. Dies

gilt vor allem für die Geldpolitik, da die EZB den Anstieg der

Inflation als vorübergehend ansieht. Fiskalische Stützungsmaßnah­men

werden schrittweise zurückgenommen. Die kürzlich präsentierte

Steuerreform wird in der vorliegenden Prognose nicht berücksichtigt.

Neben der zukünftigen Ausrichtung der Wirtschaftspolitik stellen

mögliche weitere preistreibende Angebotsschocks auf den Weltmärkten

und der künftige Verlauf der COVID19-Pandemie wichtige

Prognoserisiken dar. Wie die letzten Wochen zeigten, kann das

Infektionsgeschehen rasch zu, aber auch jäh abnehmen.

Dementsprechend ist derzeit nur schwer absehbar, wie sich etwa der

Wintertourismus entwickeln wird.

Übersicht 1: Hauptergebnisse der Prognose - auf der [WIFO-Website]

(https://www.ots.at/redirect/wifo17)

Zu den Definitionen siehe ["Methodische Hinweise und Kurzglossar"]

(https://www.ots.at/redirect/wifo18).

Rückfragehinweis:

Rückfragen bitte am Freitag, dem 8. Oktober 2021, zwischen 12 und 15 Uhr, an

Dr. Stefan Schiman, MSc, Tel. (1) 798 26 01 - 234, stefan.schiman@wifo.ac.at

Digitale Pressemappe: http://www.ots.at/pressemappe/235/aom

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