CUPERTINO (dpa-AFX) - Trotz andauernder Pandemie laufen die Geschäfte für Apple wie geschmiert. Im zweiten Geschäftsquartal hat den iPhone-Hersteller einen Milliarden-Gewinn eingefahren. Er profitierte dabei stark von einem Schub bei den Smartphone-Verkäufen. Das Unternehmen bekommt aber auch die globale Halbleiter-Knappheit und regulatorischen Gegenwind zu spüren - und an der Börse die Inflationsbedenken der Anleger. Was bei Apple los ist, was die Analysten denken und was die Aktien machen.

WAS BEI APPLE LOS IST:

Apple konnte im saisonal eigentlich nicht so starken Zeitraum von Januar bis Ende März mit einem Wachstum aufwarten, das früher nur im Weihnachtsgeschäft erreicht wurde. Während der iPhone-Konzern seinen Umsatz um gut die Hälfte steigerte, wurde der Gewinn im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mehr als verdoppelt. Üblicherweise sind die ersten drei Monate des Kalenderjahres nach fulminanten Weihnachtsquartalen eher eine ruhige Zeit. Doch diesmal gab es kräftige Zuwächse in allen Produktbereichen.

Dabei spielte das iPhone wieder einmal die Hauptrolle. Das Geschäft mit den Smartphones steuert mehr als die Hälfte zu den Konzernerlösen bei. Nach Berechnungen der Marktforschungsfirma Canalys steigerte Apple die iPhone-Verkäufe um gut 40 Prozent auf 52,4 Millionen Geräte. Aber auch bei den Mac-Computern gab es ein sattes Plus beim Umsatz.

Apple machte einige Modelle seiner Computer im vergangenen Jahr mit dem Umstieg von Intel-Prozessoren auf Chips aus eigener Produktion effizienter. Seit Beginn der Pandemie sind die Macs stärker gefragt, weil die Menschen mehr zuhause arbeiten und lernen. Das trug auch bei den iPad-Tablets zu einem starken Umsatzplus bei.

Genauso viel Umsatz wie die iPads brachte im vergangenen Quartal die Sparte ein, in der Geräte wie die Computer-Uhr Apple Watch, die AirPods-Ohrhörer und diverses Zubehör zusammengefasst sind. Das Geschäft mit Abo-Diensten und Erlösen aus dem App Store wuchs um mehr als ein Viertel. Apple hat jetzt 660 Millionen Kunden von Abo-Diensten - 145 Millionen mehr als vor einem Jahr.

Angesichts der Pandemie gab Apple keine konkrete Prognose für das laufende Quartal ab, rechnet aber mit deutlichem Wachstum im Jahresvergleich. Zugleich bekommt aber auch Apple die globale Halbleiter-Knappheit zu spüren. Die Lieferengpässe würden vor allem Macs und iPads treffen und den Quartalsumsatz um drei bis vier Milliarden Dollar drücken, sagte Finanzchef Luca Maestri Ende April.

Immer wieder steht der Konzern wegen seiner Geschäftspraktiken im Fokus. Erst jüngst hat in Kalifornien ein Gerichtsverfahren begonnen, das das App-Geschäft auf dem iPhone verändern könnte. Der "Fortnite"-Entwickler Epic Games wirft Apple in seiner Klage unfairen Wettbewerb vor - mit der Begründung, dass Apple ein Monopol auf dem App-Vertrieb auf dem iPhone habe. Apple will dagegen, dass Anwendungen weiterhin nur über den App Store des Konzerns geladen werden können - das sei unter anderem notwendig, um die Nutzer vor Betrug und Software-Fehlern zu schützen.

Aber auch die EU-Kommission wirft Apple unfairen Wettbewerb in seinem App Store auf iPhone und iPad vor. Apple benachteilige andere Anbieter von Musikstreaming-Apps, erklärte Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager Ende April nach einer Beschwerde des Marktführers Spotify . Die Brüsseler Behörde sieht unter anderem ein Problem in der Regel, dass die Verkäufe von Abos in den Apps über Apples Bezahlplattform abgewickelt werden müssen. Dabei behält der Konzern 30 oder 15 Prozent der Einnahmen ein.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Apple wurde in Zeiten der Corona-Krise von der Hausse bei Technologiewerten mitgetragen. Nach dem anfänglichen Pandemierückschlag bis auf gut 53 US-Dollar im März 2020 ging es rasch nach oben. Die Aktie startete einen Rekordlauf und verdoppelte ihren Wert bis August. Um das Papiere optisch vor allem für Kleinaktionäre attraktiv zu halten, vollzog Apple Ende August einen Aktiensplit.

Kurz nach dem Split kam die Rekordrally im September bei 137,98 Dollar erst einmal zum Erliegen. Anfang 2021 folgte zwar eine Bestmarke von 145 Euro. Mittlerweile haben aber auch Inflationsbedenken die Anleger die allgemeine Tech-Rally an der Nasdaq-Börse ausgebremst.

Das starke zweite Geschäftsquartal von Apple verpuffte mit Blick auf den Aktienkurs, von der Januar-Spitze liegt der Kurs aktuell fast 20 Dollar entfernt. Dazu trug Mitte Februar auch die Entscheidung von Warren Buffett bei. Damals war bekannt geworden, dass der Starinvestor umschichtet - von Apple in Standardwerte wie Chevron und Verizon.

Der langfristige Aufwärtstrend beeindruckt aber weiterhin: Seit Anfang 2019 ist der Kurs in etwa auf das Dreieinhalbfache gestiegen. Binnen zehn Jahren ging es ungefähr auf das Elffache nach oben. Set der Vorstellung der ersten iPhone-Generation Anfang 2007 summieren sich die Kursgewinne auf mehr als 4000 Prozent.

Mit einer Marktkapitalisierung von aktuell rund 2,1 Billionen Euro hat Apple den saudi-arabischen Ölkonzern Aramco wieder als teuerstes börsennotiertes Unternehmens der Welt überholt. Der bringt es umgerechnet aktuell auf rund 1,9 Billionen Dollar. In dieser Liga mitspielen könnten derzeit nur große US-Techkonzerne wie Microsoft (1,9 Billionen), Amazon (1,65 Billionen) und die Google -Mutter Alphabet (1,6 Billionen).

DAS SAGEN DIE ANALYSTEN:

Das starke zweite Geschäftsquartal verleitete den bisher pessimistischen Analysten von Goldman Sachs zum Umdenken: Erstmals seit zwei Jahren rät Rod Hall nicht mehr zum Verkauf der Aktien des iPhone-Herstellers. "Unsere Sicht, dass der iPhone-Zyklus in der Coronakrise enttäuschen würde, war eindeutig falsch", räumte der nun mit "Neutral" votierende Experte freimütig ein.

Unter den neun zuletzt im dpa-AFX-Analyser aufgeführten Analysehäusern war der Goldman-Experte Hall mit seiner alten Empfehlung ein Außenseiter. Ein Verkaufsvotum sucht man nach seinem Umdenken nun wieder vergebens. Kaufempfehlungen sowie neutrale Einschätzungen halten sich jetzt mehr oder weniger die Waage, was aber auch zeigt, dass die Zeiten für Aktionäre nicht nur rosig erwartet werden.

Das durchschnittliche Kursziel liegt mit rund 150 Euro deutlich über dem aktuellen Niveau und auch über dem Rekordhoch. Zu den größten Optimisten zählen die Analysten der Deutschen Bank, Morgan Stanley und JPMorgan mit aktuellen Kurszielen von 165 Dollar sowie Jefferies mit aufgerufenen 175 Dollar. Während die Skala bei kleineren US-Analysehäusern sogar bis 185 Dollar reicht, geben sich Goldman Sachs, die Barclays Bank und Bernstein mit Zielen von oder nahe 130 Dollar vorsichtig.

Laut Analyst Samik Chatterjee von JPMorgan gibt derzeit neben dem Home-Office-Trend auch der neue 5G-Mobilfunkstandard den Apple-Absätzen viel Rückenwind. Mit seinen Abo-Diensten profitiere der Konzern von einer steigenden Akzeptanz bei den Kunden und dem größer werdenden Angebot. Er glaubt, dass diese Stärke noch nicht zu Ende ist.

Der Barclays-Experte Tim Long dagegen gibt sich mittelfristig skeptisch für die Dienste-Sparte, deren Wachstum sich nach einem sehr starken Jahr 2021 in den Folgejahren verlangsamen dürfte. Long sieht dabei auch gewisse Unsicherheiten durch den App Store, der für gewöhnlich das wichtigste Standbein dieser Sparte sei. Er verwies dabei explizit auf regulatorische Unsicherheit im Zuge des Epic-Prozesses.

Amit Daryanani vom US-Analysehaus Evercore ISI sieht Apple in dem Prozess aber im Vorteil - mit dem sicherheitsrelevanten App-Zulassungsprozess als wichtiges Verteidigungsinstrument. Der Prozess um den App-Store hat seiner Einschätzung nach weitreichende Auswirkungen. Der Entscheid sei kartellrechtlich wegweisend dafür, ob das US-Justizministerium aggressiver gegen Apple vorgehen wird oder nicht./mne/tih/zb/mis