Nach eigener Auskunft wird AstraZeneca vom Impfstoff gegen das Corona-Virus in den kommenden Monaten etliche Millionen Dosen weniger an die Europäische Union ausliefern können als vorgesehen.

Nachdem Vertreter der EU informiert worden waren, machte AstraZeneca die Lieferprobleme am Freitag öffentlich. Der Konzern teilte mit, dass es Schwierigkeiten mit der Produktion bei einem europäischen Zulieferer gebe. Exakte Angaben darüber, wie viel Impfstoff fehlen wird, wurden jedoch keine gemacht.

Wie viel Impfstoff wird fehlen?

Informierte Kreise legten offen, dass den europäischen Behörden mitgeteilt worden sei, dass AstraZeneca im schlimmsten Fall nur etwa 30 Millionen der rund 80 Millionen Dosen liefern kann. Der Konzern sei bemüht, den Ausfall erheblich zu verringern und habe erklärt, etwa 30 Millionen Dosen seien das Minimum dessen, was geliefert werde, so die Insider.

Der eigentliche Ursprung des Problems soll in einer Produktionsanlage in Belgien liegen, die der Novasep Holding gehört. Dem Konzern sei es jedoch nicht möglich, Impfstoff in so großen Mengen herzustellen wie geplant, hieß es aus den Kreisen weiter.

Die Menge des Impfstoffs, die aus den Grundstoffen hergestellt werden könne, liege bei etwa einem Drittel der Planungen von AstraZeneca, sagte ein Informant. Novasep lehnte am Wochenende nicht auf Anfragen für eine Stellungnahme ab.

Impfstoff-Ausbeute kann stark variieren

Insgesamt kann die Ausbeute des Impfstoffs stark variieren. Zum einen ist dies abhängig von den sogenannten „Seeding“-Schritten, die sich über Wochen erstrecken, um die für die Herstellung des Impfstoffs notwendigen  Zellen heranzuzüchten und zum anderen von den späteren Prozessen zur Filtrierung und Reinigung der Substanz, bevor sie in kleine Flaschen abgefüllt wird.

AstraZeneca stellte fest, dass die Ausbeute bei seinen vielen Produktionspartnern variiert und arbeitet daran, die Produktion dort zu steigern, wo sie zurückbleibt, erklärte ein Insider. Allerdings sei dieser Vorgang arbeits- und zeitintensiv.

Regierungen besorgt über Impfstoff-Engpass

Das Ausmaß des möglichen Ausfalls hat die Regierungen der europäischen Hauptstädte alarmiert. Die Beteiligten sind bemüht, die Impfkampagnen zu beschleunigen, nachdem sie gegenüber einigen Ländern, ins Hintertreffen geraten sind, darunter Großbritannien, Israel und die USA. Bereits wenige Tage zuvor waren Vertreter Brüssels mit Pfizer und BioNTech aneinandergeraten, nachdem diese entschieden hatten, ihre geplanten Lieferungen von Impfstoffen gegen das Corona-Virus an die Union zu kürzen.

Der AstraZeneca-Impfstoff wurde in Großbritannien bereits Ende Dezember für den Notfalleinsatz zugelassen. Weitere Länder, darunter Indien, sind diesem Beispiel gefolgt.

So reagierten die Anleger

Der Lieferengpass ließ die Aktionäre scheinbar kalt: Die AstraZeneca-Papiere stiegen in London um 1,54 Prozent auf einen Schlusskurs von 7.897,00 Pence an.