BERLIN (dpa-AFX) - Die Aktie des Medienkonzerns Axel Springer <DE0005501357> zeigt seit der Bekanntgabe des möglichen KKR-Einstiegs steil nach oben. Anleger freuten sich über die Verhandlungen mit dem Finanzinvestor. Er könnte Springers Finanzkraft erhöhen und so neue Zukäufe ermöglichen, die heiß umkämpft sind. Die wichtigsten Punkte für den Konzern, was Experten sagen und wie es für die Aktie läuft:

DAS IST LOS BEI AXEL SPRINGER:

Die Gespräche über den Einstieg des Finanzinvestors KKR sorgten für einen Paukenschlag bei Axel Springer. Eine mögliche strategische Beteiligung des Geldgebers sollte das Wachstum des Medienkonzerns antreiben. Ob es auch zum Börsenabgang kommt, ließ Springer hingegen offen.

Die Familie des "Bild"- und "Welt"-Gründers Axel Springer hält eine Mehrheit an dem börsennotierten Unternehmen. Friede Springer, die Witwe des Verlagsgründers, verfügt zum einen über 37,5 Prozent über die Axel Springer Gesellschaft für Publizistik sowie über einen direkt gehaltenen Anteil von 5,1 Prozent. Gemeinsam mit Firmenchef Mathias Döpfner, der 2,8 Prozent hält, kommt sie auf 45,4 Prozent. Außerdem halten die Enkelkinder des Verlagsgründers Axel Springer, Axel Sven und Ariane Melanie, zusammen 9,8 Prozent. Friede Springer und Döpfner wollen ihre Anteile nicht abgeben.

Der Konzernlenker hatten in jüngster Zeit immer wieder die digitale Ausrichtung des Unternehmens sowie den steigenden Anteil der Umsätze in diesem Bereich betont. Dafür spricht auch die Ende Mai verkündete Kooperation über die von Springer und der Funke-Gruppe gemeinsam genutzte Media Impact mit dem Vermarkter Ad Alliance im Bereich Digitalvermarktung. "Durch die Kooperation entsteht mit Blick auf Reichweite und Qualität das größte digitale Vermarktungsangebot in Deutschland mit monatlich rund 50 Millionen Nutzern", teilte Springer mit.

Zu den Zugpferden des Konzerns gehören die unter Classifieds Media zusammengefassten Anzeigenportale, wie der Jobvermittler Stepstone und die Immmobilienplattformen Immonet.de, Immowelt.de und Immoweb.de. Zuletzt erhöhte der Axel Springer seine Anteile an der britischen Immobilienplattform Purplebricks von 12,4 auf 26,6 Prozent, was sich Springer rund 49 Millionen Euro Kosten ließ. Auch in anderen Ländern ist der Medienkonzern im Anzeigenbereich vertreten. So sind die Berliner mit dem Immmobilien-, Auto- und Kleinanzeigenportal Yad2 beispielsweise in Israel aktiv.

Über eine Übernahme des Kleinanzeigengeschäfts von Ebay <US2786421030> - zu dem Ebay-Kleinanzeigen und Mobile.de gehören - wurde zudem spekuliert. Hier hat sich aber auch schon der Onlinemarktplatzbetreiber Scout24 <DE000A12DM80> in Stellung gebracht. Das treibt den Wert nach oben: In der Branche wird über einen Kaufpreis in Höhe von rund zehn Milliarden US-Dollar spekuliert. Axel Springer kommt derzeit selbst nur auf einen Börsenwert von knapp sechs Milliarden Euro (etwa 6,7 Mrd Dollar) und könnte für einen Zukauf in dieser Größe wohl gut einen finanzkräftigen Investor an der Seite gebrauchen.

DAS SAGEN ANALYSTEN:

Von 14 im dpa-AFX-Analyser gelisteten Experten raten sieben zum Kauf der Springer-Aktie, die andere Hälfte spricht sich für Halten aus. Das Kursziel auf zwölf Monate liegt bei 57,30 Euro und damit nur leicht über dem aktuellen Kurs.

Zu den Optimisten nach der Ankündigung des KKR-Einstiegs gehören die US-Investmentbanken Goldman Sachs und JPMorgan. Sie trauen der Aktie ein Aufwärtspotential von rund acht Prozent zu bei einem Kursziel von 60,10 Euro (Goldman) und 60,00 Euro (JPMorgan). Beide Häuser empfehlen den Kauf des Papiers.

JPMorgan-Analyst Marcus Diebel hält die Aktie für unterbewertet. Sie sei zu günstig für das Wachstumsprofil des Unternehmens, schrieb er. Das Springer-Management sei frustriert von der im Vergleich zu Wettbewerbern niedrigen Bewertung - und das seiner Einschätzung nach zu Recht. Ängste vor einem schwächelnden Printgeschäft würden überbewertet. Wachstumsmotor sei nach wie vor die unter Classifieds Media zusammengefasste Sparte mit Online-Anzeigen, darunter vor allem das Jobportal Stepstone. Diebel geht davon aus, dass sich das Ebitda-Wachstum in den kommenden zwei Jahren beschleunigt. Außerdem ersetze das Digitalgeschäft mit hohem Wachstum und hohen Margen immer mehr das rückläufige Printgeschäft.

Dagegen sind die britische HSBC <GB0005405286>-Bank und die Privatbank Berenberg zurückhaltender. Sie sprechen sich beide für das Halten des Papiers aus. Berenberg-Analystin Sarah Simon liegt mit ihrem Kursziel von 52 Euro rund sechs Prozent unter der aktuellen Bewertung. Kritisch sieht sie unter anderem, dass der kürzliche Einstieg von Google <US02079K1079> in den deutsche Jobmarkt sich als größere Konkurrenz zu Springers Stepstone-Plattform erweisen könnte. Zudem habe der Gewinn des Unternehmens in den vergangenen zwei Jahren regelmäßig enttäuscht, da Springer in seine Job- und Immobilienportale investierte.

Den möglichen KKR-Einstieg mit Börsenabgang sieht Simon insgesamt positiv. Dies gebe Springer mehr Flexibilität in finanzieller Hinsicht für weitere Zukäufe, was Schulden und Vermögen angeht. Ein Kauf des Kleinanzeigengeschäft von Ebay, worüber schon fleißig spekuliert wird, könnte sonst zu teuer werden. Außerdem ermögliche es dem Unternehmen, besser auf das sich verändernde Marktumfeld im Classifieds-Bereich einzugehen und eine potentielle wirtschaftliche Abschwächung auszugleichen.

DAS MACHT DIE AKTIE:

Der im Raum stehende Einstieg von Investor KKR sorgte bei Springer seit Ende Mai für einen Kurssprung um etwa ein Fünftel auf über 55 Euro. Diesen Wert hatte die Aktie zuletzt im Dezember 2018 erreicht.

Der Jahresbeginn war für Springer dagegen wenig erfreulich verlaufen. Nach einem Start im Januar bei knapp 50 Euro fiel die Aktie Ende März auf ein Tief von 44,10 Euro zurück.

Auf längere Sicht zeigt der Trend deutlich nach unten. Nach einem kurzen Ausschlag auf 68,50 Ende Juli vergangenen Jahres ging es um ein Drittel bergab, bis zur Erholung durch den KKR-Einstieg. Der Höchststand von 74,40 Euro im Februar 2018 ist jedoch noch weit entfernt.

Im Vergleich zu europäischen Mitbewerbern schnitt die Springer-Aktie in der Sicht auf zwölf Monate unterdurchschnittlich ab. Während der Branchenindex Stoxx Europe 600 <EU0009658202> Media etwa 2,7 Prozent zulegte, gab die Aktie der Berliner im selben Zeitraum um elf Prozent nach. Gemessen an der in Deutschland vertretenen Konkurrenz im Mediensektor, wie die RTL <LU0061462528>-Gruppe (etwa minus 34 Prozent) und ProSiebenSat.1 <DE000PSM7770> (rund minus 41 Prozent) steht Springer aber deutlich besser da./elm/eas/fba