FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 16. Januar 2014. Biotech-Unternehmen verdienen Milliarden mit Blockbuster-Medikamenten, während ihre Aktien die Anlegerherzen mit überdurchschnittlichen Renditen höher schlagen lassen.

Wer mit Aktien Geld verdienen will, sollte eine Branche derzeit keinesfalls übersehen: Biotechnologie. 'Selbst dreistellige Kursgewinne an einem Handelstag sind hier keine Seltenheit. Die Branche boomt enorm', weiß Walter Vorhauser, Händler von Close Brothers Seydler und verweist beispielhaft auf die Aktie des US-Unternehmens Intercept Pharmaceuticals ( WKN A1J5U0 ( INTERCEPT PHARMAC.DL-,001 Aktie) ). Das Papier war vergangene Woche in zwei Tagen um über 500 Prozent gestiegen, nachdem das Unternehmen Erfolge bei der Entwicklung eines Lebermedikaments vermeldet hatte.

Und das ist kein Einzelfall. So sprangen etwa die Papiere von Alnylam Pharmaceuticals ( WKN A0CBCK ( ALNYLAM PHARMACEUTICALS Aktie) ) am vergangenen Montag um rund 70 Prozent nach oben. Hier beflügelte die Nachricht, dass sich Pharmariese Sanofi mit 12 Prozent an dem Biotechnologieunternehmen beteiligen will.

Vorhauser weist allerdings darauf hin, dass die Biotechbranche vor allem etwas für spekulativ eingestellte Investoren ist: 'So schnell wie es hier hoch geht, kann es natürlich auch runter gehen. Wenn man sich engagiert, dann besser in höher marktkapitalisierten Unternehmen, die mehr Sicherheit bieten und im Falle von Zulassungsschwierigkeiten bei neuen Medikamenten nicht gleich ganz von der Bildfläche verschwinden.'

JP Morgen-Konferenz treibt die Kurse

Aber gerade in dieser Woche dürfte es innerhalb der Branche eher nach oben gehen. Dafür spricht zumindest, dass in San Fracisco am Dienstag und Mittwoch die jährliche JP Morgan Healthcare-Konferenz stattfand. Im Rahmen der weltgrößten Biotech- und Pharmamesse präsentiert sich das 'Who is who' der Szene vor Experten der Branche und Großinvestoren, und gibt oftmals einen Ausblick auf die kommenden Monate. Studien haben ergeben, dass der Biotech-Sektor gerade in der Woche, in der die Konferenz stattfindet, den S&P 500 als Benchmark in den meisten Fällen hinter sich lassen konnte. 'Im Chart ist es deutlich zu sehen: Der Branchenindex Nasdaq Biotechnology hat in dieser Woche einen richtigen Aufwärtsschub bekommen', kommentiert Vorhauser. Im vergangenen Jahr legte das Branchenbarometer um über 60 Prozent zu. Zum Vergleich: Das Plus des Nasdaq 100 sind gerade mal 28 Prozent.

Noch Raum nach oben

Ein Ende der Hausse ist offenbar nicht in Sicht: Die Fondsgesellschaft Erste Asset Management, deren Biotech-Fonds Espa Stock Biotec ( WKN 676338     ) von Morningstar zuletzt zum besten Biotech-Portfolio im Dreijahresvergleich gekürt wurde, sieht die Umsatz- und Gewinnaussichten der Branche weiterhin positiv. In den kommenden drei bis fünf Jahren sei mit einem jährlichen Umsatzwachstum von 10 bis 15 Prozent und einem Gewinnwachstum von bis zu 25 Prozent zu rechnen.

Harald Kober, Fondsmanager des Espa Stock Biotec, hält Aktien von Biotechnologieunternehmen trotz der Kurssteigerungen in den vergangenen beiden Jahren noch nicht für zu teuer. Auch eine neue Durststrecke wie nach dem Platzen der High-Tech-Blase im Jahr 2000 stehe nicht bevor: 'Damals gab es zwar viel Zukunftsphantasie, aber kaum Umsätze. Die Biotech-Unternehmen verbrannten noch sehr viel Geld. Heute haben die großen Unternehmen zahlreiche umsatzstarke Produkte auf dem Markt und erzielen hohe Gewinne', weiß Kober.

Blockbuster bringen Milliardenumsätze

Nachdem die Branche jahrelang mit enormen Forschungskosten kämpfte, die kaum in Produkterfolgen mündeten, sind inzwischen zahlreiche Mittel auf dem Markt, die echte Blockbuster geworden sind, also Milliarden-Umsätze generieren - etwa das biotechnisch hergestellte Arthritismittel Humira von der ehemaligen Abbott-Tochter AbbVie, Rituxan und Herceptin von Biogen oder Avastin von Roche.

Kober ergänzt zwar, dass nach einem Jahr mit 50 Prozent Kurssteigerung auch einmal mit vorübergehenden Rückschlägen zu rechnen sei, diese sollten aber als Kaufgelegenheit gewertet werden.

Vielversprechende Produktpipelines

Interessant für ein Investment sind laut Kober vor allem Unternehmen aus den USA, wegen der dort weitaus größeren Anzahl attraktiver Unternehmen als etwa in Europa und der höheren Liquidität der Aktien. Wichtig bei der Auswahl der Aktie seien zudem die Produkt-Pipeline des Unternehmens und die Frage, wie groß der Markt für ein potentielles Medikament ist. 'Das US-Unternehmen Biogen Idec ( WKN 789617 ( BIOGEN Aktie) ) etwa bringt gerade in den USA ein neues Medikament gegen Multiple Sklerose auf den Markt, in Europa steht die Produkteinführung kurz bevor', erklärt Kober.

Wie Vorhauser anmerkt, hat sich der Kurs der Biogen-Aktie in den vergangenen drei Jahren mehr als vervierfacht. 'Allein für die zurückliegenden 12 Monate steht ein Kursplus von über 100 Prozent zu Buche', staunt der Händler. Dennoch spreche die Produkt-Pipeline für weiteres Aufwärtspotenzial. Etwa geht das Analysehaus Stifel Nicolaus davon aus, dass die Umsätze des Blockbusters Avonex gegen Multiple Sklerose in diesem Jahr auf 2,5 Milliarden US-Dollar steigen werden. Für das neue Multiple Sklerose-Mittel Tecfidera werden 2,2 Milliarden Dollar veranschlagt.

Starke Basis: Gilead Sciences

Mittlerweile der größte Spieler im US-Biotechmarkt ist Gilead Sciences ( WKN 885823 ( GILEAD SCIENCES Aktie) ), wie Jan Vrbsky von der Baader Bank anmerkt. 'Der Aktienkurs von Gilead hat sich im vergangenen Jahr verdoppelt, was sehr viel ist für ein Unternehmen dieser Größe', kommentiert der Händler und ergänzt, dass der auf wachstumsstarke Bereiche wie Pilzinfektionen, Tumorerkrankungen, HIV und Hepatitis-B und C spezialisierte Konzern bei Anlegern sehr beliebt sei. 'Gilead verfügt über eine sehr gute Basis, unter anderem wegen seiner HIV-Medikamente. Der Cashflow ist toll', weiß Vrbsky.

Für weitere Kursphantasie in der Aktie sorgt aktuell die Entwicklung eines neuen Mittels gegen Hepatitis B. 'Analysten gehen davon aus, dass sich der Umsatz von Gilead im Falle einer Zulassung verdoppeln würde.' In diesem Szenario würde das Kursgewinnverhältnis unter 10 fallen - die Aktie wäre trotz der hohen Kurssteigerungen in der Vergangenheit aktuell also sehr günstig bewertet.

Vorsicht bei kleinen Spielern

Nicht vergessen werden darf bei Investments in Biotechaktien, wie stark spezielle kleinere Unternehmen vom Erfolg eines oder weniger Produkte sind. 'Die Zulassung für neue Medikamente durchlaufen ja drei Testphasen. Und mit jeder erfolgreich absolvierten Phase steigen die Kursphantasien und die Bewertung. Wenn dann die US-Gesundheitsbehörde FDA in der dritten Testphase die Zulassung verweigert, sind die Kursverluste immens', weiß Vorhauser. Beispiele jüngeren Datums dafür sind Ariad Pharmaceuticals ( WKN 895301 ( ARIAD PHARMA Aktie) ) und Achillion Pharmaceuticals ( WKN A0LCU8 ( ACHILLION PHARMACEUTICALS Aktie) ), deren Kurse nach negativen Bescheiden von der Zulassungsbehörde regelrecht abgestürzt sind.

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von Karoline Kopp, Deutsche Börse AG

© 16. Januar 2014

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)