FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 24. September 2013. Mangels frischer Impulse halten Fondsanleger die Füße still und nehmen bei den zuletzt gut gelaufenen Aktienfonds Gewinne mit.

Rekordhochs an den Aktienbörsen, Bundestagswahlen und die Geldpolitik der USA scheinen Fondsinvestoren nach wie vor wenig zu interessieren. Die Umsätze sind nach Auskunft von Händlern flau. 'Für so eine turbulente Börse, wie wir sie in der vergangenen Woche gesehen haben, sind die Fondsumsätze eigentlich viel zu gering', meldet etwa Frank Wöllnitz von ICF Kursmakler und ergänzt, dass eine 'Wahlbörse' diesmal gar nicht existiert habe. 'Allerdings hat so mancher Anleger im Gefolge der jüngsten Rekordhochs am Aktienmarkt ein paar Gewinne mitgenommen. Wir beobachten dementsprechend einen leichten Abgabeüberhang', meldet der Spezialist. In der vergangenen Woche hatte der DAX die Fortsetzung der ultralockeren Geldpolitik der USA mit einem neuen Allzeithoch von 8.770 Punkten bejubelt. Auch der US-Leitindex Dow Jones Industrial kletterte auf den höchsten Stand aller Zeiten.

Matthias Präger von der Baader Bank bestätigt: 'Im Vorfeld der Bundestagswahlen haben einige offenbar abgewartet, ob etwas außergewöhnliches passiert, aber es kam nichts. Also läuft alles weiter in ziemlich ruhigen Bahnen.' Auch der Baader-Spezialist beobachtet einige Gewinnmitnahmen seit den Rekordhochs. 'Vor allem im Segment Deutschland und Europa sehen wir mehr Rückflüsse, aber auch die international ausgerichteten Portfolios werden überwiegend verkauft', erklärt der Händler.

Rückflüsse bei heimischen Aktienkörben

Die deutlichsten Abgaben verzeichnet Präger im Cominvest Fondak ( WKN 847101     ), dem DWS Investa ( WKN 847400     ) sowie dem DekaFonds CF ( WKN 847450     ), die allesamt fast ausschließlich in deutsche Aktien investieren. Gekauft worden sei indes der auf Gesamteuropa ausgerichtete Allianz Europe Equity Growth Fund ( WKN A0KDMU     ). Rund ein Viertel dieses Fonds ist in britischen Werten angelegt, ein weiteres Fünftel am französischen Aktienmarkt. Deutsche Aktien machen indes lediglich 12 Prozent des Fondsvermögens aus.

Auf wenig Interesse stoßen, wie schon in der Vorwoche, auch US-Dollar-lastige Fonds. Der Spezialist ergänzt aber, dass es trotz der erneuten Aufwertung der europäischen Gemeinschaftswährung gegenüber dem Greenback keine größeren Umschichtungen gegeben habe: 'Die Umsätze sind jedenfalls nicht erhöht.' Auf den Verkaufslisten führt Präger den M&G Global Basics ( WKN 797735     ) sowie die beiden Vontobel-Portfolios Global Value Equity (WKNs A0EQVC, A0EQVD). Gekauft worden sei in diesem Fondssegment lediglich der Picted-Security ( WKN A0LASE     ).

Gemischtes wenig beliebt

Gewinnmitnahmen beobachtet Orlemann zudem bei den Mischfonds, die trotz einer im Vergleich zu reinen Aktienfonds zuletzt unterdurchschnittlichen Kursentwicklung von einigen Anlegern in den vergangenen Monaten doch immer wieder gerne gekauft wurden. 'Auch hier haben einige Investoren nach den Höchstständen am Aktienmarkt etwas Geld mitgenommen. Allerdings ist keine Zockerei zu beobachten, lediglich normale Kundenorders', erläutert der Spezialist. Am stärksten zurückgekommen seien etwa der HVB Vermögensdepot priv Balance PI ( WKN A0M034     ) und der Carmignac Patrimoine (A) ( WKN A0DPW0     ), dessen Performance nicht zuletzt wegen zu hoher Engagements in Schwellenländern schon seit einiger Zeit nicht mehr überzeugt. Auch ein Dachfonds auf gemischte Fonds ( WKN 556167     ) - also ein Gemisch aus Gemischtem - sei derzeit eher unbeliebt. Auf der Kaufseite führt Orlemann einzig den PI Global Value Fund ( WKN A0NE9G     ), der im Gegensatz zu den beiden anderen Mischfonds aktuell fast ausschließlich in Aktien investiert ist.

Lieber Wasser als Gold

Trotz der teils kräftigen Goldpreisbewegungen in der vergangenen Woche spricht Präger mit Blick auf Minenfonds von einem ruhigen Geschäft. Bei eher niedrigen Umsätzen verzeichnet der Händler einen leichten Abgabeüberhang in den Minenfonds von BlackRock (WKNs 987932, A0BMAR) und dem PEH Q-Goldmines von Axxion ( WKN 986366     ).

Auf deutlich mehr Gegenliebe stößt hingegen die Wasserbranche. Zumindest wurde laut Wöllnitz in den vergangenen Tagen der RobecoSAM Sustainable Water Fund ( WKN 763763     ) 'recht heftig gekauft'. Dieser Fonds investiert weltweit in Unternehmen, die Technologien, Produkte oder Dienstleistungen mit Bezug zur Wertschöpfungskette des Wassers anbieten, wie Wasserverteilung, Wassermanagement, Wasseraufbereitung, Wasseranalyse sowie Bewässerung. Zu den größten Positionen zählen unter anderem der US-Mischkonzern Danaher sowie die französischen Umweltkonzerne Suez Environnement und Veolia Environnement.

Fed-Entscheidung lockt zurück in Asienfonds

Die positive Kursreaktion asiatischer Schwellenländermärkte auf die jüngste Sitzung der US-Notenbank und das Festhalten der Federal Reserve an ihren Anleihekaufprogrammen hat laut Präger einige Investoren zurück in Asienfonds gelockt. 'So hat sich etwa die extreme Marktbewegung in Indonesien mit Käufen im Allianz Indonesia Equity Fund ( WKN A0Q09X     ) bemerkbar gemacht', meldet der Spezialist. Der breitere DWS Top Asien ( WKN 976976     ) sei jedoch überwiegend zurückgekommen. Viele asiatische Schwellenländer leiden aufgrund der drohenden Wende in der US-Geldpolitik seit Monaten unter dem Abzug von ausländischem Kapital. Da diese nun doch noch nicht beschlossen wurde, schnellte der Aktienindex in Indonesien am Tag nach der Fed-Sitzung um knapp 5 Prozent nach oben, in Indien und auf den Philippinen um jeweils rund 3 Prozent.

Sie können sich kostenlos für unseren täglichen Newsletter per E-Mail anmelden. Registrieren Sie sich bei www.boerse-frankfurt.de/newsletter.

von Karoline Kopp, Deutsche Börse AG

© 24. September 2013

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)