FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 25. September 2012. Während europäische und internationale Aktienfonds nicht mehr die Günstlinge der Stunde zu sein scheinen, zieht es Anleger vor allem in frei agierende Mischfonds mit beeindruckender Performance-Historie. Und in Goldminen.

Über anziehende Umsätze freuen sich die Spezialisten im Frankfurter Fondshandel. Wie Matthias Präger von der Baader Bank beobachtet, steigen auch die Ordergrößen.

Spezialist Ivo Orlemann, der für die ICF Kursmakler aktiv verwaltete Fonds auf dem Frankfurter Parkett betreut, fand die zurückliegende Woche nicht besonders spannend. Das bewegende Ereignis wäre der dreifache Verfallstermin gewesen, was aber nicht bis in den Fondshandel hinein reiche. 'In diesem Markt sind Anleger wenig spontan und reagieren kaum auf Nachrichten. Sie sehen erfahren vielleicht abends aus der Tagesschau etwas, dass sie zu einer Anlageentscheidung veranlasst, aber selten untertägig.' In den Hochzeiten der offenen Immobilienfonds wäre das noch anders gewesen.

Abgaben von Anteilen an deutschen und europäischen Aktienfonds

Etablierte Portfolios wie der DWS Deutschland ( WKN 849096     ), der UniFonds ( WKN 849100     ) und der Lingohr-Systematic-LBB-Invest würden überwiegend verkauft, berichtet Präger. Auch internationale Fonds stünden auf den Abgabeliste, wie zum Beispiel der DWS Top Dividende (984811), der dadurch auf Platz drei der meistgehandelten Publikumsfonds der Woche landet.

Gegen den Trend gesucht werde der Jupiter Glb European Growth ( WKN A0J317     ), wie Präger weiß. Der Fonds engagiert sich in europäische Nebenwerte mit vermutetem Wachstumspotential. Verkauft würde dagegen der M&G Global Basics, der ebenfalls in solche Aktien investiert ( WKN 797735     ).

Keine asiatischen Aktien, bitte

Wenig Begehr erwecken im Moment scheinbar Aktienfonds mit Anlageschwerpunkt China, denn sowohl der Hongkong China Fonds von Baring ( WKN 933583     ) und der UBS (Lux) Equity Fund - Greater China ( WKN 986408     ) stünden auf den Verkaufslisten, bemerkt Präger.

Mischfonds weiterhin Kassenschlager

Ungebrochen ist die Nachfrage nach einigen Portfolios mit breit gestreutem Investmentansatz. Weit vorne an der Spitze mit einem Umsatz von knapp 1 Million Euro steht der FvS Strategie Multiple Opportunities, ein Absoulte-Return-Fonds ohne Benchmark, der überwiegend Aktien hält, aber auch einige Aktienfonds, Wandelanleihen oder Zertifikate. Eine einzelne Position kann maximal 10 Prozent Gewicht im Fonds haben. Das Management ist nach eigenen Angaben 'in erheblichem Maße' selbst investiert. Fondsmanager ist Bert Flossbach, Gründer und Vorstand der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch.

Ebenfalls gesucht ist ein Mischfonds namens Kapital Plus, der überwiegend in Euro begebene Anleihen hält, aber auch etwa 30 Prozent Aktien ( WKN 847625     ). Emittentin des seit 18 Jahren bestehenden Fonds ist Allianz Global Investors, der Manager Stefan Kloss verwaltet rund eine halbe Milliarde Euro.

Auch der altbekannte Carmignac Patrimoine ( WKN A0DPW0     ) wird im Moment weiterhin gerne gekauft.

Rentenfonds mit Trading-Reiz

Recht regen Handel in beide Richtungen erlebt Orlemann in einem Portfolio, das flexibel Anleihen aller Art hält, dem M&G Optimal Income Funds ( WKN A0MND8     ). Mit solchem Renten-Picking hat das Management in den vergangenen fünf Jahren 63 Prozent erwirtschaftet. Trotzt der soliden Performance vermutet der Spezialist auch Trading-motivierte Käufe und Verkäufe in seinem Buch.

Immobilienfonds im Abseits - mit einigen Ausnahmen

Äußerst ruhig ist es um die Immobilienfonds geworden - mit wenigen Ausnahmen. Umsätze in Höhe von knapp einer halben Million gab es in den vergangenen Tagen im CS Euroreal ( WKN 980500     ), der von der Emittentin Credit Suisse bis Ende April 2017 endgültig aufgelöst und ausgezahlt wird, weshalb nur Handel gegen Buch möglich ist, also bei Vorhandensein der passenden Gegenseite. Orlemann sieht auch einige institutionelle Orders.

Auffällig hoch sind auch die Umsätze in einem Biotechnologiefonds, der sowohl gekauft als auch verkauft werde wie der DWS Biotech Aktien-Typ 0. Der Fonds hält weltweit Biotechnologie-Unternehmen, schwerpunktmäßig aus den USA mit 90 Prozent Anteil. 'Keine konservative Anlage', schätzt Orlemann. Wegen seiner hohen Kursausschläge eigne sich der Fonds nur zur Depotbeimischung. Übrigens waren die DWS-Fonds der Kategorie Typ 0 die ersten börsengehandelten Fonds lange vor Auflegung des eigenen Segments in 2006.

Goldminenfonds begehrt

Von starker Nachfrage nach Anteilen an Portfolios mit Aktien aus der Goldindustrie, z.B. nach dem Nestor-Gold Fonds ( WKN 570771     ) und dem Falcon-Gold ( WKN 972376     ), weiß Präger. Er sieht allerdings keinen einheitlichen Trend, denn der Stabilitas Silber + Weißmetalle ( WKN A0KFA1     ) würde dagegen verkauft.

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© 25. September 2012 / Edda Vogt

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)