FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 23. März 2017. Nach den US-Wahlen legten die Smallcaps besonders stark zu. Die weitere Entwicklung hängt Analysten zufolge aber davon ab, ob Trump seine Pläne tatsächlich umsetzen wird.

Small is beautiful: Der SDAX ist vor wenigen Wochen auf ein neues Allzeithoch geklettert. Auch die US-Nebenwerte, gemessen zum Beispiel am Nebenwerteindex Russell 2000, erreichten Anfang März ein Rekordhoch. Der Russell 2000 bildet die 2.000 kleinsten Unternehmen des Russell 3000 ab, der wiederum die 3.000 größten US-Titel enthält - und damit für 98 Prozent des gesamten US-Aktienmarkts steht.

Nach der Wahl von Donald Trump zum neuen US-Präsidenten haben sich Smallcaps überdurchschnittlich entwickelt und konnten die Largecaps hinter sich lassen. Analysten zufolge könnten die kleinen US-Unternehmen besonders von Steuererleichterungen profitieren, denn sie haben weniger Möglichkeiten als die großen Unternehmen, durch Verlagerung von Zahlungsströmen ins Ausland Steuern zu sparen. Smallcaps haben im Durchschnitt eine Steuerbelastung von 33 Prozent, die großen Unternehmen aus dem S&P 500 aber nur 28 Prozent. Auch gelten "die Kleinen" als besonderer Nutznießer der geplanten Infrastrukturinvestitionen.

Gewinner und Verlierer

Mit die höchsten Kursgewinne unter den Russell 2000-Werten seit der Wahl von Trump erzielte das Biotech-Unternehmen Immunomedics ( WKN 872983 ). "Seit Anfang November hat sich der Kurs verdreifacht", stellt Roland Stadler von der Baader Bank fest. Fast verdreifacht hat sich der Kurs von Applied Optoelectronics ( WKN A1W4EQ ), einem der führenden Anbieter von Glasfaserprodukten. Dem Unternehmen kommen die steigenden Investitionen der Telekommunikationsanbieter in die Infrastruktur zugute. Doch es gibt auch Verlierer: Rasant nach unten ging es zum Beispiel für das Biotech-Unternehmen Ophthotech ( WKN A1W5UZ ), das noch kein zugelassenes Präparat auf dem Markt hat, und Galena Biopharma ( WKN A2DGRR ).

SodaStream im Aufwind

Zu den Top-Performern im Gesamtjahr 2016 Jahr gehörte SodaStream, der an der Nasdaq gelistete israelische Hersteller von Trinkwassersprudlern. An der Börse Frankfurt ( WKN A1C8V8 ) verteuerte sich die Aktie 2016 von 15 Euro auf 37 Euro, in diesem Jahr ging es abermals nach oben auf aktuell 43,18 Euro. Dem Höhenflug vorausgegangen war allerdings ein tiefer Fall: Mitte 2013 stand die Aktie noch bei 55 Euro. "Hintergrund waren sehr schlechte Zahlen. Dem folgte aber ein umfangreicher Umbau des Unternehmens, was sich jetzt bemerkbar macht", berichtet Christopher Sornberger von Oddo Seydler. "Im vierten Quartal 2016 wurden die Erwartungen übertroffen."

Talend mit viel Potenzial

Erst im Sommer des vergangenen Jahres an die Nasdaq ging der in Frankreich gegründete Spezialist für Integrationssoftware Talend, die ersten Monate liefen nicht gerade gut. Seit Jahresanfang kletterten die ADRs an der Börse Frankfurt ( WKN A2APM3 ) aber von 20,69 auf aktuell 25,74 Euro. "Das Unternehmen wächst stark. Der Umsatz stieg von 20 Millionen US-Dollar im vierten Quartal 2015 auf 30 Millionen im vierten Quartal 2016", erklärt Sornberger. "Es werden zwar noch Verluste gemacht, die werden aber kleiner." Talend ist auf Big Data-, Cloud- und Datenmanagement spezialisiert - ein Wachstumsmarkt. "Das Unternehmen dürfte vom Trend zu Digitalisierung und Cloud-Lösungen profitieren."

Präsident muss liefern

Die jüngsten Zweifel, ob die Pläne von Trump tatsächlich umgesetzt werden, setzen den Kursen allerdings derzeit zu. Analysten zufolge muss also abgewartet werden, ob die Steuererleichterungen und höheren Infrastrukturausgaben tatsächlich Realität werden. Wer nicht auf Einzeltitel setzen will, kann im Übrigen auch zu ETFs greifen: Russell 2000-Tracker gibt es unter anderem von Amundi ( WKN A1W9FT ), db x-trackers ( WKN A1XEJT ) und Source ( WKN A0RGCT ). Der Source-ETF (in Euro) hat in den vergangenen drei Jahren um 13,4 Prozent jährlich zugelegt, in den vergangenen fünf Jahren um 15,8 Prozent.

von: Anna-Maria Borse

23. März 2017, © Deutsche Börse AG

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