FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 30. Juli 2014. (FRANKFURT) Börse Frankfurt. Trotz immer neuer beunruhigender Nachrichten aus der Ukraine und dem Gazastreifen: Fondsanleger reagieren gelassen, Panikverkäufe bleiben aus. Wegen der Unsicherheit wird aber besonders gern zu Mischfonds gegriffen.

Die durchaus deutlichen Kursverluste in den vergangenen Wochen haben Fondsanleger nicht verschreckt: "Bei uns dominieren im Juli die Käufe", berichtet Matthias Präger von der Baader Bank. Ivo Orlemann von ICF Kursmakler meldet zwar einen Abgabeüberhang, "es sind aber keine massiven Verkäufe."

Der DAX, der Anfang des Monats abermals über 10.000 Punkte geklettert war, hat in den vergangenen Wochen rund 400 Punkte verloren, am Mittwochmittag notiert das Börsenbarometer bei 9.660 Punkten. Die Ukraine-Krise sowie die Kämpfe in Gaza sorgen für Nervosität, auch die geplanten weiteren Sanktionen gegen Russland belasten. "Dazu kamen enttäuschende Konjunkturdaten, der ifo-Geschäftsklimaindex ist im Juli zum dritten Mal gefallen", erklärt Präger.

Käufe und Verkäufe bei Aktienfonds

So wird bei einigen Aktienfonds Kasse gemacht, andere nutzen die niedrigen Kurse für einen Einstieg. Zugegriffen wird Präger zufolge etwa beim europäischen Nebenwertefonds Threadneedle Pan European Smaller Companies ( WKN A0HMGC     ), beim DWS Aktien Strategie Deutschland ( WKN 976986     ), beim DWS Top Dividende ( WKN 984811     ) und beim international investierenden LOYS Sicav LOYS Global ( WKN 926229     ), der von Christoph Bruns gemanagt wird. Der Fonds sucht weltweit nach unterbewerteten Aktien und kam mit dieser Strategie in den vergangenen drei Jahren auf ein jährliches Plus von knapp 12 Prozent, seit Anfang 2014 sind es 7,35 Prozent. Dagegen trennen sich Anleger vom DWS Deutschland ( WKN 849096     ), vom FF - European Growth ( WKN 973270     ) und vom Carmignac Investissement ( WKN A0DPWW     ), wie Präger weiter berichtet.

Biotech: volatil, aber rentierlich

Auch Biotech-Fonds ziehen weiterhin viel Aufmerksamkeit auf sich. Rege gehandelt, und zwar in beide Richtungen, wird bei ICF Kursmakler der DWS Biotech ( WKN 976997     ). Der hatte sich nach einem deutlichen Rücksetzer im März und April wieder erholt, im Juli aber wieder nachgegeben. Seit Jahresanfang kommt der Fonds immer noch auf ein Plus von 13,7 Prozent.

Asiatische Asien sind eher unbeliebt, laut Baader Bank fliegen der auf US-Dollar lautende Baring Hong Kong China ( WKN 972840     ) und dessen Euro-Variante ( WKN 933583     ) aus den Portfolios.

Mischfonds beliebt wie nie

Zuspruch finden weiterhin Mischfonds. Kauffreudig zeigen sich Anleger Orlemann zufolge etwa beim Kapital Plus ( WKN 847625     ), beim M&G Optimal Income ( WKN A0MND8     ), beim Flossbach von Storch Multiple Opportunities ( WKN A0M430     ) und beim Frankfurter Aktienfonds für Stiftungen ( WKN A0M8HD     ). Der Carmignac Patrimoine ( WKN A0DPW0     ) werde eher abgestoßen. Bei der Baader Bank steht außerdem der ARERO - Der Weltfonds ( WKN DWS0R4     ) auf den Einkaufslisten.

Größere Kauforder gibt es noch beim Leonardo UI ( WKN A0MYG1     ) von Universal-Investment, der auf Aktien, Anleihen, Cash und Rohstoffe setzt und einen Mehrertrag gegenüber den großen Renten- und Aktienmarktindizes anstrebt. Für die vergangenen drei Jahre kommt der Fonds auf 14,51 Prozent im Jahr, seit Anfang 2014 auf 10,45 Prozent. Wie das Analysehaus Morningstar meldet, hatten Mischfonds im Juni übrigens Zuflüsse in Höhe von 12,5 Milliarden Euro verbucht - so viel wie noch nie in einem Monat.

Auch ein reiner Anleihefonds schafft es auf die Umsatzlisten von ICF Kursmakler: der Mittelstandsanleihen-Fonds von Warburg ( WKN A1W5T2     ). "Wir sehen viele Käufe, und zwar eher große Order", meint Orlemann. Der Fonds, der erst im November aufgelegt wurde und sich eher für risikofreudige Anleger eignet, kommt auf Sicht von sechs Monaten auf ein Plus von 3,13 Prozent.

Goldpreisanstieg lockt in Minenfonds

Wieder mehr Aufmerksamkeit ziehen Minenfonds auf sich. Der Grund: Die diversen Krisenherde machten den vermeintlich sicheren Hafen Gold wieder beliebter, der Preis für eine Feinunze kletterte zwischenzeitlich über 1.345 US-Dollar. Auch Minenaktien profitierten. Zuflüsse verzeichnen Präger zufolge der BGF World Gold ( WKN 974119     ) und der BlackRock Global World Mining ( WKN 986932     ). Der kleine Höhenflug des Goldpreises hat allerdings bereits ein Ende gefunden: Am heutigen Mittwoch kostet die Feinunze wieder weniger als 1.300 US-Dollar.

Immofonds mit treuen Anhängern

Umsatzstark präsentieren sich außerdem - wie üblich - Immobilienfonds. Am meisten gehandelt wird laut ICF Kursmakler der CS Euroreal ( WKN 980500     ), der sich in Abwicklung befindet. "Wir beobachten immer wieder kleinere Verkäufe und größere Käufe, unter dem Strich halten sich Zu- und Abflüsse die Waage", konkretisiert Orlemann. Zuflüsse gibt es außerdem im HausInvest ( WKN 980701     ), Abflüsse im Grundbesitz Europa ( WKN 980700     ). "Außerdem gingen zwei österreichische Immobilienfonds zuletzt gut weg", ergänzt der Handler: der SemperReal Estate ( WKN A0MNUT     , A0MTNL     ) von Semper Constantia Invest.

von Anna-Maria Borse, Deutsche Börse AG

© 30. Juli 2014

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