FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - 26. November 2015. Nach dem Ausverkauf der vergangenen Jahren sehen Analysten erste Anzeichen für wirtschaftliche Genesung einzelner Schwellenländer. Anleger zögern noch.

Nach der langen Durststrecke zahlreicher Aktienmärkte in Schwellenländern steht aus Sicht einiger Strategen eine Trendwende bevor. Der Internationale Währungsfonds (IWF) prognostiziert den Emerging Marktes für das Jahr 2016 ein Wirtschaftswachsum von 4,5 Prozent, während die entwickelten Länder sich mit 2,2 Prozent zufrieden geben müssten. Goldman Sachs erwartet gar ein Konjunkturplus von 4,9 Prozent und stellt in einigen aufstrebenden Regionen im Rahmen ihrer jüngsten Einschätzung eine Bodenbildung der Vermögenswerte in Aussicht. Schwache Währungen trügen dazu bei, wirtschaftliche Ungleichgewichte zu entschärfen. Das erhöhe die Aussichten auf eine stärkere Wirtschaft und bessere Erträge. Selbst eine Wiederholung der wilden 2000er Jahre schließen die Amerikaner nicht aus.

Noch keine Aufbruchsstimmung

"Noch befinden sich die Aktien der aufstrebenden Volkswirtschaften mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis von 11 auf einem historischen Tief", bemerkt Jan Vrbsky von der Baader Bank. Der MSCI Emerging Markets könne mit einem Minus von 20 Prozent in diesem Jahr verglichen mit einem 70 Prozent stärkeren S&P 500 und dem Zuwachs von 40 Prozent für die Aktien der Industriestaaten nicht überzeugen. "Gut möglich, dass eine Kehrtwende bevorsteht." Sicher ist dies nach Auffassung von Vbrsky aber nicht, denn noch wagten sich Anleger nicht aus ihrer Deckung. "Es scheint fast so, als wolle niemand den ersten Schritt wagen", beurteilt der Händler die Lage.

Entwicklung in China entscheidend

Knackpunkte für die Investoren sind Vbrsky zufolge die politische Instabilität in zahlreichen Emerging Markets und die niedrigen Rohstoffpreise. "Staaten wie Russland und Brasilien leben zum Großteil vom Rohstoffexport." Ob sich das Blatt für Aktien in den aufstrebenden Ländern wendet, hänge zudem von der Wirtschaftskraft Chinas ab. Allerdings gehöre das Land der aufgehenden Sonne mit geplanten jährlichen Wachstumsraten von 6,5 Prozent weiterhin zu den Treibern der Weltwirtschaft. Davon könnten asiatische Schwellenländer profitieren. Goldman Sachs sieht den größten Hemmschuh in einer möglichen spürbaren Abwertung der chinesischen Währung. "Man kann die Schwellenländer nicht über einen Kamm scheren", fasst Vbrsky zusammen und beschreibt die Ausgangssituation etwa in Indien als gar nicht so schlecht.

High-Tech von Wipro gefragt

Unternehmen wie der indische IT-Dienstleister Wipro ( WKN 578886 ( WIPRO LTD Aktie) ) sind in einer guten Position, wie Walter Vorhauser von der Oddo Seydler Bank bestätigt. Die Aktie von Wipro hat seit Januar von 9,39 auf knapp 11 Euro zugelegt. Zwar bewege sich der Wert damit in einer Seitwärts-Range. "Das hat aber viel mit der Schwäche der heimischen Währung zu tun." Der Anbieter von Forschung & Entwicklung in intelligente, zukunftsweisende Produkte zur Verbesserung der Interaktion zwischen Mensch und Maschine arbeite im Auftrag namhafter internationaler Konzerne." Für Red Hat sei Wipro beispielsweise an der Erweiterung von Linux und am Product Engineerung für die Halbleiterindustrie beteiligt. Indische Firmen belegten mit einem Anteil von 12,67 Prozent weltweit den zweiten Platz im Markt für externes Product Engineering.

ICICI Bank

Gut positioniert sieht Vorhauser auch die ICICI Bank ( WKN 936793 ( ICICI BANK Aktie) ). Die Aktie der größten indischen Bank für Privatkunden im Bereich Kleinkredite und Versicherungen hat zwar im Sog der allgemeinen Marktbewegungen im laufenden Jahr Federn lassen müssen. Seit 2014 steht aber ein Plus von 5,26 auf 7,61 Euro zu Buche. "Die Bank möchte 6 Prozent des 4,9 Milliarden US-Dollar schweren Versicherungsgeschäfts an einen Großinvestor für 290 Millionen US-Dollar verkaufen."

Indische Aktien werden in Europa übrigens nicht direkt gehandelt, sondern als ADR. Diese so genannten American Depositary Receipts sind von amerikanischen Banken ausgegebene Hinterlegungsscheine, die das Eigentum an den Aktien verbriefen. Abgesehen vom Stimmrecht haben ADR-Besitzer die gleichen Rechte wie Aktieninhaber.

von Iris Merker, Deutsche Börse AG

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© 26. November 2015

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)