FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Gold bleibt beliebt, ETC-Anleger nutzen die etwas niedrigeren Preise und decken

sich ein. Dass die Konjunktur wieder ein bisschen optimistischer eingeschätzt

wird, hat die Preise für Öl und Industriemetalle steigen lassen. Zum Teil

machen ETC-Anleger nun aber Kasse.

17. Juni 2020. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Die Goldpreis-Rally scheint ein

Ende gefunden zu haben - zumindest vorerst. Am Mittwochmittag wird die Feinunze

zu 1.719 US-Dollar gehandelt, vor einem Monat waren es in der Spitze fast 1.766

US-Dollar. In Euro war der Preis im Mai sogar auf ein Allzeithoch von über

1.600 Euro geklettert, aktuell sind es wieder 1.527 Euro. Gold-ETCs werden aber

weiter gekauft, wie Mobeen Tahir von WisdomTree meldet. "Wir haben eine starke

Nachfrage nach Gold gesehen, Hintergrund ist die Unsicherheit bezüglich der

globalen wirtschaftlichen Erholung und die Gefahr einer zweiten

Infektionswelle."

Immer neue Rekordbestände bei Xetra-Gold

Der Bestand von Xetra-Gold (WKN A0S9GB) hat abermals neue Hochs erreicht und

liegt aktuell bei knapp 220 Tonnen. Xetra-Gold bleibt zudem Umsatzspitzenreiter

an der Börse Frankfurt. Anleger setzen außerdem auf den Invesco Physical Gold

(WKN A1AA5X), den Xtrackers Physical Gold mit und ohne Währungsabsicherung (WKN

A1EK0G, A1E0HR), den WisdomTree Physical Gold (WKN A0N62G), den Gold Bullion

Securities (WKN A0LP78) und den WisdomTree Physical Swiss Gold Individual

Securities (WKN A1DCTL).

Geopolitische Risiken als Preistreiber

Nach Ansicht von Dora Borbély von der DekaBank ist ein Ende der "glänzenden

Zeiten" nicht absehbar. "Selbst nach der akuten Corona-Krise wird es lange

Jahre dauern, bis die Notenbanken wieder die geldpolitischen Zügel straffen,

und wahrscheinlich noch länger, bis die Staaten ihre Schulden abbauen", erklärt

die Analystin. Jüngst hätten geopolitische Risiken durch die Zuspitzung des

Konflikts zwischen den USA und China als Preistreiber für Gold wieder an

Bedeutung gewonnen.

Silber profitiert von Einsatz in Industrie

Der Silberpreis, der seit dem März-Tief von 11 auf 19 US-Dollar gestiegen war,

hat sich auf hohem Niveau stabilisiert. Aktuell wird die Feinunze zu 17,45 US-

Dollar gehandelt. Laut Tahir profitiert Silber von der Korrelation zu Gold.

"Außerdem erhält Silber zusätzliche Unterstützung durch die verbesserten

Aussichten für Industriemetalle - immerhin kommt die Hälfte der Silbernachfrage

aus der Industrie." An der Börse Frankfurt geht vor allem im Xtrackers Physical

Silver (WKN A1E0HS) viel um.

Ölpreis gegenüber Tief fast verdoppelt

Ein sehr hohes Handelsaufkommen gibt es aber auch wieder bei Öl-ETCs, einige

der Produkte kommen auf ähnlich hohe Umsätze wie die traditionellen

Umsatzspitzenreiter Gold-ETCs. Das hängt wohl auch mit dem wieder deutlich

gestiegenen Ölpreis zusammen. Ein Barrel der Nordseesorte Brent kostet aktuell

41 US-Dollar nach dem Tief von knapp 21 US-Dollar Ende April. Laut WisdomTree

überwogen bei Öl-ETCs zuletzt aber die Verkäufe. "Nach den hohen Zuflüssen

haben Investoren wohl Gewinne mitgenommen”, bemerkt Tahir. Umsatzstark sind an

der Börse Frankfurt vor allem der WisdomTree WTI Crude (WKN A0KRJX), der

WisdomTree Brent Crude Oil (WKN A1N49P), der WisdomTree WTI Crude Oil 2x Daily

Leveraged (WKN A2BDEB) und der BNPP WTI Oil (WKN PS7WT1).

"Am Ölmarkt herrscht weiter Überangebot"

Die DekaBank erwartet, dass die erreichten Ölpreisniveaus zunächst nicht

gehalten werden können, denn am weltweiten Ölmarkt herrsche nach wie vor ein

Überangebot. "Zwar sinkt die Ölförderung in den USA, den Opec-Ländern und auch

in Russland, aber das Ausmaß des Rückgangs dürfte nicht ausreichen, um den

Nachfrageeinbruch auszugleichen", erklärt Borbély. Auch wenn der Ölverbrauch

konjunkturbedingt im zweiten Halbjahr wieder anspringe, dürfte im

Jahresdurchschnitt 2020 weniger Rohöl nachgefragt werden als 2019. "Zudem wird

es den Ölförderern bei steigenden Preisen zunehmend schwerfallen, sich an die

freiwilligen Produktionskürzungen zu halten."

"Wir erwarten bei Industriemetallen deutliche Preiskorrektur"

Auffällig ist derzeit auch das hohe Interesse an Kupfer-ETCs, der WisdomTree

Copper (WKN A0KRJU) gehört zu den meist gehandelten ETCs an der Börse

Frankfurt. Kupfer hat alle Corona-bedingten Verluste wettgemacht und notiert 25

Prozent höher als im Tief Mitte März, wie Barbara Lambrecht von der Commerzbank

bemerkt. "Die Marktteilnehmer schauen über die sich aktuell auftürmenden

Überschüsse hinweg." Auf Dauer würden sich die harten Fakten aber nicht

ignorieren lassen. "Wir erwarten weiterhin bei den Industriemetallen eine

deutliche Preiskorrektur."

von Anna-Maria Borse

17. Juni 2020, © Deutsche Börse AG

(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)