FRANKFURT (DEUTSCHE-BOERSE AG) - Gold als sicheres Investment in unsicheren Zeiten ist derzeit nicht selten erste Wahl. Auch marktbreite Rohstoff-Körbe finden Abnehmer. Steigende Ölpreise nutzt so mancher Anleger zum Glattstreichen von Gewinnen.

30. Mai 2018. FRANKFURT (Börse Frankfurt). Edelmetalle und Öl bestimmen das Bild am Markt für Exchange Traded Commodities in einem laut Händler für Rohstoffe besonders aktiven Monat. "Im Vergleich zum April hatten wir fast den doppelten Umsatz", informiert Oliver Kilian von der UniCredit. Gold war demnach besonders gefragt. Das gelbe Edelmetall verlor seit Monatsbeginn von 1.315 auf 1.297 US-Dollar pro Feinunze leicht an Gewicht. Von ihren Rohöl-Positionen, die von steigenden Kursen profitieren, hätten Investoren tendenziell Abstand genommen. "Hier standen Gewinnmitnahmen im Vordergrund."

Die Breite zählt

Zu Beginn und gegen Ende Mai verbucht Kilian rege Nachfrage nach Produkten, die sich an marktbreiten Indizes orientieren. Mit einem deutlichen Überhang gekauft worden seien Tracker des Bloomberg Commodity USD Total Return Index ( WKN A2DK6R ), Reuters/Jefferies CRB Index ( WKN A0JC8F ), Bloomberg ex-Agriculture and Livestock 20/30 Capped Index ( WKN A2DPAL ) sowie Commerzbank Commodity ex-Agriculture Index ( WKN ETF090 ). Letzterer spiegelt die Entwicklung von zwölf Rohstoffen in den Bereichen Energie, Edel- und Industriemetalle wider, die anfänglich mit 8,333 Prozent gleich verteilt waren und regelmäßig auf ihre Gewichtung hin überprüft und bei Bedarf angepasst werden.

Anleger vertrauen auf Gold

Auch Frank Mohr meldet großes Interesse an Rohstoffen insgesamt und Goldprodukten im Besonderen. "Mit einem Anteil von 4 Prozent des gesamten ETF-Aufkommens liegen Rohstoff-Werte deutlich über dem sonst üblichen Niveau", meldet der Händler der Commerzbank. ETFS Physical Gold-ETCs ( WKN A0N62G ) landeten ebenso häufig in den Anlegerdepots wie Xetra-Gold ( WKN A0S9GB ). "Xetra-Gold schafft es in diesem Monat gar in die Top 10 unserer ETF-Umsatzstatistik." Zu diesem Bild passt, dass Xetra-Gold in wenigen Tagen aller Voraussicht nach den Bestand von 180 Tonnen knacken wird.

Xetra-Gold gehört auch bei den UniCredit-Kunden zu den beliebtesten Gold-Produkten auf der Kaufseite. Zudem lande der währungsgesicherte Xtrackers Physical Gold Euro Hedged ETC ( WKN A1EK0G ) besonders häufig in den Depots. Breiter gefasste Edelmetall-Werte wie der ETFS Physical PM Basket ( WKN A0N62H ) und ETFS EUR Daily Hedged Precious Metals ( WKN A1NZLQ ) seien gern in beide Richtungen gespielt worden. "Hier überwiegen leicht die Abflüsse."

Geopolitik spielt Gold in die Karten

Gold bleibt für Investoren ein attraktiver sicherer Hafen, wie ETF Securities bzw. WisdomTree feststellt. Seit Jahresbeginn verbuchen das Unternehmen weltweit Zuflüsse zu Goldprodukten in Höhe von einer Milliarde US-Dollar, wenngleich in der vergangenen Woche 63,5 Millionen US-Dollar aus Goldprodukten abgezogen worden seien. Der Aufwärtstrend werde sich angesichts einer vollgepackten politischen Agenda vermutlich fortsetzen, wie WisdomTree schätzt. Zahlreiche verbleidende Katalysatoren würden den Goldpreis trotz teurerem US-Dollar und steigender Renditen für US-Staatsanleihen unterstützen.

Das sieht Heinrich Peters ähnlich. Der Gegenwind durch die US-Geldpolitik und den aufwertenden US-Dollar dürfte nach Ansicht des Rohstoffanalysten der Helaba den Höhepunkt erreicht haben. Technisch werde das gelbe Metall vermutlich auch den jüngsten Test der 200-Tage-Linie positiv abschließen. Neben der sich zuspitzenden geopolitischen Lage wirkten die Schwellenländer und auch Europa politisch und ökonomisch zunehmend labil. "Gold gehört in diesem Umfeld zu den wenigen wirklich sicheren Häfen", urteilt Peters.

Anziehungskraft von Öl lässt nach

Öl-ETCs führen Kilian und Mohr auf der Abgabeseite. ETF Securities verbucht bei Rohöl-ETCs ( WKN A1N49P ) unterm Strich ein Minus von 45 Millionen US-Dollar. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich seit Monatsbeginn zwar um gut 8 Prozent und übersprang zwischenzeitlich die Marke von 80 US-Dollar pro Barrel. Nachhaltig konnte der Preis laut HSBC auch deshalb nicht gehalten werden, weil Saudi Arabien und Russland gegenwärtig über eine Anhebung der Ölförderung der OPEC-Staaten verhandelten.

"Es mehren sich die Signale, dass WTI und Brent reif sind für eine Verschnaufpause", meint Peters. Grundsätzlich herrsche am Ölmarkt zwar weiterhin ein Angebotsdefizit, das mittelfristig die Preise unter Umständen treibe. Kurzfristig könnte jedoch durchaus eine Konsolidierung winken. Ein Indiz dafür sieht der Analyst in mit 5,8 Millionen Barrel unerwartet stark gestiegenen Lagerbeständen in den USA. Die Benzin-Lagerbestände hätten sich um 1,9 Millionen Barrel erhöht. Das Minderangebot durch die US-Sanktionen gegen Iran und Venezuela könne durch etwaige höhere Produktionsmengen vonseiten der OPEC etwas ausgeglichen werden.

Nach Auffassung von Frank Schallenberger von der LBBW werden Donald Trump und die Republikaner vor den Wahlen im Herbst ein Interesse daran haben, zum Teil politisch ausgelöste spekulative Übertreibungen an den Märkten einzufangen.

von: Iris Merker

30. Mai 2018, © Deutsche Börse AG

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